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„Recherchieren und forschen“

Nach Ted Ligetys Fabelläufen von Sölden rätselt die alpine Elite über das Geheimnis des Riesenslalom-Dominators. Seit mehr als einem Jahr hatte der US-Amerikaner als „Chefkritiker“ gegen die Skireform des internationalen Skiverbands (FIS) gewettert - und hinterließ beim Debüt der neuen Latten eine staunende Konkurrenz.

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„Meine erste Frage war: Fährt der noch mit den alten Ski?“, meinte der drittplatzierte Salzburger Marcel Hirscher und wertete seinen Rückstand beim Start in den WM-Winter als „schon fast pervers“: „Drei Sekunden geben uns wirklich zu denken.“ Unglaubliche 2,75 Sekunden fuhr Ligety auf den Italiener Manfred Mölgg heraus, obwohl er in beiden Läufen mit schwersten Bedingungen zu kämpfen hatte.

Kritiker profitiert am meisten

Einen größeren Vorsprung im Riesenslalom hatte zuletzt der Schwede Ingemar Stenmark im Februar 1979 erreicht. Insgesamt gab es in der Weltcup-Geschichte in allen Herren-Rennen nur acht größere Abstände als am Sonntag auf dem Rettenbachferner - alle aus längst vergangenen Vor-Carving-Zeiten. Dabei hatte Ligety vor einem Jahr in Sölden noch einen verbalen Aufstand der Alpinen gegen die Materialreform angeführt.

In seinem Blog zeugen noch immer die Überschriften „35 Meter Ironie“ (der neue erlaubte Kurvenradius, Anm.) und „Tyrannei der FIS“ von seiner Haltung. „Nachdem ich so kritisch war, wusste ich, dass ich es bringen musste, um nicht mein Gesicht zu verlieren“, erklärte Ligety, der auch nach seinem zwölften Weltcup-Erfolg nicht vollends versöhnt war. „Solange die Kurse nicht zu kurvig sind, sind die Ski sogar ziemlich gut, aber der Sicherheitsfaktor hat sich sicherlich nicht verbessert.“

Extraschicht im Fitnesscenter

Dass gerade Ligety auf den neuen, längeren und schmaleren Ski am schnellsten war, war jedenfalls eine gelungene Pointe. Ähnlich wie Tina Maze spielte er auf dem neuen Material seine körperlichen Vorzüge aus. Ligety legte in der Vorbereitung außerdem ganz bewusst Extraschichten im Fitnesscenter ein, um die deutlich kräfteraubendere Fahrweise perfektionieren zu können.

Und so war Ligety selbst von seinem überlegenen Triumph in Sölden am wenigsten überrascht - auch deshalb, weil er die neuen Ski schon seit September des vergangenen Jahres getestet hatte. „Ich habe wohl mehr Kilometer als jeder andere Fahrer auf den neuen Ski in den Beinen. Und körperlich bin ich wohl in der besten Verfassung meiner Karriere.“

ÖSV bleibt noch gelassen

Den Österreichischen Skiverband (ÖSV) konnte die Machtdemonstration Ligetys aber weder verbal aus der Reserve locken noch beunruhigen. „Solche Dinge habe ich in meinen 15 Jahren Trainerdasein schon sehr oft erlebt. Das relativiert sich wieder“, meinte ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold, der auch auf den durchaus gelungenen Auftakt seiner Mannschaft verwies.

Benjamin Raich, der weiterhin auf seinen ersten Sölden-Stockerlplatz warten muss, meinte angesichts seiner 3,78 Sekunden Rückstand auf den Sieger: „Im ersten Moment ist das natürlich fast ein bisschen schockierend. Ligety ist einfach über die vergangenen paar Jahre der beste Riesentorläufer, und Sölden liegt ihm. Ich glaube nicht, dass das jetzt die Regel wird.“

Hirscher sehr nachdenklich

„In Sölden ist Ligety einfach eine Macht, aber das wird sich in Beaver Creek schon ändern. Das lassen wir nicht auf uns sitzen“, ergänzte der Salzburger Hannes Reichelt, dessen ÖSV-Kamerad Romed Baumann ausrichten ließ: „Das war eine starke Ansage. Aber ich würde nicht wetten, dass Ligety jedes Saisonrennen gewinnt. Es kommen andere Schneeverhältnisse und Kurssetzungen, da mischt sich das Ganze meistens wieder durch.“

Nachdenklich wurde offenbar nur Hirscher, der als Dritter bestklassierte Österreicher in Sölden. „Es wartet sehr viel Arbeit. Ich traue mich nicht zu behaupten, dass wir das so schnell in den Griff bekommen. Jetzt heißt’s recherchieren und forschen. Und das mit Vollschub“, sagte der Salzburger, der auf exakt 3,12 Sekunden auf Sieger Ligety (Head) verloren hatte.

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