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„Wild Oats XI“ plant Revanche

Am Stefanitag geht es zwischen Australien und Tasmanien wieder rund. Zum 68. Mal steht in der stürmischen Bass Strait die Hochseeregatta Sydney - Hobart auf dem Programm. Die diesjährige Auflage steht im Zeichen der Rekordjagd und der Revanche. Denn die australische Jacht „Wild Oats XI“ will die 628 Seemeilen (1.163 km) unter 24 Stunden schaffen.

Die 30 Meter lange Super-Maxi-Jacht startet als Topfavorit in die jüngste Auflage des Segelklassikers. 1945 wurde der Klassiker zum ersten Mal ausgetragen. Im Vorjahr musste sich das australische Boot um einen - für Hochseeverhältnisse - Wimpernschlag geschlagen geben. Um nur 3:08 Minuten kam 2011 die Crew der „Investec Loyal“ vor jener der „Wild Oats XI“ ins Ziel. Erst nach monatelangem Protest wurde der Triumph der „Investec Loyal“ offiziell bestätigt.

Streckenrekord soll her

Heuer will der Favorit den Spieß wieder umdrehen. Zum sechsten Mal soll der Titel an die „Wild Oats XI“ gehen, die 2005 zum ersten Mal den Sieg bei Sydney - Hobart davontrug. Es folgten weitere Siege in den Jahren 2006, 2007, 2008 und 2010. Nur 2009 und eben im Vorjahr musste man sich mit Platz zwei begnügen. Skipper Mark Richards weiß, dass er mit der „Wild Oats XI“ bei der Regatta zum Siegen verurteilt ist.

Wild Oats IX

Reuters/Rolex/Daniel Forster

Wild Oats XI dominierte seit 2005 meist das Geschehen auf dem Wasser

Der Australier hat aber ohnehin ein viel größeres Ziel vor Augen. Denn seit 2005 hält die Jacht den Streckenrekord. Das Boot benötigte damals für die 628 Seemeilen (1.163 km) exakt einen Tag, 18 Stunden, 40 Minuten und zehn Sekunden. Und diese Bestmarke soll nun fallen. Richards Ziel: Die Strecke von Sydney nach Hobart unter 24 Stunden zu bewältigen, sofern optimale Wind- und Wetterbedingungen herrschen.

Der Australier hat dabei viel vor. Denn schafft es „Wild Oats XI“ in weniger als einem Tag durch die Bass Strait, würde das einem Schnitt von knapp 48,5 km/h entsprechen. Zum Vergleich: Beim Streckenrekord vor sieben Jahren schaffte man in den stürmischen Gewässern zwischen Australien und Tasmanien „nur“ einen Schnitt von etwas mehr als 27 km/h - fast doppelt so langsam. Im Vordergrund steht aber der Sieg. „Der Streckenrekord wäre nur ein Bonus“, so Richards.

Schrecksekunde beim Titelverteidiger

Die Vorjahressieger, heuer unter dem Namen „Ragamuffin Loyal“ am Start, sind wieder der härteste Gegner von „Wild Oats XI“ im Starterfeld der 76 Boote. Mit Skipper Syd Fischer verfügt die Crew über den erfahrensten Mann im gesamten Teilnehmerfeld - und den ältesten. Der 85-Jährige erwartet sich ein ähnlich knappes Rennen wie vor einem Jahr. „Wir werden sie beobachten, und sie werden uns beobachten“, sagte Fisher, der die heurige Ausgabe mit einem „Drag Race“ verglich.

Die Mannschaft der „Ragamuffin Loyal“ hatte in der Vorbereitung auf das Rennen jedoch eine Schrecksekunde zu verarbeiten. Der Mast der Jacht wurde vor zwei Wochen bei einer Kollision mit der ANZAC Brücke in Sydney beschädigt und musste repariert werden. Übrigens: Alles andere als ein Heimsieg der australischen Boote wäre eine Überraschung. Denn von den 76 Teilnehmern segeln nur fünf Boote nicht unter australischer Flagge. Neben zwei Jachten aus Neuseeland sind eines aus Frankreich, eines aus Japan und erstmals eine Jacht aus Litauen am Start.

Startverbot zwei Stunden vor Beginn

Eigentlich hätten 77 Jachten teilnehmen sollen, doch zwei Stunden vor Beginn des Rennens wurde die Super-Maxi „Wild Thing“, die 2003 gewonnen hatte, wegen fehlender Dokumentation eines Umbaus aus der Startliste gestrichen. Der Rumpf des Bootes war von 98 auf 100 Fuß verlängert worden und der Besitzer hätte der Rennleitung die entsprechenden Papiere vorlegen müssen.

Da dies nicht rechtzeitig geschah, musste die „Wild Thing“ im Hafen bleiben. Skipper Grant Wharington war entsprechend konsterniert, da sein Handy während der Vorbesprechung abgeschaltet war und er nicht vom Ausschluss informiert werden konnte. „Als wir dann um elf Uhr (zwei Stunden vor dem Start, Anm.) die Handys dann wieder aufgedreht haben, waren Hunderte von Meldungen drauf, dass wir ausgeschlossen sind. Wir waren völlig entgeistert.“

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