„Seleccion“ macht Spanier glücklich
Spaniens Europameister sind am Montagnachmittag im Triumphzug von der 14. Europameisterschaft zurückgekehrt. Die „Furia Roja“, die im Finale gegen Italien ihre fußballerische Ausnahmestellung präsentierte und als erste Mannschaft der Welt drei große Titel (EM 2008, WM 2010 und EM 2012) eroberte, wurde euphorisch gefeiert.
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Das Team von Trainer Vicente del Bosque wurde am Montag auf einem abgeschirmten Teil des Flughafens Madrid-Barajas von Angestellten des Airports und von Feuerwehrleuten mit Beifall empfangen. Am späteren Nachmittag stand ein Empfang im Zarzuela-Palast bei König Juan Carlos auf dem Programm. „Ihr habt uns eine große Freude gemacht“, sagte der Monarch den Teamspielern in einer kurzen Ansprache. „Nicht allein uns, sondern ganz Spanien.“

Reuters/Andrea Comas
Die Begeisterung auf Madrids Straßen kannte keine Grenzen
Am Abend fuhren die Europameister in einem offenen Bus mit dem „Coupe Henri Delaunay“ als wertvolles EM-Souvenir und umringt von Hunderttausenden Fans durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt.
„Spanien und niemand sonst hat das beste Team“
Am Cibeles-Brunnen, an dem normalerweise die Fußballer von Real Madrid ihre Triumphe feiern, ging die offizielle Siegesfeier über die Bühne. Spanien hatte sich den EM-Titel am Sonntag mit einem 4:0-Sieg vor 64.000 Zuschauer im Olympiastadion von Kiew über Italien gesichert. „Sie wird den Fans unvergessen bleiben - ähnlich wie die berühmten Mannschaften Brasiliens mit Pele, der Niederlande mit Johan Cruyff oder Argentiniens mit Diego Maradona“, betonte das Sportblatt „Marca“.

APA/EPA/EFE/Ballesteros
Spaniens König Juan Carlos gehörte zu den ersten Gratulanten
Die Zeitung ließ keinen Zweifel zu: „Spanien und niemand sonst hat das beste Fußballteam aller Zeiten." Der EM-Gewinn löste im ganzen Land einen beispiellosen Jubel aus. Hunderttausende Fans im ganzen Land feierten bis tief in die Nacht eine Fußball-Fiesta."Spanien zeigte die glänzendste Fußballshow, die man je in einem EM-Finale gesehen hat“, so das Sportblatt „As“.
Alle sind „Weltfußballer“
Uneinigkeit herrschte allein darüber, welchen Spieler man denn als den Helden der EM und des Finales feiern sollte: den Tormann und Kapitän Iker Casillas, der bei der EM nur einen Gegentreffer kassierte, den Regisseur Xavi, den eleganten Dribbler Andres Iniesta oder den Linksverteidiger Jordi Alba, die große Entdeckung der EM? „Marca“ schlug einen Ausweg vor: „Die ganze Mannschaft sollte den Goldenen Ball für den Weltfußballer des Jahres bekommen.“
Die Siegesfeier erreichte ein ungewohntes Ausmaß. Spaniens Nationalmannschaft hatte bei den Fans jahrzehntelang im Schatten der großen Clubs wie Real Madrid oder FC Barcelona gestanden. Dies hat sich grundlegend geändert. Seit dem Gewinn der EM 2008, der WM 2010 und der jetzigen EM-Titelverteidigung haben die Spanier ihre Liebe zur „La Roja“ vollends entdeckt.

Reuters/Susana Vera
Madrid versinkt im rot-gelben Fahnenmeer
Echte Vorbilder
Die Spanier sind stolz auf ihre Nationalelf, weil sie mit ihrem Kurzpass-Spiel einen Stil geschaffen hat, den Teams in aller Welt nachzuahmen versuchen. Aber damit nicht genug: Die Spieler der Seleccion haben sich auch mit ihrer Fairness und ihrem beispielhaften Verhalten hervorgetan. Zudem sind Trainer Del Bosque und seine Spieler trotz der Erfolge am Boden geblieben, wie auch die zahlreichen Familienfotos der Spieler unmittelbar nach dem Finaltriumph bewiesen.
Die Trikots der Nationalelf sind zum großen Verkaufsschlager im ganzen Land geworden. Das Fernsehen verzeichnete einen Zuschauerrekord: Das EM-Finale war das meistgesehene Fußballspiel in der spanischen TV-Geschichte. Der EM-Gewinn bedeutete ein Erfolgserlebnis für ein Land, das unter Rezession, Schuldenkrise und Arbeitslosigkeit leidet. „Die Seleccion hat erreicht, dass Millionen von Spaniern glücklich sind“, sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy, der kürzlich bei der EU Hilfe für marode spanische Banken beantragen musste. „As“ wandte allerdings ein: „Der Fußball bereitet Freude, aber er löst die Probleme nicht.“
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