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Kopfsprung ins Fettnäpfchen

Mit Aussagen über die Denkfähigkeit erfolgreicher Spitzensportler wie Ex-Skistar Hermann Maier hat Markus Rogan vor seinem ersten Einsatz bei den Olympischen Sommerspielen in London wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Das eine Woche davor aufgezeichneten Ö3-Interview in der Sendung „Frühstück bei mir“ löste am Sonntag in den österreichischen Medien eine Welle der Empörung aus.

Der 30-Jährige, der am Donnerstag über 200 m Lagen als österreichischer Medaillenkandidat gilt und davor schon am Dienstag mit der 4x200-m-Kraul-Staffel antritt, äußerte sich dabei nicht nur über seine bevorstehende Verlobung. Rogan möchte demnach für seine künftige Frau, die US-Amerikanerin Leanne Cobb, dem Judentum beitreten und absolviert dafür bereits einen Vorbereitungskurs. Rogan machte sich außerdem mit seiner Einschätzung, wonach man als weniger denkfähiger Sportler mehr erreichen könne, wohl wenige Freunde.

Markus Rogan als Fahnenträger bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London

APA/Helmut Fohringer

Bei der Eröffnungsfeier führte Rogan die ÖOC-Equipe mit der Fahne an

Rogans Theorie über Maiers Siege

„Ich glaube, es ist ein Riesenvorteil, wenn du weniger denkfähig bist. Es gibt einen guten Grund, warum die richtig guten Sportler nicht viel im Kopf haben, weil da ist der Kopf nicht im Weg“, sagte Rogan und stellte im Anschluss die Frage: „Warum hat der Armin (vermutlich Assinger, Anm.), der relativ schlau ist, nur vier (Rennen, Anm.) gewonnen und der Hermann (Maier, Anm.) 50?“ Die „Kronen Zeitung“ titelte daraufhin in ihrer Montag-Ausgabe mit: „Rogan ‚ätzt‘ gegen Hermann Maier“ und zitierte Rogans Ex-Sponsor Leo Pruschak.

Der Geschäftsführer der zentralen Raiffeisen-Werbung meinte in der „Krone“: „Wäre Markus so intelligent, wie er glaubt, würde er nicht so einen Unsinn verzapfen.“ Auch der „Kurier“ widmete der „verbalen Entgleisung“ von Rogan im Ö3-Interview einen ausführlichen Bericht. Auf die Frage von Claudia Stöckl, ob Hermann Maier das nicht als Beleidigung empfinden könne, antwortete Rogan: „Nein, überhaupt nicht. Er hat genau das richtige Gehirnschmalz, um sportlich erfolgreich zu sein. Ich glaube, wenn man zu viel hat, dann steht man sich im Weg.“

„Habe fast alles Geld ausgegeben“

Rogan sprach auch über die kolportierten intensiven sexuellen Begegnungen im olympischen Dorf: „Ich glaube, du hast nur ein bestimmtes Konto an Disziplin. Dann rennen lauter solche Spinner herum, natürlich finden sich Paare sehr schnell und sehr leicht“, sagte Rogan, der aber versicherte: „Ich werde dort mit niemandem außer meiner Freundin schlafen, aber vor dem Rennen bin ich abstinent.“ Der meiste Sex passiere, nachdem die Sportler mit ihren Wettkämpfen „fertig“ sind.

„Vorher ist man so eiskalt fokussiert, nachher komplett entspannt - freizügig sozusagen“, so Rogan. „Du musst nur durch das Dorf spazieren. Am letzten Tag sind 95 Prozent der Sportler fertig, die kommen dann zum Sonnenaufgang nach Hause. Gehen können da eher wenige, sie krabbeln zu ihren Zimmern und schauen, wen sie da noch finden.“ Rogan plauderte dann noch über seine Finanzen: „Ich habe unglaublich viel Geld verdient, aber ich habe fast alles ausgegeben.“ Wofür? „Für Flüge um die Welt, für Frauen in jedem Bett, Champagner in allen Preisklassen und für die besten Trainer der Welt.“

„Obsession mit der eigenen Bekanntheit“

Ob er seit seinen ersten Olympischen Spielen 2000 in Sydney gereift sei? „Das weiß ich nicht. In Sydney war ich komplett überrollt und bin 27. geworden. Das war eine Lektion, dass man doch mehr können muss. Ich habe in den nächsten vier Jahren unglaublich trainiert - und in Athen verdient zwei Silbermedaillen gewonnen. Da habe ich gedacht, jetzt bin ich wer. Das habe ich gelebt und habe es mir auch bezahlen lassen. Das Problem war, dass ich mit der Einstellung in Peking gar nichts gewonnen habe.“

Was er in Sachen Selbstinszenierung geändert habe? „Das Erste, was ich nicht mache, ist, dass ich über den Stephansplatz spaziere und schaue, wie viele Leute mich erkennen, was passiert, wie berühmt bin ich? Es war eine Obsession mit der eigenen Bekanntheit, die kennt keine Grenzen, es taugt mir eigentlich immer noch.“ Seine Einschätzung von Beziehungen mit Frauen? „Egal wie geil, wie reich eine Frau ist: Am Ende musst du mit ihr allein auch interessante Gespräche führen können.“

Übertritt zum Judentum geplant

Über seine Freundin Leanne, die in Los Angeles Marketingdirektorin eines Fünf-Milliarden-Dollar-Unternehmens ist: „Wir schwindeln uns nicht an ... Erst wenn wir verlobt sind, ziehen wir gemeinsam ein.“ Und die bevorstehende Verlobung: „Ich weiß schon ganz genau, wann und wie und wo ich es machen werde. Dramatisch mich selbst zu inszenieren, das kann ich.“ Was diesbezüglich die Religion betrifft, sagte Rogan: „Ich bin ja nicht religiös. Sie ist Jüdin. Ich habe meine Eltern gefragt, ob das für sie okay wäre, und ich kann mir jetzt vorstellen, dem Judentum beizutreten.“

Rogans Freundin sei es „wurscht“, aber ihr Vater sei jüdisch-orthodox, und es sei der Familie sehr wichtig, dass ihre Tochter einen jüdischen Haushalt führt. „Ich finde es auch spannend, im Judentum geht es sehr viel um Bildung, um Wissen. Ziel ist es, den Himmel hier auf Erden zu schaffen“, sagte Rogan. „Es ist gar nicht so leicht, ich habe ein Semester belegt mit Kursen, die du machen musst. Die heilige Zahl ist 18: Mit 18 vierstündigen Kursen, in denen du den gesamten Leidensweg lernen und verstehen musst, dann wirst du geprüft, dann bist du offiziell Jude.“

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