Koller verzichtet auf Überraschungen
David Alaba fehlt dem ÖFB-Nationalteam wie erwartet beim Auftakt zur WM-Qualifikation gegen Deutschland. Der nach seinem Ermüdungsbruch im linken Fuß rekonvaleszente Bayern-Kicker ist am Dienstag von ÖFB-Teamchef Marcel Koller nicht in den Kader für das Spiel am 11. September (20.30 Uhr, live in ORF eins) in Wien einberufen worden.
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Dafür ist der zuletzt bei Werder Bremens Bundesliga-Auftakt gut spielende Marko Arnautovic wieder Teil der Mannschaft, nachdem er gegen die Türkei nach seiner Einberufung noch verletzungsbedingt hatte absagen müssen. Arnautovics damaliger Ersatzmann Rubin Okotie (Jochbeinbruch) ist ebenso nicht dabei wie der diesmal nur auf Abruf nominierte Admiraner Marcel Sabitzer. Gegenüber dem 2:0-Testsieg gegen die Türkei (24 Spieler) nominierte Koller diesmal nur 23 Mann.

GEPA/Wolfgang Jannach
Franz Schiemer ist zurück im Team
Schiemer springt für Scharner ein
Der zweite neue ÖFB-Kicker im Vergleich zum Türkei-Match ist ein Innenverteidiger: Franz Schiemer übernimmt den Platz des in Ungnade gefallenen Paul Scharner, obwohl sich der Salzburg-Abwehrspieler noch vor wenigen Monaten mit seinem Hochzeitstermin unmittelbar vor den beiden Juni-Länderspielen den Unmut Kollers zuzog.
Mittlerweile sind die Differenzen aber ausgeräumt. „Schiemer ist ein erfahrener Spieler mit internationalen Einsätzen. Er hat uns nicht enttäuscht, wenn er dabei war“, sagte Koller über den im Moment noch leicht angeschlagenen Oberösterreicher, der am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.
Koller vertraut weiter Janko
Marc Janko hat derzeit zwar keine körperlichen Beschwerden, aufgrund seiner Muskelverletzung allerdings noch Trainingsrückstand. Deshalb schaffte es der Stürmer am Samstag beim FC Porto nicht einmal in den Kader. Für Koller stand dennoch nie zur Debatte, auf seinen Vizekapitän zu verzichten. „Er ist für mich nach wie vor ein wichtiger Stürmer, der international gezeigt hat, dass er Tore schießen kann. Er hat seine Fähigkeiten und wird sich im Training voll reinhängen“, versprach Koller.
Ebenfalls ohne Pflichtspiele in den Beinen reist ÖFB-Einsergoalie Robert Almer zum Team. Der Steirer saß in den ersten beiden Partien seines Clubs Fortuna Düsseldorf nur auf der Bank. „Aber er hat bei der Nationalmannschaft nie enttäuscht und immer die Leistungen gezeigt, die wir von ihm erwartet haben“, betonte Koller. Der Schweizer legt generell auf Spielpraxis nicht allzu großen Wert. „Wenn wir immer nur schauen, wer gerade spielt, haben wir vielleicht einmal nur sechs Kicker zur Verfügung.“
Alaba muss sich gedulden
Über mangelnde Spielpraxis wird sich David Alaba beim FC Bayern nach seiner Rückkehr wohl nicht beklagen müssen. Derzeit aber ist Österreichs Fußballer des Jahres noch nicht in der Lage, seinem Club oder der ÖFB-Auswahl zu helfen.
„Es wäre für den 11. September zu früh gewesen. Er trägt immer noch teilweise einen Spezialschuh und kann noch nicht mit der Mannschaft trainieren. Wir wollen kein Risiko eingehen und aufpassen, dass er nichts überhastet macht. Er muss das Deutschland-Match vergessen und sich voll auf die Kasachstan-Spiele im Oktober konzentrieren“, sagte Koller, der in den vergangenen Tagen mit Alaba und Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer in Kontakt stand.
Scharner kein Thema mehr
Keine Telefongespräche gab es naturgemäß zwischen Koller und Paul Scharner nach dessen lautstarkem Abgang aus dem Team unmittelbar vor der Türkei-Partie. Der Nationaltrainer betonte, dass der verletzte HSV-Legionär sehr wohl ein Stammleiberl gefordert hatte. „In seinem Brief an mich stand, dass er einen Platz auf dem Rasen wollte. Wenn er den nicht bekommt, kann er nicht helfen, dann trägt er die Konsequenzen. Ich habe ihm die Chance gegeben, seine Meinung zu ändern, aber das hat er nicht getan“, erzählte Koller.
Das Kapitel Scharner ist für den Teamchef mittlerweile abgehakt - viel lieber arbeitet Koller an einer Marschroute für das bevorstehende Deutschland-Match. „Mit der Rivalität zwischen Österreich und Deutschland beschäftige ich mich nicht groß. Ich muss mich auf die Taktik konzentrieren und herausfinden, wie wir den Deutschen Probleme bereiten können.“
Deutschland klarer Favorit
Dass die DFB-Auswahl nach den jüngsten Tiefschlägen in einem geschwächten Zustand sein könnte, glaubt Koller nicht. „In Deutschland wird auf hohem Level gejammert. Die Deutschen sind nach wie vor Weltspitze, haben starke Individualität, harmonieren als Mannschaft und haben ein System, das funktioniert“, meinte der 51-Jährige. Die Niederlagen gegen Italien und Argentinien hätten an der klaren Favoritenrolle der Truppe von Joachim Löw nichts verändert. „Die Deutschen haben viel Kampfgeist und werden in Wien sicher nicht überheblich antreten“, prophezeite Koller.
Im Gegensatz zum DFB-Team hat die ÖFB-Auswahl zuletzt positive Resultate erreicht - von den vier Partien in diesem Jahr wurden bei einem Remis drei Siege eingefahren. Angesichts der deshalb aufkommenden Euphorie trat Koller vorsichtshalber schon jetzt auf die Bremse. „Es ist wichtig, dass nicht zu hohe Erwartungen geschürt werden.“
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