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„Totenstille“ in der Kabine

Deutschland hat am Dienstagabend in Berlin gegen Schweden nach 56 Minuten mit 4:0 geführt und sich auf dem besten Weg befunden, im vierten Spiel der WM-Qualifikation den vierten Sieg zu feiern. Doch es kam anders. Die Gäste konnten eine verloren geglaubte Partie umdrehen und beim Zweiten der FIFA-Weltrangliste einen Punkt holen. Entsprechend groß war danach die Irritation bei den Gastgebern.

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Nach zuletzt 13 Siegen in Qualifikationsspielen war das 4:4 auch ein herber Rückschlag für das Selbstbewusstsein der Deutschen. „Dass wir uns so aus dem Rhythmus bringen lassen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Wir haben alles vermissen lassen“, sagte Teamchef Joachim Löw. In der Kabine sei es „totenstill“ gewesen, alle seien sprachlos, berichtete er. „Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren“, sagte Kapitän Philipp Lahm ernüchtert. Bastian Schweinsteiger fand es „unerklärlich. Ich habe so etwas noch nie erlebt.“

Philipp Lahm

Reuters/Fabrizio Bensch

Nicht nur Lahm (li.) verstand an diesem Abend die Welt nicht mehr

„Irgendwie aus dem Ufer“

Dank der Tore von Miroslav Klose (8., 15. Minute), Per Mertesacker (39.) und Mesut Özil (56.) hatte alles nach einem deutschen Schützenfest im Berliner Olympiastadion ausgesehen. „60 Minuten war es eine großartige Leistung. Die Schweden waren 60 Minuten nicht vorhanden. Ibrahimovic und Elmander hat man 60 Minuten nicht gesehen“, merkte Löw an. „Das zeigt wieder, dass es im Fußball Sachen gibt, die nur schwer zu erklären sind“, so Lahm.

Nach dem 1:4 durch Zlatan Ibrahimovic (62.) lief das Spiel der DFB-Elf „irgendwie aus dem Ufer“, wie Löw zwar sprachlich nicht exakt, aber zutreffend formulierte. Der Zauber der Gastgeber wurde förmlich weggespült. Noch nie zuvor hatte eine deutsche Nationalmannschaft in mehr als hundert Jahren einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand gegeben. „Es gibt keinen einzigen Knackpunkt für so etwas. Die Unsicherheit wurde immer größer“, bemerkte Toni Kroos. Mikael Lustig (64.), Johan Elmander (76.) und Rasmus Elm (90./+3) ließen mit ihren Toren die mitgereisten schwedischen Fans jubeln und sorgten bei den Gastgebern für hängende Köpfe.

„Knallharte Analyse“ angekündigt

Löw glaubt aber nicht, „dass da jetzt was hängenbleibt. Natürlich muss man das analysieren und darüber sprechen.“ Es sei ein Lehrspiel für alle Zeiten gewesen, betonte er allerdings auch. Teammanager Oliver Bierhoff kündigte eine konsequente Aufarbeitung der Partie an. „Wichtig ist, den Finger in die Wunde zu stecken. Man darf nicht zur Tagesordnung übergehen. Man wird das knallhart analysieren.“

„Wir sind nicht in der Lage gewesen, in irgendeiner Weise den Stecker wieder reinzustecken“, so Bierhoff. „Das ist eine Kettenreaktion, ein psychologischer Aspekt. Jeder macht weniger, man wird oberflächlich, man gewinnt weniger Zweikämpfe, man geht weniger Meter, man lässt dem Gegner die eine oder andere Chance.“

Der Manager sieht nicht nur das einmalige Negativerlebnis gegen die Schweden. „Das sind die Dinge, die ich auch nach der Europameisterschaft gesagt habe: dass wir häufig den Fehler haben, dass wir unsere Gegner dominieren und dann durch Nachlässigkeiten wieder ins Spiel bringen“, betonte Bierhoff mit Hinweis auf einige EM-Spiele und das knappe 2:1 zuletzt in der WM-Qualifikation in Wien gegen Österreich.

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