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Halbe Mannschaft neu

Neue Spieler sind in Salzburg keine Seltenheit. Einen derart radikalen Umbruch während der Saison hat es in der Red-Bull-Ära aber noch nie gegeben. Seit dem blamablen Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen Düdelingen holten die Salzburger acht neue Spieler, fünf davon erst kurz vor Transferschluss. „Wir haben richtig gute Spieler geholt“, versicherte Sportdirektor Ralf Rangnick.

Die Defensivspieler Isaac Vorsah und Rodnei sowie die Offensivspieler Sadio Mane, Kevin Kampl und Bright Edomwonyi wurden am Donnerstag in der Red Bull Arena vorgestellt. Im Gegenzug wurden die Brasilianer Douglas, Cristiano und Leonardo sowie der Schwede Rasmus Lindgren und der Uruguayer Joaquin Boghossian aus dem Kader gestrichen. Sie dürfen nur noch beim Red-Bull-Zweitteam FC Liefering in der Regionalliga West mittrainieren.

Die Neuzugänge von Salzburg, Sadio Mane, Rodnei Francisco de Lima, Isaac Vorsah, Bright Osagie Edomwonyi und Kevin Kampl

GEPA/Felix Roittner

Nach dem Radikalumbruch will man auch in Europa wieder mitmischen

Umbruch wegen „fehlender Klasse“

Den extremen Umbau erklärte Sportdirektor Ralf Rangnick, seit Ende Juni im Amt, mit der fehlenden internationalen Klasse des Teams, das Schmidt-Vorgänger Ricardo Moniz in der Vorsaison zum Meistertitel und durch die Gruppenphase der Europa League geführt hatte. „Wir wollen irgendwann die Champions League erreichen. Wir haben gemerkt, dass es nicht so viele Spieler gibt, die dem Anspruch genügen können“, sagte der deutsche Ex-Trainer von Schalke 04 und 1899 Hoffenheim.

„Wir müssen versuchen, nicht nur für die österreichische Liga, sondern auch international gut genug zu sein“, betonte Rangnick. „Was wäre die Alternative gewesen? Hätten wir so weitergemacht wie bisher, hätten wir vielleicht kein ganzes Jahr verloren - aber zumindest ein halbes bis zur Winterpause. Mit dem Kader, den wir jetzt haben, wird es im Winter nur noch kleinere Korrekturen geben. Jetzt geht es darum, eine Mannschaft zu formen.“

Rangnick steht zur Legionärself

Jahrzehnte entfernt fühlen sich die im Vorjahr von Rangnicks Vorgänger Heinz Hochhauser getroffenen Aussagen an, den Salzburger Bullen den „Champions-League-Rucksack“ abzunehmen und verstärkt auf österreichische Spieler zu setzen. „Wie war denn der Zuschauerschnitt, als im Vorjahr noch mehr Österreicher da waren?“, fragte Rangnick, dessen Verein mit acht neuen Legionären und 37 Prozent Österreicher-Anteil klares Schlusslicht in der Bundesliga ist, provokant. „Die Österreicher, denen wir zutrauen, bei uns eine wichtige Rolle zu spielen, sind noch immer da.“

Auch die heimische Bundesliga bekam ihre Geringschätzung ab. „Wie viele Spieler haben denn im Länderspiel gegen Deutschland (1:2) gespielt, die in der österreichischen Liga spielen? Zero“, sagte Rangnick, der auch die Abschiebung einiger teilweise mit sehr gut dotierten und noch länger laufenden Verträgen ausgestatteten Spieler in die Regionalliga West verteidigte. „Sie werden bei uns keine Rolle mehr spielen“, versicherte Rangnick. „Wir werden hier nicht mit 30 Feldspielern trainieren, das macht für niemanden Sinn.“

„Kader auf 22 Spieler reduzieren“

Freiwillig verabschiedet hat sich ÖFB-Teamspieler Jakob Jantscher. Der beste Spieler der vergangenen Bundesliga-Saison wechselte mit Kaufoption leihweise für ein Jahr zu Dynamo Moskau. „Wir werden den Kader auf 21 oder 22 Feldspieler reduzieren“, sagte Rangnick. „Das bleibt dann bis Weihnachten so.“ Mit Kapitän David Mendes, Dusan Svento und Alan fallen einige Spieler noch länger aus. Auch die Neuzugänge Rodnei und Edomwonyi sind für das Ligaspiel am Samstag gegen Ried noch kein Thema. In der Startformationen stehen werden indes wahrscheinlich die beiden Norweger Valon Berisha und Havard Nielsen.

Trainer Roger Schmidt trägt die neue Transferpolitik seines Chefs zur Gänze mit. „Ich stehe zu 100 Prozent dahinter“, betonte der 45-Jährige. „Meine Hauptaufgabe ist es nicht, jeden Spieler zu beobachten. Ich bin in dem Maße miteinbezogen, in dem ein Trainer einbezogen sein soll.“ Nun gehe es darum, zusammenzufinden. „Alte und neue Spieler gibt es für mich jetzt nicht mehr“, erklärte Schmidt, der von Tabellenplatz drei aus den Meistertitel holen muss. Rangnick: „Die Saison beginnt für uns in dieser Konstellation noch einmal neu.“

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