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Unehrenhafter Abgang

Mit der Verurteilung von Heinz Jungwirth ist am Dienstag die Karriere eines der am längsten amtierenden und mächtigsten Funktionäre im österreichischen Sport spektakulär zu Ende gegangen. Der 61-Jährige wurde zu fünf Jahren unbedingter Haft wegen Untreue in Millionenhöhe verurteilt. Der Schuldspruch ist nicht rechtskräftig.

Jungwirth war 26 Jahre lang Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), ehe seine Amtszeit nach aufkommenden Gerüchten über ungeklärte Geldflüsse im Februar 2009 endete. Letztlich stolperte Jungwirth über die gescheiterte Olympiabewerbung Salzburgs für die Winterspiele 2014 und die, wie gerichtlich nun festgestellt, private Verwendung von ÖOC-Geldern in beträchtlicher Höhe.

Opulenter Lebenswandel

Der Schöffensenat ging bei Jungwirth von einem angerichteten Schaden von 3,3 Millionen Euro aus. Dieses Geld fehle dem ÖOC. „Und wenn man sich den Lebenswandel von Doktor Jungwirth ansieht, kann man sich vorstellen, wo die Beträge gelandet sind“, sagte Richter Georg Olschak mit Verweis auf den noblen Fuhrpark des Ex-ÖOC-„Generals“, zehn Pferde, eine Reithalle im Ausmaß von 70 mal 20 Meter und einen sündteuren Reitlehrer, den Jungwirth seinem Sohn finanzierte.

Erste Gerüchte über finanzielle Unregelmäßigkeiten tauchten schon vor dreieinhalb Jahren auf, im August 2009 folgte eine Anzeige gegen Jungwirth wegen fragwürdiger Verwendung von ÖOC-Geldern. Der Niederösterreicher, der bis dahin als Macher in Olympischen Angelegenheiten galt, trat am 28. Februar vor drei Jahren von seiner Funktion zurück. „Normalerweise sollte man sagen, mich bringen keine zehn Pferde in die Kriminalität. Bei Ihnen war es gerade umgekehrt“, stellte Richter Olschak fest.

„Widerwärtige Mentalität“

Vor seiner OÖC-Laufbahn war Jungwirth als Turn- und Geschichtslehrer an einem Gymnasium sowie als Vortragender für Sportwissenschaft an der Uni Wien tätig, ab seiner Bestellung am 22. November 1982 leitete er als hauptamtlicher Angestellter die Geschäfte des ÖOC. Jungwirth war vom Vorstand unter Präsident Kurt Heller einstimmig zum Nachfolger von Peter Pilsl bestellte worden.

Er führte Österreichs Olympia-Aufgebot erstmals 1984 in Sarajevo als „Chef de Mission“ zu Olympischen Spielen (Winter) und übte diese Funktion danach bei allen Sommer- und Winterspielen aus. Peking im Sommer 2008 war sein letzter Auftritt als Delegationsleiter. Laut Richter habe Jungwirth nach der Devise „Das ÖOC bin ich, mit dem Geld mach ich, was ich will“ gehandelt. Dies gehöre „mit aller gebotenen Härte unterbunden“. Olschak geißelte „die widerwärtige, altösterreichische Funktionärsmentalität“.

Jungwirth hat in seiner Amtszeit als Generalsekretär die Entwicklung des heimischen NOKs aber auch wesentlich mitgestaltet und mitgeprägt. In seine frühe Amtszeit fiel die Entscheidung des ÖOC, das Marketingprogramm des IOC (The Olympic Program/TOP) als eines der weltweit ersten NOKs zu unterstützen. Jungwirth suchte bald engen Kontakt zu IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch.

Zerwürfnis mit Schröcksnadel

In Heller hatte Jungwirth einen kongenialen ÖOC-Partner. Der bis 1990 tätige Ex-Politiker war dem modernen Marketing, das in dieser Zeit an Bedeutung gewann, und den Jungwirth-Ideen wohlwollend gegenüber gestanden. Als Heller Ende 1990 als ÖOC-Chef abtrat, diente Jungwirth ab 12. Dezember 1990 bis zuletzt unter dem früheren Casino-Boss Leo Wallner, der 2009 wegen dieser Affäre als ÖOC-Präsident zurücktrat - und Jungwirth vor Gericht belastete.

Jungwirths schleichender Niedergang als ÖOC-Generalsekretär begann aber wohl schon nach dem Dopingskandal bei den Winterspielen 2006 in Turin, in dessen Folge es zum Zerwürfnis mit Peter Schröcksnadel kam, dem kaum weniger mächtigen ÖSV-Präsidenten.

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