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Kapitaler Fehlstart „absolut vermeidbar“

Etwas Trostloseres als ein Europacup-Spiel vor leeren Rängen kann man sich als Fan des runden Leders kaum vorstellen - außer vielleicht die unerklärliche Fehlerkette in den Reihen des SK Rapid vor dem ersten Gegentor im Duell mit Rosenborg Trondheim. Da man den spielerisch biederen, aber taktisch klugen Norwegern an einem kuriosen Fußballabend im Happel-Stadion auch noch einen zweiten „billigen“ Treffer erlaubte, stand Rapid am Ende mit leeren Händen da.

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„Jeder hat gesehen, dass Rosenborg ein Gegner mit unserer Kragenweite war“, traf Trainer Peter Schöttel nach dem bitteren 1:2 zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase den Nagel auf den Kopf. Mit einer Reihe klassischer Aussetzer wie vor dem 0:1 und einem vergebenen Elfmeter von Deni Alar dürfe man sich auf internationalem Niveau über eine Niederlage nicht beschweren. Als „absolut vermeidbar“ stufte diese nicht nur Schöttel ein. Noch dazu warten mit Metalist Charkiw und Leverkusen jetzt die stärkeren Gegner.

Rapid-Trainer Peter Schöttel

ORF.at/Christian Öser

Peter Schöttel stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben

Kurios und vor allem ärgerlich

Dass Innenverteidiger Gerson, der sich nach anfänglichen Problemen zuletzt zunehmend stabiler präsentiert hatte, ausgerechnet in einem Match vor leeren Rängen die Nerven wegschmiss, war auch für den langjährigen Rapid-Abwehrchef Schöttel unerklärlich. „Er war heute nicht gut und ärgert sich selbst am meisten drüber“, meinte er über den erst 20-jährigen Brasilianer, der in der 18. Minute gleich zweimal leichtfertig den Ball verloren hatte. Die Beteiligung von Markus Katzer, der die Gefahr mit einem Abschlag hätte entschärfen können, war Schöttel aber natürlich auch nicht entgangen.

„An so ein kurioses Gegentor kann ich mich, seit ich Rapid-Trainer bin, nicht erinnern“, kommentierte er kopfschüttelnd die gehäuften Unkonzentriertheiten in den entscheidenden Momenten des Spiels. Auch das zweite Tor der Norweger nach einem Eckball wäre nämlich leicht vermeidbar gewesen. Gerson verschätzte sich beim Sprung nach der Flanke, Torhüter Lukas Königshofer klebte auf der Linie. „Das war mein Ball“, zeigte sich der Rapid-Goalie nach Schlusspfiff selbstkritisch. „Trotzdem hatten wir danach noch genug Zeit und auch die Möglichkeiten, das Spiel zu drehen“, sagte Schöttel.

Keine Diskussion über Elferschützen

Trotz der fehlenden Unterstützung der Fans wehrte sich Rapid gegen die sich abzeichnende Niederlage - wenn auch mit weitgehend untauglichen Mitteln. Zum Anschlusstreffer durch Katzer reichte es noch. Dass der Mannschaft im Finish die gewohnte Stimmung bei Rapid-Heimspielen abging, bezeichnete nicht nur der einzige grün-weiße Torschütze des Abends als „sehr schwierige Situation“. Ein versöhnliches Ende hätte das Match dennoch nehmen können, wenn Alar 20 Minuten vor Schluss vom Elferpunkt getroffen hätte.

Steffen Hofmann

ORF.at/Dominique Hammer

Steffen Hofmann konnte den Rapid-Motor im „Geisterspiel“ auch nicht anwerfen

Bezeichnend für den verkorksten Abend war, dass die beeindruckende Serie des bisher vierfachen Torschützen in der Europa League in diesem Moment riss. „Natürlich sehr bitter für Deni“, fühlte Kapitän Steffen Hofmann mit dem 22-jährigen Stürmer, der sich nach dem Elferpfiff sofort den Ball geschnappt hatte. „Er fühlte sich gut und da nehme ich ihm den Ball nicht weg“, antwortete Hofmann auf die Frage, ob er nicht auch gerne geschossen hätte. Auch für Schöttel war klar: „Die Spieler sind erwachsen und mündig. Ich habe bei Rapid bisher noch keine Elferschützen bestimmt.“

Sieger „hätten auch lieber vor Publikum gespielt“

Dass Alar im Qualirückspiel gegen Novi Sad den entscheidenden Strafstoß verwandelt hatte und damit hauptverantwortlich für das Weiterkommen gewesen war, betonten sowohl Hofmann als auch der Trainer. Die ganze Mannschaft habe eine große Chance vergeben, gut in die Gruppenphase zu starten, brachte es der deutsche Routinier auf den Punkt. „Durch zu viele Eigenfehler und weil wir nicht konsequent genug in die Spitze gespielt haben.“ Mit dem leeren Stadion habe das alles nichts zu tun, fügte Hofmann hinzu. Vielmehr spielte das frühe Tor den diszipliniert agierenden Gästen taktisch perfekt in die Karten.

Deren Trainer Jan Jönsson hatte mit der gespenstischen Leere im riesigen Prateroval übrigens genauso wenig Freude wie sein Gegenüber Schöttel. „Wir hätten auch lieber vor Publikum gespielt“, sagte der siegreiche Norweger. „Es ist ein seltsames Gefühl. Wir hätten uns lieber bei echter Fußballatmosphäre gegenseitig gepusht.“ Für Jönsson war der Sieg für Rosenborg jedenfalls verdient - und das aus einleuchtenden Gründen: „Rapid hatte zwar mehr Ballbesitz, aber kaum Torchancen. Der Unterschied war die Qualität der Abwehr. Unsere Disziplin in der Verteidigung war der Schlüssel zum Sieg.“

Harald Hofstetter, ORF.at

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