Ärger auf Rennstewards
Sebastian Vettel hatte zur Halbzeit einer Formel-1-WM schon bessere Laune. 44 Punkte fehlen dem Titelverteidiger nach zehn Rennen auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso. Bei Vettel wird aber nicht nur aufgrund des Rückstandes auf den spanischen Ferrari-Fahrer die Haut immer dünner. Der Deutsche fühlt sich spätestens seit seiner Bestrafung im Grand Prix von Deutschland in der Opferrolle.
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Das umstrittene Überholmanöver gegen McLaren-Pilot Jenson Button in der vorletzten Runde, als Vettel in einer Kurve außerhalb der Strecke am Engländer vorbeizog, nagt weiter an der Seele des 25-Jährigen. „Aus meiner Sicht ist eigentlich alles richtig abgelaufen, aber man kann nichts tun, wenn das die Verantwortlichen anders sehen“, ließ Vettel über seine Homepage ausrichten. Die von den Stewards verhängten 20 Sekunden Zeitstrafe warfen den Deutschen vom zweiten auf den fünften Platz zurück und kosteten wertvolle Punkte im Kampf um die WM-Krone.

Reuters/Ralph Orlowski
Vettel sieht den Ferrari von Alonso derzeit meist nur von hinten
„Wie im Fußball“
Auch für die Verantwortlichen bei Red Bull Racing ist der Zorn über die Bestrafung auch Tage danach noch nicht verraucht. Motorsportchef Helmut Marko griff in Servus TV gar zum Vergleich „wie Hühnerdiebstahl mit der Todesstrafe“. Vettel rechtfertigte seinen Ausritt mit der Fahrweise von Button. Laut Ansicht des Deutschen hatte ihn der Engländer beim Überholmanöver abgedrängt. „Er war mit allen vier Rädern draußen, aber der Grund war das Manöver von Button, der ihm keinen Raum gelassen hat“, so Marko, „wir fühlen uns im Recht.“
Und von den Rennstewards benachteiligt. Ein ähnliches Manöver von McLaren-Fahrer Lewis Hamilton gegen Mercedes-Pilot Nico Rosberg in Bahrain war ungeahndet geblieben. „Es ist wie im Fußball: Der eine Schiedsrichter gibt Elfmeter, der andere nicht. Damit muss man dann leben“, sagte Vettel. Schon beim Grand Prix in Valencia bemühte man bei Red Bull Verschwörungstheorien. Damals war der überlegen in Führung gelegene Vettel von einer, aus Red-Bull-Sicht unnötigen, Safety-Car-Phase gebremst worden. In der spanischen Hitze hatte schließlich die Lichtmaschine den Geist aufgegeben.
„Heulsuse“ Vettel
Bei der Konkurrenz wundert man sich über die Dünnhäutigkeit im Weltmeisterteam. Vettels deutscher Landsmann Nico Hülkenberg stellte sich bei einer Pressekonferenz in Stuttgart auf die Seite der Rennstewards. „Sebastian (Vettel) hat sich einen Vorteil verschafft. Das war so nicht in Ordnung“, sagte Force-India-Pilot. Die englische Presse reagierte auf die neuerliche Kritik des österreichischen Rennstalls mit Häme. Vettel wurde vom „Daily Mirror“ gleich als „Heulsuse“ abgestempelt.
Bereits vor der Bestrafung durch die Stewards hatte sich der Deutsche verbal mit Hamilton angelegt. Vettel bezeichnete es als „dumm“, dass der bereits eine Runde zurück liegende Brite den Red-Bull-Boliden nach einer Überrundung wieder zurück überholte. McLaren-Boss Martin Whitmarsh konnte über den Vorfall nur schmunzeln. „Lewis war schneller, überholte und zog davon. Ich kann in diesem Verhalten keine Dummheit erkennen“, sagte der Teamchef.
Es war nicht das erste Mal, dass sich Vettel in dieser Saison in Sachen Fahrverhalten eines Konkurrenten im Tonfall vergriff. Beim Grand Prix von Malaysia beschimpfte der 25-Jährige Narain Karthikeyan als „Gurke“. Bei einem Überrundungsmanöver hatte sich der indische Pilot gewehrt und mit seinem HRT-Wagen einen Reifen von Vettel aufgeschlitzt. Der Deutsche wurde in der Folge nur Elfter.
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