Aufputschmittel als Ausrede
In der National Football League (NFL) beginnt am Sonntag der entscheidende Monat im Play-off-Kampf. Doch nicht nur das Ringen um die Tickets für die K.-o.-Runde sorgt für Gesprächsstoff, sondern auch die steigende Zahl an positiven Dopingtests. Aufputschende Mittel sind sehr gefragt - und auch ein bekanntes Medikament zur Potenzsteigerung soll äußerst beliebt sein.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Brandon Marshall sorgte mit seiner Antwort auf die Frage von Reportern nach seinem Standpunkt auf die aktuell immer häufiger auftauchenden positiven Dopingtests für hochgezogene Augenbrauen und Schmunzeln. Denn laut dem Wide Receiver der Chicago Bears greifen viele seiner Kollegen zur blauen Pille mit dem Wirkstoff Sildenafil, besser bekannt als Viagra, um sich für wichtige Spiele aufzurichten.
„Irgendwie verrücktes Zeug“
„In der Liga herrscht harter Konkurrenzkampf“, sagte der 28-Jährige, „manche versuchen alles, um sich einen entscheidenden Vorteil zu sichern“. Und dazu ist manchen Spielern auch der Griff zu Viagra recht. „Ich habe gehört, dass manche Spieler es nehmen“, so Marshall. Die blutverdünnende Wirkung des Mittels soll dem Herzen der Athleten helfen, Blut schneller durch den Körper zu pumpen - so jedenfalls die Theorie von Bears-Star Marshall.

Reuters/Jeff Haynes
Marshall (l.) will schon allerhand verrückte Sachen beobachtet haben
„Es ist irgendwie verrücktes Zeug“, sagte der 28-Jährige gegenüber Reportern, „es macht einem aber auch Angst, was für Chemikalien in einigen von diesen Dingen sind. Man muss aufpassen.“ Das 1998 vom US-Unternehmen Pfizer auf den Markt gebrachte Medikament gegen Erektionsstörungen steht nicht auf der Dopingliste der NFL und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).
Tests an den Lacrosse-Spielern der Marywood University vor einiger Zeit brachten keine klaren Beweise für positive und leistungssteigernde Auswirkungen auf Athleten. Auch die Herstellerfirma dementierte bereits eine leistungssteigernde Wirkung seines weltweit bekanntesten Produkts im sportlichen Sinn.
Adderall in aller Munde
Nicht Viagra, sondern Adderall ist derzeit in der NFL das Modemedikament - als Ausrede für positive Dopingtests. Gleich mehrere Spieler tappten heuer bereits in die Falle. Zuletzt wurden die Verteidiger Richard Sherman und Brandon Browner von den Seattle Seahawks wegen eines positiven Dopingtests von der NFL für vier Spiele gesperrt. Das Duo erhob jedoch Einspruch gegen die Sperre, die Entscheidung darüber steht noch aus.
Als Grund für den positiven Test gaben die meisten Dopingsünder die Einnahme von Adderall an. Das rezeptpflichtige Psychostimulans, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie bei Narkolepsie, im Volksmund „Schlafkrankheit“, eingesetzt wird, ist aufgrund seiner aufputschenden Wirkung von der NFL verboten. Das Medikament fördert laut Medizinern die Konzentration und hemmt Ermüdungserscheinungen.
Ausrede für Steroide
In Ausnahmefällen und bei ärztlichem Attest ist Adderall von der NFL zugelassen - und eignet sich daher perfekt als Ausrede. Denn aufgrund des Kollektivvertrags zwischen Liga und Spielergewerkschaft darf der Grund für den positiven Dopingtest nicht veröffentlicht werden. Adderall kann daher als Deckmantel für schwerwiegendere Medikamente wie anabole Steroide benutzt werden.
Wie gestört das Verhältnis mancher Footballprofis zum Thema Doping ist, beweist eine Aussage von Running Back Michael Robinson von den Seattle Seahawks, der nichts gegen eine Aufhebung des Verbots etwa von Adderall hätte. „Wenn ich an leistungssteigernde Mittel denke, dann ist es etwas, das mich schneller macht oder höher springen lässt“, so Robinson. Ein geistiges Aufputschmittel gehört demnach nicht dazu.
Bears-Star Marshall hat laut eigenen Aussagen weder das eine noch das andere nötig. „Ich bin Gott sei Dank mit entsprechender Größe und Intelligenz gesegnet, damit ich einen Vorteil gegenüber anderen Spielern habe“, wird der 28-Jährige in „USA Today“ zitiert. Die Aufputschmittel und blauen Pillen bleiben daher zumindest in diesem Fall in der Apotheke.
Links: