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Euphorie in der Heimat

Italien hat die schlechten Vorbereitungsergebnisse und den Wettskandal im Turniervorfeld eindrucksvoll hinter sich gelassen. Im Vorfeld nur als Außenseiter gehandelt, steht die „Squadra Azzurra“ nun im Halbfinale der EM in Polen und der Ukraine. Nach dem 4:2-Erfolg im Elfmeterschießen gegen England träumt man bei den Italienern bereits vom Finale.

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Am Donnerstag soll in Warschau gegen Favorit Deutschland der dritte Einzug in ein EM-Endspiel nach 1968, als man den bisher einzigen Titel holte, und 2000, damals unterlag man erst in der Verlängerung Frankreich, gelingen. Die Hoffnung, nun auch die hohe Hürde Deutschland zu überspringen, nährt vor allem der rechtzeitig in Topform agierende Andrea Pirlo.

Italien-Fans

AP/Alessandra Tarantino

In Rom bejubelten Tausende Fans den Aufstieg ihrer „Azzurri“

Pirlo in Spiellaune

Der Routinier zog gegen England gewohnt im Mittelfeld der Italiener die Fäden und sorgte im Elfmeterschießen mit einem in Panenka-Manier verwandelten Versuch (in Italien ‚cucchiaio‘, übersetzt Löffel, genannt) für das Highlight des Abends. Die Auszeichnung „Man of the match“ gab es für den 33-jährigen Juventus-Kicker daher völlig zurecht. „Ich habe gesehen, wie sich der Torhüter ein bisschen zu früh bewegt hat, deshalb habe ich mich zu diesem Schuss entschieden“, klärte Pirlo auf.

Seine Truppe stehe völlig zurecht im Halbfinale. „Wir haben uns viele Chancen herausgespielt, aber dank ihres Torhüters und unseres Pechs ist das Spiel ins Elfmeterschießen gegangen. So etwas kann passieren, man kann nicht immer treffen“, sagte Pirlo. Die Statistik sprach jedenfalls mit 35:9 Schüssen, 20:4 Torschüssen und einem Ballbesitzverhältnis von 64 zu 36 Prozent Bände.

Lob für Balotelli

Der Großteil der Offensivaktionen ging auf das Konto von Mario Balotelli, der eine erfrischende Vorstellung bot, der nur die Krönung in Form eines Treffers in den 120 Minuten fehlte. Im Elfmeterschießen war der 21-jährige Manchester-City-Stürmer dann aber doch noch gegen seinen Mannschaftskollegen Joe Hart erfolgreich. „Er hat eine exzellente Leistung geboten und viel Charakter gezeigt“, lobte Teamchef Cesare Prandelli das „Enfant terrible“.

„Er ist zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass er den ersten Elfmeter schießen will. Das zeigt seinen Charakter.“ Balotelli genoss nach der Partie den Erfolg und gönnte sich einen der wenigen Momente, in denen er einmal gar nichts sagte und durch die Hintertür aus dem Stadion verschwand. Prandelli hatte aber nicht nur für Balotelli lobende Worte parat. „Wir hatten die nötigen Ideen, haben versucht Fußball zu spielen, aber die Engländer haben sich hinten einfach nicht herauslocken lassen“, sagte der Teamchef.

In der Entscheidung zauberte vor allem Pirlo ein Lächeln ins Gesicht des 54-Jährigen. „Er ist ganz ruhiggeblieben und hat einmal mehr bewiesen, dass er ein Star ist, der genau weiß, was zu tun ist“, sagte Prandelli über Pirlo. Bedanken musste sich der Teamchef auch bei Goalie Gianluigi Buffon, der den allerdings auch schwach geschossenen Elfmeter von Ashley Cole parierte. „Auf Buffon ist Verlass“, sagte Prandelli.

Italien-Trainer Prandelli

APA/ANSA/Maurizio Brambatti

Teamchef Cesare Prandelli hätte am liebsten alle Spieler zugleich umarmt

„Schönste italienische Nationalelf“

Die italienischen Medien waren voll des Lobes. Die anwesenden Journalisten empfingen Teamchef Prandelli im Kabinengang mit Applaus. „Italien wie von einem anderen Planeten. Gewaltig!“, tönte der „Corriere dello Sport“ und vermeldete: „Im ganzen Land explodiert die Begeisterung“. „La Stampa“ befand erstaunt: „Es war eine Partie gegen jede Tradition, die Azzurri machen das Spiel, die Engländer den Catenaccio.“

„Italia go!“ forderte die „Gazzetta dello Sport“. Die „Squadra Azzurra“ habe beim Sieg gegen die Engländer mit „Herz, Kampf und Klasse“ aufgetrumpft. Prompt feierte die Zeitung das Prandelli-Team als „die schönste italienische Nationalelf seit der WM in Deutschland“. 2006 hatten sich die Italiener den vierten WM-Titel geholt, auch dank eines 2:0-Erfolgs in der Verlängerung im Halbfinale gegen Deutschland.

Weiße Weste

Nun kommt es wieder zum Klassiker und da haben die Italiener gute Erinnerungen, haben sie doch bei einer EM oder WM in sieben Duellen (3 Siege, 4 Remis) noch nie gegen die Deutschen verloren. „Deutschland ist eine großartige Mannschaft, die problemlos das Halbfinale erreicht hat. Aber wir sind ja auch noch dabei, möge das bessere Team gewinnen“, sagte Pirlo im Hinblick auf die Halbfinalpartie. Die Italiener müssen auf den gesperrten Christian Maggio verzichten, zudem sind Daniele de Rossi und Ignazio Abate angeschlagen.

Bisherige Duelle bei EM- und WM-Endrunden:
1962 WM Deutschland - Italien 0:0 Gruppenspiel
1970 WM Italien - Deutschland 4:3 n.V. Halbfinale
1978 WM Deutschland - Italien 0:0 2. Finalrunde
1982 WM Italien - Deutschland 3:1 Finale
1988 EM Deutschland - Italien 1:1 Gruppenspiel
1996 EM Italien - Deutschland 0:0 Gruppenspiel
2006 WM Deutschland - Italien 0:2 Halbfinale
2012 EM Deutschland - Italien 1:2 Halbfinale
Gesamtbilanz (31 Spiele):
7 Siege Deutschland - 9 Unentschieden - 15 Siege Italien, 35:47 Tore

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