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Galgenhumor in der Heimat

Es bleibt dabei: Der Elfmeterpunkt bringt England kein Glück. Auch bei der EM 2012 platzten die Träume der „Three Lions“ vom ersten großen Titel seit dem WM-Triumph 1966 im Elfmeterschießen. Italien hatte nach einer Nullnummer nach 120 Minuten im Viertelfinale am Sonntag in Kiew das bessere Ende für sich. In England nimmt man den „Fluch“ mittlerweile mit Galgenhumor.

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Die ansonsten um deftige Worte nicht verlegene „Sun“ sah das Ausscheiden der Mannschaft von Teamchef Roy Hodgson durch die Spaßbrille. „Lust auf Tennis?“, titelte das Boulevardblatt und verwies damit auf das nächste sportliche Highlight auf der Insel: „England verliert wieder im Penaltyschießen, aber wenigstens kommt jetzt Wimbledon.“ Auch auf die in knapp einem Monat beginnenden Olympischen Spiele in London soll sich der Sportfan freuen.

Enttäuschte englische Spieler

AP/Vadim Ghirda

Die Engländer konnten es nicht fassen: Erneut kam im Shoot-out das Aus

Elferdrama hat Tradition

Der englische Tourismusverband nahm das anhaltende Pech der englischen Kicker vom Elfmeterpunkt gleich in seine Werbung auf. „England verliert im Penaltyschießen. Mehr über unsere Kultur und unsere Traditionen erfahren Sie auf visitengland.com“, ließ das Tourist Board über „Twitter“ ausrichten. Die Spieler würden auf diese Tradition jedoch gerne verzichten. Zum sechsten Mal seit 1990 scheiterte England bei einer WM oder EM im Elfmeterschießen. „So auszuscheiden ist extrem bitter, aber es ist schon oft passiert“, sagte Stürmer Wayne Rooney, der seinen Versuch sicher verwertete.

Nur bei der Heim-EM 1996 hatte man gegen Spanien im Viertelfinale das Glück auf seiner Seite - und verlor im Semifinale gegen Deutschland ebenfalls im Shoot-out. War es damals Gareth Southgate, dem im Wembley Stadion die Nerven versagten, waren im Olympiastadion von Kiew diesmal Ashley Young und Ashley Cole die tragischen Figuren auf Seiten der „Three Lions“. Dabei hatte es nach dem verschossenen Versuch von Riccardo Montolivo noch gut für England ausgesehen.

Situation nicht trainierbar

Doch Young traf die Latte, Coles schwach geschossener Penalty landete in den Händen von Keeper Gianluigi Buffon. Im Champions-League-Finale hatte Cole für Chelsea gegen Bayern München noch souverän verwertet. Teamchef Hodgson nahm seine Spieler daher auch in Schutz. „Beide haben für ihre Clubs bereits Elfmeter verwertet. Wir hatten vollstes Vertrauen in unsere Schützen, leider haben zwei nicht getroffen“, sagte Hodgson.

Gianluigi Buffon hält den Elfmeter von Ashley Cole

Reuters/Tony Gentile

Pech für Cole: Buffon errät beim schwach geschossenen Elfmeter die Ecke

Der Teamchef ließ seine Spieler im Training zwar Elfmeter üben, mit der Stresssituation im Stadion waren diese Versuche jedoch nicht zu vergleichen. „Man kann die Anspannung, die Nervosität und den Anlass im Training nicht simulieren“, sagte Hodgson, „die Coolness eines (Andrea) Pirlo hat man oder hat man nicht.“ Der italienische Routinier hatte Englands Torhüter Joe Hart wie einst der Tscheche Antonin Panenka im EM-Finale 1976 den deutschen Goalie Sepp Maier mit einem Schupfer in die Mitte des Tores düpiert.

„Gehen mit erhobenen Köpfen“

Unter dem Strich musste England aber froh sein, nicht bereits nach 90 Minuten ausgeschieden zu sein. Die Italiener waren in der Offensive deutlich gefährlicher, 20 zu vier Torschüsse lautete die Bilanz aus Sicht der „Azzurri“, zweimal rettete die Stange für Keeper Hart. „Ich muss Italien loben, sie haben eine fantastische Mannschaft“, sagte Kapitän Steven Gerrard. Auch Wayne Rooney musste zugeben: „Sie hatten mehr Ballbesitz und Chancen.“

Immerhin: England blieb auch im sechsten Spiel unter Hodgson nach 90 Minuten ungeschlagen. Nach dem Theater um die Trainerbestellung und Verletzungspech in der Vorbereitung übertrafen die ohne große Hoffnungen zur EM gereisten Engländer mit dem Einzug ins Viertelfinale alle Erwartungen - auch die der sonst so kritischen Medien. Am Ende stand jedoch wieder die bittere Erkenntnis, dass England und Elfmeter nicht zusammenpassen. „Wir gehen mit erhobenen Köpfen“, sagte Gerrard, „aber was bleibt, ist, dass uns wieder einmal die Herzen gebrochen worden sind.“

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