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„Wir fahren nach Düdelingen!“

„Wir fahren nach Düdelingen!“: In großen Lettern und mit vier Rufzeichen prangt die Freude des SC Ortmann über ein ungewöhnliches Spiel auf der Website des Vereins. Die Amateure aus der niederösterreichischen Gebietsliga Süd/Südost, der sechsten Liga im heimischen Fußball, reisen im Oktober zum luxemburgischen Meister F91 Düdelingen.

Am 24. Juli hatten die luxemburgischen Amateure, darunter etwa ein Schwimmlehrer für Kinder, trotz einer 3:4-Niederlage in Salzburg den heimischen Titelträger Red Bull Salzburg nach einem 1:0-Heimsieg im Hinspiel bereits in der zweiten Runde der Qualifikation aus allen Champions-League-Träumen gerissen. Eine Jahrhundertblamage, die den heimische Double-Gewinner sowie seine Fans fassungslos zurückließ und Färöer-Vergleiche nach sich zog.

Gebietsliga trifft Champions League

In einer Ö3-Aktion wurde in den letzten Tagen daher ein Gegner für Düdelingen gesucht, um „Revanche“ zu nehmen. Aber vor allem zu zeigen, dass sich trotz limitierter fußballerischer Fähigkeiten in diesem Sport auch mit viel Einsatz und Herz Erfolg einstellen kann. Die Überraschung war beim SC Ortmann „groß“, als ihr Club am Dienstag im Ö3-Wecker als Gegner der „Salzburg-Bezwinger“ unter 1.000 Einsendung gezogen wurde. Der ganze Verein freue sich „riesig auf das Abenteuer Düdelingen“, ist weiters zu lesen.

Alexander Gorgon (Austria Wien) gegen zwei Spieler des SC Ortmann

GEPA/Christopher Kelemen

Im Juni setzte sich die Austria (Bild: A. Gorgon) gegen Ortmann klar durch

Die Vorbereitungen für diesen internationalen Auftritt laufen jedenfalls bereits. Oft verlaufen sich nur rund 100 Zuschauer in das Ortmanner Alpenstadion in Neusiedl bei Pernitz, dort wo Doppelolympiasiegerin Michaela Dorfmeister das Skifahren erlernte. Das die „Ortmänner“ keine Skifahrer sind, wollen sie gegen Düdelingen beweisen. Den Vergleich mit Großclubs scheut die Mannschaft von Trainer Andreas Wahl nicht. Im Juni wurde ein Testspiel gegen die Wiener Austria allerdings mit 0:7 verloren.

„Diese Spieler haben ein Herz“

Warum es der SC Ortmann trotzdem mit den Düdelingern aufnehmen kann, erklärte Obmann Friedrich Steiner im Gespräch mit Ö3 so: „Weil wir im 21-Mann-Kader 18 Spieler haben, die im eigenen Nachwuchs ausgebildet wurden. Und diese Spieler haben ein Herz, kämpfen und begeistern durch technisch und taktisch Spiel auf sehr gutem Niveau!“

Die Mannschaft ist eine echte Amateurelf und besteht aus Verkäufern, Mechanikern, Bankangestellten und Studenten. „Alles quer durch“, so Steiner. Innenverteidiger und Kapitän Stefan Hausmann war jedenfalls im Radio-Interview noch überwältigt vom Umstand, sich bald mit einem ausländischen Europacup-Starter zu duellieren. „Seitdem wir es wissen, ist die positive Hölle ausgebrochen. Alle rufen an. Heute haben wir noch ein Testmatch, dann beginnt die Vorbereitung auf Düdelingen.“

Damit der SC Ortmann bei diesem ungewöhnlichen Vergleichskampf auch über den notwendigen „Support“ von der Tribüne verfügt, haben sich die Cheerleader des American-Football-Clubs der Danube Dragons angeboten, am Spielfeldrand für ordentlich Stimmung zu sorgen - nach allen Regeln der Cheerleaderkunst.

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