Themenüberblick

Noch keine offizielle Bestätigung

Olympische Sommerspiele in Wien? Laut den Zeitungen „Heute“ und „Österreich“ soll die rot-grüne Stadtregierung eine Volksbefragung darüber im nächsten Jahr beschlossen haben. Darüber wurde zwar weder mit dem ÖOC gesprochen, noch gibt es eine offizielle Bestätigung, aber inoffiziell deutet einiges in diese Richtung.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Gegenüber ORF.at hieß es aus dem Büro von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), dass eine Bewerbung eine „mögliche Fragestellung“ sei, „aber nichts fix“ sei. Sicher ist lediglich, dass am Freitag in Wien eine Gemeinderatssitzung stattfinden wird, in der es eine Mitteilung Häupls geben wird. Thema dabei seien natürlich auch die Fragestellungen bei der nächsten Volksbefragung, die im März stattfinden soll. Auch aus dem Büro von Wiens Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) hieß es gegenüber ORF.at, dass diese Frage am Freitag „diskutiert wird“.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl

APA/Hans Klaus Techt

Bürgermeister Häupl erwägt eine Volksbefragung über Olympische Sommerspiele in Wien

2024 oder 2028 als Termin

Die APA erfuhr inoffiziell aus dem Rathaus, dass eine Frage über eine Bewerbung für Olympische Sommerspiele sehr wohl angedacht sei. Daneben geht es auch um die Parkraumbewirtschaftung in Wien und vermutlich den Bereich Wohnen. Von der Opposition kommt Zustimmung. ÖVP-Obmann Manfred Juraczka sagte, dass die ÖVP die Idee der Sommerspiele schon vor Monaten präsentiert habe: „Eine gute Idee, aber bezüglich der Umsetzung ist Skepsis angebracht“, sprach er vor allem die nicht olympiatauglichen Sportstätten an.

Angedachter Termin für die Sommerspiele in Wien soll 2024 oder 2028 sein. Die Spiele 2016 wurden bereits an Rio de Janeiro vergeben, für 2020 fällt die Entscheidung zwischen Tokio, Istanbul und Madrid. Auslöser für das Interesse Wiens an einer Bewerbung war laut „Österreich“, dass das rauschende Fest bei den Spielen 2012 in London Häupl Appetit gemacht habe. „Wien will sich dabei nicht nur als schönste Stadt präsentieren, sondern auch den heimischen Sport ankurbeln und hochmoderne Sportstätten in Wien errichten“, schrieb die Zeitung.

Idee nicht mit ÖOC akkordiert

Das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) zeigte sich von der Initiative Wiens überrascht: „Uns ist das neu, mit uns hat noch niemand gesprochen“, sagte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel gegenüber ORF.at. Sollte sich Wien für eine Bewerbung aussprechen, so müsse es sich mit dem ÖOC zusammentun: „Eine Bewerbung kann man nur gemeinsam durchführen“, denn nur das ÖOC, das bei der nationalen Vorbereitung hilft, ist gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verantwortlich.

Das ÖOC würde eine Bewerbung Wiens jedenfalls begrüßen: „Man hat in London 2012 gesehen, welche nachhaltigen Auswirkungen die Sommerspiele auf den Breiten- und Spitzensport haben“, laut einer Studie sollen in England nun 750.000 Menschen mehr Sport betreiben als vor einem Jahr. Mennel erwähnte die wirtschaftlichen Vorteile einer Austragung, gab aber zu bedenken, dass London allein die Bewerbung rund 20 Millionen Euro gekostet habe. Heute sei dieser Betrag wohl „erheblich höher“, zudem müsse die finanzielle Ausstattung, etwa für die Durchführung und notwendige Infrastrukturmaßnahmen, gewährleistet sein.

In Sachen Infrastruktur sieht es in Wien zwar gut aus, bei den Sportstätten hapert es aber gehörig: Etablierte Arenen wie das Happel- und das Dusika-Stadion müssten umgebaut oder adaptiert werden, einige andere Stadien und Hallen überhaupt neu gebaut werden. Dazu kommen noch Kosten für die Sicherheit: Allein in London soll das Budget für Olympia 2012 knapp 11,5 Milliarden Euro betragen haben.

Sommerspiele wären Premiere

Olympische Sommerspiele in Wien wären eine Premiere für Österreich. Bisher hat es nur Olympische Winterspiele gegeben, 1964 und 1976 war Innsbruck Schauplatz dieser Großereignisse. Vor allem die Spiele 1964 verliefen recht erfolgreich, Österreich holte insgesamt zwölf Medaillen, davon vier in Gold. 1976 waren es sechs Medaillen.

Eröffnung der Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck

AP

Zuletzt fanden in Österreich 1976 in Innsbruck Olympische Spiele statt

Zuletzt hatte Salzburg versucht, Olympische Spiele nach Österreich zu holen. Für 2014 erhielt aber das russische Sotschi den Zuschlag, Salzburg war wie schon vor vier Jahren, als Vancouver auserkoren wurde, bereits als erster der drei Finalisten ausgeschieden. Die Geschichte ging mit der Affäre um Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth unrühmlich zu Ende. Auch die Versuche von Klagenfurt („Senza Cofini“) für die Winterspiele 2006 und Graz für 2002 waren erfolglos geblieben.

Wichtig für eine Bewerbung ist auf jeden Fall die breite Zustimmung der Bevölkerung, diese ist für das IOC bei der Vergabe entscheidend. „Mit dem Beginn des Vergabeprozesses ist nicht vor 2015 zu rechnen“, so ÖOC-Präsident Karl Stoss. Davor stehen aber noch eine Gemeinderatssitzung am Freitag und eine mögliche Volksbefragung im März.

Oliver Mück, ORF.at

Links: