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Kofler-Disqualifikation kostet Finaleinzug

Die Weltcup-Premiere der Skispringer im Mixed ist für das ÖSV-Team danebengegangen: Andreas Kofler wurde am Freitag in Lillehammer nach seinem ersten Sprung wegen eines zu großen Anzugs disqualifiziert. Die Mannschaft mit Jacqueline Seifriedsberger, Daniela Iraschko und Gregor Schlierenzauer verpasste dadurch den Sprung in die Top Acht, die im zweiten Durchgang startberechtigt waren.

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Der Sieg ging an Gastgeber Norwegen vor Japan und Italien. Österreich wäre mit Koflers gewerteter Leistung auf dem dritten Zwischenrang gelegen, mit nur drei zählbaren Ergebnissen wurde es nur der zwölfte Platz unter 13 Teams - weil auch ein Kanadier disqualifiziert wurde.

Entschuldigung beim Team

Kofler, dessen Anzug an drei Stellen mehr als die erlaubten zwei Zentimeter Abstand vom Körper aufwies, war im ORF-Interview zerknirscht: „Natürlich bin ich enttäuscht, vor allem für die Mannschaft tut es mir leid. Ich möchte mich auch gleich bei allen entschuldigen. So etwas sollte natürlich nicht passieren, vor allem bei einem Mannschaftsbewerb nicht.“

"Der Anzug war zu groß. Wir haben uns natürlich damit beschäftigt, aber es ist schwierig, das genau auszumessen. Ich habe es offensichtlich nicht zusammengebracht, bedauerte der 28-jährige Tiroler. „Man geht im Spitzensport natürlich immer ans Limit und versucht Grenzen auszureizen, weil herschenken will man ja auch nichts.“

Kofler war bereits beim Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten eine falsche Nahtführung zum Verhängnis geworden, nun wurde er von FIS-Kontrollor Sepp Gratzer wegen zu großen Abstands an Knie, Oberschenkel und Bauch disqualifiziert. „Ich habe mir nicht gedacht, dass es so knapp ist“, sagte der Vizeweltmeister von der Normalschanze. Zu seiner Verteidigung mag gelten, dass es die frühere Möglichkeit, den Anzug vorab kontrollieren zu lassen, in dieser Saison nicht mehr gibt.

Pointner will weniger ans Limit gehen

ÖSV-Herren-Trainer Alexander Pointner sprach von einer „sehr unangenehmen Situation“. Man wende viel Zeit und Energie auf, perfekte Anzüge zu schneidern, die Letztverantwortung liege beim Athleten. „Der Anzug ist ein dehnbarer Stoff. Aber wir werden unsere Lehren ziehen und nicht mehr so ans Limit gehen“, erklärte der Coach, dem es für die Damen leidtat. „Wir werden bei der WM alles daransetzen, dass wir die Damen nicht mehr enttäuschen.“

Cheftrainer Alexander Pointner

GEPA/Felix Roittner

Herren-Trainer Alexander Pointner tat es vor allem für die ÖSV-Damen leid

Vorerst stand aber vor dem Einzelbewerb am Samstag (15.00 Uhr, live in ORF eins) noch viel Arbeit an, alle Anzüge mussten nochmals kontrolliert werden. Pointner: „Wir werden nachmessen, lieber ein Zentimeter enger als ein Millimeter zu groß.“

Damen-Trainer Harald Rodlauer war mit den Sprüngen von Iraschko (98,5 m) und Seifriedsberger (94,0 m) zufrieden: „Die Mädels haben eine gute Leistung gebracht, obwohl sie durch Materialumstellungen eine schwierige Vorbereitung hinter sich hatten. Aber sie haben das gut gemacht, bei den schwierigen Bedingungen.“

Hlava und Insam mit Höchstweite

Den ersten Sieg der Saison sprang das norwegische Team mit dem Tiroler Herren-Coach Alexander Stöckl ein. Maren Lundby, Anette Sagen, Tom Hilde und Weltcup-Sieger Anders Bardal gewannen souverän. Den weitesten Sprung stand bei schwierigen Windbedingungen der Tscheche Lukas Hlava (102,5 m), der zuvor schon Bester der Qualifikation gewesen war.

Auch die Italienerin Evelyn Insam segelte im zweiten Durchgang auf diese Weite, allerdings mit viel mehr Anlauf. Die Damen hatten immer sieben bzw. acht Luken mehr zur Verfügung und damit natürlich auch mehr Geschwindigkeit. Schlierenzauer musste sich mit 84,5 m begnügen. „Der Sprung hat sich nicht so schlecht angefühlt, man darf das bei dem wechselnden Wind nicht überbewerten“, sagte der Großschanzen-Weltmeister.

Mixed-Teamspringen in Lillehammer

Endstand nach zwei Durchgängen:
1. Norwegen (Lundby, Hilde, Sagen, Bardal) 983,1
2. Japan (Ito, Watase, Takanashi, Takeuchi) 966,0
3. Italien (Runggaldier, Morassi, Insam, Colloredo) 899,0
4. Deutschland (Gräßler, Freitag, Vogt, Freund) 875,7
5. USA (Van, Johnson, Hendrickson, Frenette) 869,9
6. Tschechien (Pustkova, Koudelka, Dolezelova, Hlava) 849,1
7. Slowenien (Vtic, Pungertar, Logar, Prevc) 836,9
8. Schweiz (Windmüller, Deschwanden, Windmüller, Ammann) 834,3
Nicht für den zweiten Durchgang qualifiziert:
9. Frankreich (Clair, Lamy Chappuis, Mattel, Chedal) 417,5
10. Finnland (Kykkänen, Niemi, Rautionaho, Happonen) 393,8
11. Russland (Gladischewa, Kalinitschenko, Awakumowa, Wassiliew) 377,4
12. Österreich (Seifriedsberger, Kofler*, Iraschko, Schlierenzauer) 358,9
13. Kanada (Pretorius, Rowley*, Henrich, Boyd-Clowes) 305,2
* disqualifiziert

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