Themenüberblick

Schmerzliche Tatsachen

Indirekt, wenn auch nur verbal, hat Leverkusens Trainer, Sascha Lewandowski, am späten Donnerstagabend noch ein viertes Tor nachgelegt. „Uns ist bewusst, dass diese Leistung für die deutsche Bundesliga nicht reichen würde“, sagte er bei der Pressekonferenz nach dem lockeren 3:0-Heimsieg seiner Mannschaft gegen Rapid. „Wir werden uns für das nächste Spiel gegen Wolfsburg deutlich steigern müssen.“

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Was das bisherige Abschneiden des einzigen österreichischen Vertreters in der Europa League betrifft, traf Lewandowski den Nagel schmerzlich - weil genau - auf den Kopf. Rapid, das weiß auch Trainer Peter Schöttel, hat mit der Gruppenphase der zweiten Europacup-Etage (unter der Champions League) gleichzeitig auch das derzeitige Maximum erreicht. Von der K.-o.-Runde der besten 32 Vereine sind die Hütteldorfer momentan meilenweit entfernt. Null Punkte nach vier Spielen und ein Torverhältnis von 1:11 sprechen diesbezüglich Bände.

Mangel an Reife und Klasse

Im Gegensatz zu ihren Fans, von denen nicht weniger als 4.100 den Weg nach Leverkusen angetreten hatten und die trotz der vierten Niederlage im vierten Spiel für eine großartige Atmosphäre sorgten, präsentierten sich die Rapidler nicht europareif. Drei Gegentore aus Standardsituationen untermauerten diese Tatsache im „Rückspiel“ gegen Bayer ebenso wie drei bis vier ausgelassene Großchancen im gegnerischen Strafraum. Dazu kommt, dass Keeper Lukas Königshofer gerade im internationalen Vergleich die Konstanz fehlt.

Rapid-Trainer Peter Schöttel

dapd/Roberto Pfeil

Peter Schöttel ist kein Blender oder Sprücheklopfer - er kennt die Realität

Ein bisschen Pech, größtenteils aber fehlende Kaltschnäuzigkeit und eben auch Klasse, verhinderten eine erfolgreiche Revanche für die 0:4-Demütigung vor zwei Wochen im vollen Ernst-Happel-Stadion. Ausverkauft war die hochmoderne BayArena gegen Rapid übrigens bei weitem nicht. Etwas mehr als 19.000 Zuschauer waren im 30.000er-Stadion – und sahen insgesamt 30 starke Minuten der eigentlich im Schongang agierenden Werkself, die für weitere drei Punkte und die vorzeitige Fixierung des Aufstiegs locker reichten.

Mehr geht nicht

Schöttel blieb im Gegensatz dazu nur die Hoffnung, in den verbleibenden Partien in der Gruppe K bei Rosenborg Trondheim und daheim gegen Metalist Charkiw zumindest noch anzuschreiben. „Da bin ich guter Dinge“, überraschte der Rapid-Trainer die in Leverkusen anwesende Journalistenschar aus Wien. „Weil Rosenborg unsere Kragenweite darstellt und weil wir in einem vollen Happel-Stadion schon das erste Heimspiel gegen die Norweger gewonnen hätten“, fügte Schöttel hinzu.

Das grundsätzliche sportliche Dilemma – abgesehen von den verletzungsbedingten Ausfällen bzw. Sperren zahlreicher Leistungsträger wie Steffen Hofmann, Muhammed Ildiz, Markus Heikkinen und Guido Burgstaller – ist dem langjährigen ÖFB-Teamverteidiger und Rapid-Rekordspieler aber natürlich bewusst. „Ich verfüge über einen Kader, der das Erreichen der Gruppenphase möglich gemacht hat, aber nicht den Aufstieg in die nächste Runde“, sprach er nach dem vorzeitigen Verpassen der K.-o.-Phase Klartext.

Mängelbehebung „funktioniert nicht“

Mit dieser Einschätzung hat der Coach recht, obwohl die eklatanten Probleme bei gegnerischen Standardsituationen unverständlich sind. „Das ist eine Schwäche, die wir seit längerem zu bekämpfen versuchen. Wir probieren diesbezüglich alles, aber es funktioniert nicht“, gestand Schöttel ein. „Das ist sehr ärgerlich, wenn wir in einem solchen Spiel alle Tore aus Standards bekommen.“ Was die sportliche Gesamtsituation betrifft, sieht er allerdings keinen Grund zur Panik.

„Seit eineinhalb Jahren ist die Situation seltsam“, meint Schöttel zu seiner bisherigen Amtszeit, die aufgrund der Nachwirkungen des Derby-Platzsturms vom Mai 2011, diverser Auseinandersetzungen zwischen Club und Fans und nicht zuletzt der Ausschreitungen von Thessaloniki sehr turbulent verliefen. „Nur teilweise hatte das sportliche Gründe“, weiß der Rapid-Trainer, der in den nächsten Monaten auf Verstärkungen seines Profikaders drängen muss.

Von optimalen Rahmenbedingungen keine Spur

In den nationalen Bewerben sieht Schöttel sein Team auf Kurs. „Platz drei hinter Austria und Salzburg, die andere Voraussetzungen haben als wir“, verweist er auf den Zwischenstand in der Liga. „Und im Cup haben wir, wenn auch nicht schön, das Viertelfinale erreicht“, ergänzte der stets besonnene Ex-Kapitän. Von Schöttel wird man auch in Zukunft keine populistischen Ansagen hören – weder zu den organisatorischen Problemen wie der prekären Stadionsituation noch zur ständigen budgetären Knappheit bei notwendigen Transfers.

Harald Hofstetter, ORF.at aus Leverkusen

Links: