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„Mir geht es unglaublich gut“

Titelverteidiger Gregor Schlierenzauer hat sich am Sonntag zum zweiten Mal den Triumph bei der Vierschanzentournee gesichert. Der 22-Jährige räumte beim Abschlussbewerb in Bischofshofen den Tagessieg ab und gewann damit die 61. Ausgabe dieser Traditionsveranstaltung mit 13 Punkten Vorsprung auf den Norweger Anders Jacobsen.

Das Duell zwischen dem Tiroler und dem Norweger wurde dabei vor allem im zweiten Durchgang zu einem wahren Krimi. Schlierenzauer lag nach dem ersten Durchgang in Führung und hatte mit einer Weite von 133 Metern den Vorsprung auf Jacobsen minimal auf 11,5 Zähler ausgebaut. Im Finale flog der Herausforderer dann unmittelbar vor dem ÖSV-Adler auf die Tageshöchstweite von 139 Meter, doch Schlierenzauer konterte mit 137,5 Metern und wehrte den letzten Angriff des Norwegers souverän ab.

Schlierenzauer hatte am Ende 2,3 Vorsprung und stellte damit den fünften ÖSV-Tournee-Sieg in Serie sicher. „Mir geht es unglaublich gut, was will man mehr. Es war bis zum Schluss extrem spannend. Ich muss Jacobsen gratulieren, er hat während der Tournee eine unglaubliche Form bekommen“, erklärte Schlierenzauer, der seinen 45. Weltcup-Erfolg feierte, womit ihm nur noch einer auf den finnischen Rekordhalter Matti Nykänen fehlt.

Sieger Gregor Schlierenzauer und Stefan Kraft umarmten sich neben Anders Jacobsen

APA/Barbara Gindl

Der Jubel war zur Freude der 25.000 Fans am Ende ganz auf Österreichs Seite

Unter Druck reifen „die großen Diamanten“

Bis es so weit war, musste der 22-Jährige bei strömendem Regen die Nerven behalten, bewies aber wieder einmal sein Ausnahmetalent. „Ich habe die Weite von Jacobsen gar nicht gehört. Durch die Stimmung habe ich aber mitbekommen, dass es sehr weit gewesen sein muss. Dann habe ich mir gedacht, dass erst durch richtig großen Druck die großen Diamanten reifen. Das ist mir dann gelungen. Es scheint, dass ich alles richtig gemacht habe“, erklärte Schlierenzauer.

Der Tiroler war einen Tag vor seinem 23. Geburtstag von den Emotionen überwältigt. „Das gehört sicher zum meinen schönsten Siegen. Es ist alles so eng und dicht beisammen. Es dauert sicher noch ein Weilchen, bis ich begreife, dass ich dieses Teil ein zweites Mal gewonnen habe“, so Schlierenzauer mit Blick auf die Trophäe. Auch Chefcoach Alexander Pointner stellte sich als Gratulant ein: „Gregor ist ein ganz großer Star dieser Szene und sicherlich eine der Sportgrößen, die es international gibt.“

Absprung vom Schanzentisch von Anders Jacobsen

GEPA/Thomas Bachun

Im letzten Tournee-Durchgang gelang Jacobsen noch eine „Bombe“

Jacobsen führt starke Norweger an

Jacobsen verpasste indes seinen zweiten Tournee-Sieg nach 2007, führte aber mit Platz zwei eine extrem starke norwegische Mannschaft an. Das Team von Coach Alexander Stöckl brachte mit Tom Hilde (3./71 Punkte zurück) und Anders Bardal (5./73,4) insgesamt drei Springer unter die ersten fünf. Dazwischen schob sich als Vierter der Pole Kamil Stoch, der am Ende 73 Zähler hinter Gesamtsieger Schlierenzauer lag.

Großartig traurig war Jacobsen, der die ersten zwei Tournee-Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewinnen konnte, aber nicht über den verpassten Triumph. Vielmehr stellte sich der 27-Jährige als fairer Verlierer ein. „Ich bin glücklich, es war ein großer Wettkampf. Der Beste hat gewonnen. Ich habe aber noch einen Sprung auf Lager gahabt, wo keiner mitgekommen ist. Ich hatte so viel Spaß, das war mein einziges Ziel“, sagte der Norweger.

Kraft mit sensationeller Vorstellung

Im Schatten von Schlierenzauer gelang auch einem anderen Österreicher ein sensationelles Ergebnis. Stefan Kraft schaffte in seinem erst dritten Weltcup-Springen als Dritter bereits den Sprung auf das Podest. Der 19-jährige Lokalmatador landete dabei mit zwei Sprüngen auf 131 Meter 11,4 Punkte hinter Schlierenzauer. Thomas Morgenstern kam als Sechster ebenfalls noch in die Top Ten.

„Ich glaube, ich träume. Jetzt muss mir irgendjemand eine reinhauen, damit mir das Lachen vergeht. Ich bin wirklich sprachlos, es ist unglaublich. Damit habe ich nicht gerechnet. Den Probedurchgang habe ich ausgelassen, weil ich nicht ganz fit war. Das ist jetzt mein neues Mittel: ein bisschen angeschlagen zu sein“, war Kraft, der nun auch bei den Weltcup-Springen in Wisla mit von der Partie ist, vor 25.000 Fans aus dem Häuschen.

Landung mit hochgerissenen Armen von Stefan Kraft

AP/Matthias Schrader

Platz drei entlockte Kraft nach dem Springen ein jugendliches „Geil, Oida“

Genugtuung bei Chefcoach Pointner

Vor allem für Pointner war das abschließende Abschneiden eine gewisse Genugtuung. „Es ist wohltuend, dass Gregor die Tournee gewonnen hat und dass mit Stefan ein junger Springer aufgezeigt hat. Dann weiß man, dass unsere Nachwuchsarbeit passt. Unsere Ressorts sind doch nicht so schlecht, wie sie von einigen gemacht wurden“, erklärte der Chefcoach und legte nach: „Viele haben sich aus dem Fenster gelehnt. Ich muss der gesamten Mannschaft gratulieren, wie ruhig sie geblieben ist. Am Schluss konnten wir das mit einem Lächeln dokumentieren.“

Weltcup-Springen in Bischofshofen

Endstand:
1. Gregor Schlierenzauer AUT 133,0/137,5 272,7
2. Anders Jacobsen NOR 131,5/139,0 270,4
3. Stefan Kraft AUT 131,0/131,0 261,3
4. Kamil Stoch POL 131,0/131,5 260,2
5. Anders Bardal NOR 130,0/130,0 257,3
6. Thomas Morgenstern AUT 132,0/127,0 253,7
7. Dimitri Wassiliew RUS 132,0/130,5 252,9
8. Michael Neumayer GER 132,0/128,5 251,5
9. Tom Hilde NOR 126,5/131,0 250,9
10. Maciej Kot POL 132,0/126,0 250,8
11. Jaka Hvala SLO 128,5/127,0 250,4
12. Richard Freitag GER 130,0/125,0 248,1
13. Andreas Kofler AUT 128,5/126,0 247,2
14. Jan Matura CZE 129,5/125,0 246,2
15. Peter Prevc SLO 127,5/130,0 245,2
16. Michael Hayböck AUT 127,5/127,5 244,6
17. Martin Koch AUT 127,0/129,0 244,0
18. Wolfgang Loitzl AUT 130,0/123,0 243,9
19. Andreas Wellinger GER 133,5/130,0 243,2
20. Ilija Rosliakow RUS 124,5/128,5 242,8
21. Andreas Wank GER 124,5/129,5 242,2
22. Vladimir Sografski BUL 123,5/126,5 240,6
23. Noriaki Kasai JPN 123,0/127,0 240,4
24. Martin Schmitt GER 127,0/126,0 239,8
25. Rune Velta NOR 131,0/121,5 238,0
26. Anders Fannemel NOR 127,0/125,5 237,8
27. Robert Kranjec SLO 127,5/123,5 237,6
28. Lauri Asikainen FIN 124,0/124,5 235,4
29. Stefan Hula POL 127,0/122,0 231,3
30. Piotr Zyla POL 127,0/124,5 230,5
31. Juri Tepes SLO 125,5/118,5 226,2
32. Lukas Hlava CZE 122,5/123,0 223,0

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