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Drei Tore zur Glückseligkeit

Eine Woche nach den schweren Ausschreitungen in Thessaloniki hat Rapid am Donnerstagabend im Rückspiel gegen PAOK als einziger österreichischer Club den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase geschafft. Deni Alar (31.), Terrence Boyd (48.) und Steffen Hofmann (93.) sicherten den starken Hütteldorfern vor 16.000 Zuschauern im ausverkauften Hanappi-Stadion einen verdienten 3:0-Sieg.

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Nach dem 1:2 im Hinspiel und der harten UEFA-Strafe von 75.000 Euro und einem „Geisterspiel“ im Europacup steht Rapid zum insgesamt dritten Mal in der Gruppenphase der Europa League. 2009 und 2010 hatte man den Aufstieg jeweils gegen Aston Villa errungen. Besonders wichtig für den österreichischen Rekordmeister: Der sportliche Triumph über Saloniki wurde von keinerlei Randalen überschattet.

Deni Alar (Rapid) lässt sich von seinen Mannschaftskollegen feiern

APA/Herbert P. Oczeret

Rapid jubelt über den Einzug in den Europa-League-Hauptbewerb

Vor der mit Hochspannung erwarteten Partie war es in und um das Stadion friedlich geblieben. Die 600 Polizisten und 300 zusätzlich aufgebotenen Sicherheitskräfte waren bereits den ganzen Tag auf der Hut gewesen. Als die rund 700 PAOK-Fans zweieinhalb Stunden vor Anpfiff in ihrem Sektor angekommen waren, hatte man den ersten heiklen Teil der Operation überstanden. Trotz der enormen Sicherheitsvorkehrungen war die Stimmung eines echten Fußballfestes würdig - Gänsehautatmosphäre schon vor dem ersten Ballkontakt.

Grün-weißer Mut zur Offensive

Schöttel zeigte mit seiner 4-2-3-1-Anfangsformation gleich an, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Hinter US-Speerspitze Terrence Boyd warf er mit Steffen Hofmann - flankiert von Deni Alar und Guido Burgstaller - reichlich Offensivkraft in den diesmal rein sportlichen Kampf. Das Reinigen der Klappsitze im Hanappi-Stadion hätte man sich jedenfalls sparen können. Gesessen wurde von der ersten Minute an ausschließlich auf der VIP- und Pressetribüne. Und die Begeisterung übertrug sich auf das Spielfeld.

Was Zweikampfverhalten, Laufarbeit und Ballbesitz betraf, war Rapid in der ersten Viertelstunde absolut tonangebend. PAOK wurde den Grün-Weißen nicht einmal ansatzweise gefährlich. Vielmehr zogen sich die Gäste weit in die eigene Hälfte zurück und lauerten dort - wenn man es höflich formulierte - auf eventuelle Konter. Das große Problem der spielbestimmenden Hausherren war zunächst jedoch, dass ihnen gegen den massiven Defensivverbund der Griechen weder vor noch im Strafraum etwas Effektives einfiel.

Erste Schrecksekunden

So dauerte es bis zur 16. Minute, ehe Boyd aus etwa 20 Metern Entfernung einen schwach getroffenen „Edelroller“ in Richtung PAOK-Torhüter Panagiotis Glykos schickte. Danach attackierten die beiden Teams einander hauptsächlich im Mittelfeld, dort dafür umso intensiver. Aufseiten der Griechen entschloss man sich überhaupt erst in der 28. Minute, zumindest einmal im Rapid-Sechzehner vorstellig zu werden. Man fragte sich, warum, denn sofort wurde es brandgefährlich.

Zunächst musste Keeper Lukas Königshofer bei einem sehr gut angetragenen Außenristschuss des Franzosen Bertrand Robert sein ganzes Können aufbieten. Dann klärte Stürmer Boyd in ungewohnter Rolle per Kopf auf der eigenen Torlinie, als Stefanos Athanasiadis (29.) den Ball nach einem Corner in hohem Bogen über Königshofer hinweg geköpfelt hatte. Es ging weiter Schlag auf Schlag - und jetzt besann sich auch Rapid auf das Wesentliche. Kapitän Hofmann (30.) verfehlte das Tor mit einem Direktschuss noch knapp.

Alar im Tiefflug zur Führung

Augenblicke später war es aber soweit: Ein Abstoß von Königshofer fand den Weg zu Burgstaller auf der linken Seite. Der Kärntner flankte halbhoch zur Mitte, wo Alar zum Tiefflug ansetzte und die technische Herausforderung mit einem wuchtigen Kopfball in die linke Ecke zum 1:0 (31.) bravourös meisterte. Beinahe hätte Alar vor dem Pausenpfiff (46.) sogar noch sein fünftes Tor in der laufenden EL-Quali geschossen. Nach einem schönen Haken rechts im Strafraum zog er den Ball aus spitzem Winkel aber um Zentimeter am langen Eck vorbei.

Deni Alar jubelt

APA/Herbert Neubauer

Deni Alar bejubelte seinen vierten Europacup-Treffer für Rapid

Die Halbzeit-Führung für Rapid war nicht nur deshalb verdient. PAOK war über weite Strecken die passivere Mannschaft. Coach Georgios Donis reagierte nach Seitenwechsel folgerichtig mit zwei personellen Veränderungen, während Schöttel dieselbe Elf zurück aufs Spielfeld schickte. Völlig zu Recht, wie sich kurze Zeit nach Wiederbeginn herausstellen sollte. Und wieder war „Mr. Europacup“ Alar federführend am Torerfolg für Rapid beteiligt - diesmal allerdings als Vorbereiter.

Boyd schlägt zu

Ein mit dem linken Fuß von rechts in den Strafraum gedrehter Freistoß des Offensiv-Youngsters landete direkt auf dem Kopf von Boyd, der dem Ball aus etwa sechs Metern Entfernung nur noch die richtige Richtung geben musste. Der zweite Europacup-Treffer des neuen Rapid-Fanlieblings zum 2:0 (48.) brachte nicht nur Hütteldorf zum Beben, sondern war auch so etwas wie eine Vorentscheidung im Duell mit PAOK. Die Griechen waren vom zweiten Nackenschlag sichtlich benommen, während Rapid nun sämtliche Kräfte mobilisierte.

Beinahe hätte Innenverteidiger Mario Sonnleitner mit einem Blackout den Gegner zurück ins Spiel gebracht. Doch Athanasiadis lehnte das Geschenk an der Strafraumgrenze ab und feuerte den Ball nach fast einer Stunde hauchdünn über die Latte. Im Gegenzug hatte es Hofmann (60.) auf dem Fuß, alles klar zu machen. Der Deutsche setzte einen feinen Drehschuss aber knapp neben die linke Stange. Als der Italiener Matheus Vivian (62.) mit einem Kopfball das Tor nur um wenige Zentimeter verfehlte, hatte wiederum Rapid Glück.

Terrence Boyd

APA/Georg Hochmuth

Terrence Boyd stellte seine Torgefährlichkeit einmal mehr unter Beweis

Zittern bis zum Schlusspunkt durch Hofmann

Da deutete sich bereits an, was Rapid-Boss Rudolf Edlinger, Manager Werner Kuhn und nicht zuletzt Schöttel in der nächsten halben Stunde erwarten sollte: eine Zitterpartie bis zum Schlusspfiff. Die Gastgeber wechselten noch zweimal - Thomas Prager und Thomas Schrammel warfen sich nun der griechischen Schlussoffensive mit ihren Kollegen entgegen. Mit Leidenschaft, Kampfgeist und dem Glück, dass PAOK im Abschluss viel zu harmlos war, schafften es die Hütteldorfer aber trotzdem relativ sicher in die 93. Minute.

Da war PAOK-Goalie Glykos schon mehr am Stürmen als am Abwehren. Nach einem missglückten, dem wohl letzten Angriffsversuch der Griechen kam der Ball im Gegenstoß zu Hofmann. Mit all seiner Routine richtete sich der Rapid-Regisseur den Ball am Mittelkreis her, schoss auf das verwaiste PAOK-Tor und ließ das Spielgerät aus schier endloser Entfernung zum 3:0 über die Linie kullern. Der Schlusspunkt erlöste Schöttel, das Rapid-Präsidium und den gesamten Anhang, der sich diesmal mehr als Europacup-würdig präsentiert hatte.

Harald Hofstetter, ORF.at

UEFA Europa League, Play-off-Rückspiel

Donnerstag:

Rapid - PAOK Saloniki 3:0 (1:0)

Gerhard-Hanappi-Stadion, 16.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Gomes (ESP)

Tore:

1:0 (31.) Alar
2:0 (48.) Boyd
3:0 (93.) Hofmann

Rapid: Königshofer - Trimmel (85. Schrammel), Sonnleitner, Gerson, Katzer - Heikkinen (69. Prager), Ildiz - Hofmann, Alar, Burgstaller - Boyd

PAOK: Glykos - Etto, Khumalo, Matheus, Lino - Georgiadis, Kace (70. Pelkas), Garcia, Robert (46. Fotakis) - Giannou (46. Lawrence), Athanasiadis

Gelbe Karten: Burgstaller bzw. Kace, Athanasiadis

Die Besten: Alar, Hofmann, Burgstaller bzw. keine

Hinspiel: 1:2

Rapid mit dem Gesamtscore von 4:2 in die Europa-League-Gruppenphase aufgestiegen.

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