Genugtuung nach EM-Titel
Spaniens Nationalteam hat im Finale der EM 2012 alle Kritiker eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Trainer Vicente del Bosque zog auch im Finale am Sonntag gegen Italien sein System durch und wurde mit dem dritten großen Titel für Spanien in Folge belohnt. Vor allem die Mittelfeldachse Andres Iniesta, Xavi Hernandez, David Silva und Cesc Fabregas zeigte, warum Spanien keinen Stürmer braucht.
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Das Quartett war an fast allen Toren beim 4:0-Kantersieg über die „Squadra Azzurra“ beteiligt. Mit schnellen Pässen in die Tiefe nahmen die Spanier die Italiener im wahrsten Sinn des Wortes auseinander - und das auch ohne traditionellen Mittelstürmer. „Sie verursachen auch so eine Menge Probleme“, sagte auch Italiens Teamchef Cesare Prandelli, dessen Taktik, auf eine Viererkette zu setzen, daneben ging. Bereits nach 14 Minuten lag Spanien auf der Siegerstraße.
„Lassen es nur leicht aussehen“
Nach einer schnellen Kombination über die Stationen Xavi, Iniesta und Fabregas musste Silva nur noch den Kopf hinhalten und es stand 1:0 für Spanien. Beim 2:0 in der 41. Minute wurden die italienischen Verteidiger wiederum zu Zuschauern degradiert, als Xavi Jordi Alba auf die Reise schickte. Das nach dem Semifinale kritisierte Kurzpassfestival in der eigenen Hälfte war im Finale nicht zu sehen. Schnörkellos und in vollem Tempo suchten die Spanier den Abschluss. Die Kritiker verfolgten so wie die italienischen Fans das Gezeigte mit offenen Mündern.

Reuters/Darren Staples
Xavi (l.) zeigte der italienischen Abwehr im Finale ihre Grenzen auf
Auch von der im Vorfeld des Finales georteten Müdigkeit und Überspieltheit nach einer langen Saison war im Finale nichts zu sehen. Die Genugtuung über die Machtdemonstration des spanischen Systems war den Spielern ins Gesicht geschrieben. „Jeder hat seine Meinung. Wir haben nie behauptet, unsere Art zu spielen ist die beste“, sagte Iniesta, der zum Spieler des Finales und des Turniers gewählt wurde, „diesmal waren wir auf einem hohen Niveau und unserem Stil treu.“ Auch Torhüter Iker Casillas ging mit den Kritikern hart ins Gericht.
„Was wir machen, ist sehr schwer, wir lassen es nur leicht aussehen“, sagte der spanische Kapitän, „aber es ist nie ein Spaziergang“. Die selbst gelegte Latte ist hoch. „Wir haben gewusst, dass es sofort Kritik geben wird, wenn wir ein bisschen nachlassen“, sagte Casillas, „deshalb werden wir diesen Moment genießen. Denn man wird sich ewig daran erinnern.“ Ihren Platz in den Geschichtsbüchern haben die Spanier mit dem dritten großen Titel in Folge sicher. Europameister, Weltmeister und wieder Europameister - das schaffte in der Geschichte des runden Leders noch keine Nation.
Del Bosque hat recht
„Wir haben es uns verdient, wir waren die Besten“, sagte Xavi, „wir haben ein perfektes Spiel gezeigt - wahrscheinlich das beste Spiel des gesamten Turniers. Daher haben wir Geschichte geschrieben und werden das auch genießen.“ Verletzungspech der Italiener, die ab der 64. Minute nur noch mit zehn Mann auskommen musste, ließ die Spanier gegen Ende der Partie auch zum bewährten „Tiqui-taca“ zurückkehren. Insgesamt 815 Pässe brachten Iniesta, Xavi und Kollegen an den Mann.

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Del Bosque beherrscht nicht nur das Gefühl für das richtige Spielsystem
Der siegreiche Feldherr Del Bosque fühlte sich in seiner Vorgangsweise bestätigt. Erst als die Partie schon gelaufen war, brachte der 61-Jährige mit Fernando Torres einen „echten“ Stürmer. „Es gibt nicht nur eine Art Fußball zu spielen“, sagte Del Bosque, „wir haben sehr intelligente Spieler, denen ich vertraue. Es ist ein sehr ausgeglichenes Team.“ Eine Ausgeglichenheit, an der die Gegner allesamt zerbrachen. Nur ein Tor kassierten die Spanier in sechs EM-Spielen, seit 990 Minuten musste Casillas in einem K.-o.-Spiel den Ball nicht mehr aus dem Tor holen.
Medien feiern Europameister
Das Ende der Fahnenstange ist für den nunmehr dreifachen Europameister aber noch nicht erreicht. Das was man im US-Sport als Dynastie bezeichnet, soll noch einige Jahre andauern. „Unser Ziel ist es, auch in den kommenden Jahren Titel zu gewinnen“, sagte Alvaro Arbeloa. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien wollen die Spanier ihre derzeitige Vormachtstellung im Weltfußball erneut untermauern.
Nicht nur die spanischen, auch die internationalen Medien zogen den Hut vor der „Furia Roja“. Die deutsche „Bild“ titelte: „Glückwunsch Spanien, ihr seid die Besten der Welt. Die Fußballwelt verneigt sich.“ Die „Zeit“ sprach von einer „Demütigung“ der Italiener im Finale. Der englische „Daily Mirror“ nahm Bezug auf den Titelhattrick: „Ole, Dreifaltigkeit!“ Für die „Sun“ sind die Spanier erneut die „Könige von Europa“.
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