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Suche nach dem „letzten Tick“

Im Abschluss vor dem gegnerischen Tor ortet Marcel Koller nach wie vor das größte Verbesserungspotenzial im Spiel der österreichischen Nationalmannschaft. Mit der erstmaligen Einberufung von Philipp Hosiner in seiner Teamchef-Ära setzte der Schweizer am Dienstag auch diesbezüglich ein Zeichen. Der Austria-Torjäger steht im Aufgebot für den Test in Wales am 6. Februar - ansonsten blieb alles beim Alten.

Nur Rapid-Stürmer Guido Burgstaller ist im Vergleich zum 0:3 im November gegen die Elfenbeinküste nicht im ÖFB-Kader. Ob der an einer Muskelverletzung laborierende Bologna-Legionär György Garics der Nominierung nachkommen kann, wird sich bis Freitag entscheiden. Auf der Suche nach dem „letzten Tick beim Toreschießen“, wie es Koller formulierte, will er sich von Hosiner in Swansea „ein Bild machen“. Sein Debüt im A-Team hat der in dieser Bundesliga-Saison schon 21-fache Torschütze am 7. Oktober 2011 in Aserbaidschan gegeben.

ÖFB-Coach Marcel Koller lacht

GEPA/Philipp Brem

Marcel Koller startet ins Jahr 2013

„Er hat es sich verdient“

Beim 4:1 in der EM-Qualifikation hatte aber noch Willi Ruttensteiner als Interimsteamchef nach Dietmar Constantini das Sagen - und wurde Hosiner erst in der 88. Minute für Marc Janko eingewechselt. „Mit seinen Toren hat er sich das sicher verdient“, erklärte Koller nun die eigentlich schon im Herbst fällig gewesene Einberufung. „Aber es ist eben schwieriger geworden, ins Team zu kommen. So schnell stellen wir nicht alles auf den Kopf“, betonte er sein Vertrauen in den gebildeten Stamm der Mannschaft. „Deshalb hat es auch nur eine Veränderung gegeben.“

Experimente personeller Natur, die bei der Heimniederlage gegen die Ivorer zumindest resultatstechnisch ins Auge gingen, sind für den nächsten Mittwoch in Swansea nicht zu erwarten. „Wir wollen gut in dieses wichtige Jahr starten und werden sicher versuchen, die stärkste Mannschaft aufs Feld zu bringen“, kündigte Koller an. Die Waliser wären außerdem der ideale Vorbereitungsgegner für das Duell mit den Iren, die in der WM-Quali am 26. März in Dublin nach dem Heimspiel gegen die Färöer (22. März) auf Österreich warten. „Sie sind kompakt, in der Defensive stabil und zweikampfstark“, so Koller. „Typisch britisch.“

Geduld mit Janko

Mit der wiederum für einen Schweizer typischen Geduld beobachtet Koller die Entwicklung bei Sturmtank Janko in der Türkei. Das Engagement bei Trabzonspor war bisher noch keine Erfolgsstory, zudem war Janko in den letzten Wochen angeschlagen. „In Österreich kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Legionär überall immer spielt“, stellte Koller klar. „So stark sind wir nicht.“ Im Ausland sei die Konkurrenz eben groß - er wolle sich von Janko ein persönliches Bild machen. Genauso natürlich auch von Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, der nach unbefriedigenden Monaten in Wolfsburg bei West Ham anheuerte.

„Ich hoffe natürlich, dass er dort regelmäßig spielt“, sagte Koller über den auf der Insel als „Mad Dog“ berüchtigten Steirer. „Ich denke, er wird da schnell reinkommen. Und das wäre für das Nationalteam natürlich wichtig.“ Als ebenso bedeutsam strich Koller bei der routinemäßigen ÖFB-Pressekonferenz im Hilton am Wiener Stadtpark hervor, dass er in Wales Führungspersönlichkeiten auf dem Spielfeld als solche erkennen will. Gegen die Elfenbeinküste habe „keiner die Führung übernommen“, bemängelte der Schweizer. „Das muss anders sein.“

Manninger unter Beobachtung

Eine nicht uninteressante Personalie wurde schließlich auch noch andiskutiert. Der schon vor Jahren aus dem Nationalteam von sich aus zurückgetretene Alexander Manninger brachte sich mit starken Leistungen im Tor des deutschen Bundesligisten FC Augsburg wieder ins Gespräch.

Manningers Glanzpartie am Samstag beim 0:0 gegen Schalke hatte Koller sogar live im Stadion gesehen, weil er Gäste-Außenverteidiger Christian Fuchs beobachtete. „Er wird seine Gründe für den Rücktritt gehabt haben“, umschiffte der Teamchef zunächst diplomatisch das stets heikle Thema Manninger und Österreich.

Augsburg-Goalie Alexander Manninger

GEPA/Witters/Uwe Speck

In Augsburg startet Alexander Manninger noch einmal durch

Beobachten wird man ihn laut Koller aber auch in Zukunft - nicht zuletzt weil sich Manninger mit 35 Jahren „im besten Alter für einen Torhüter“ befindet. „Im Moment sehen wir auf dieser Position jedenfalls kein Problem“, betonte der Cheftrainer, obwohl Einsergoalie Robert Almer bei Düsseldorf nach wie vor nur Ersatz ist.

Er bildet mit Lukas Königshofer (Rapid) und Heinz Lindner (Austria) weiter das ÖFB-Trio. Dass die Offensivmänner Marko Arnautovic (Werder) und Martin Harnik (Stuttgart) nach Ausschlüssen am kommenden Wochenende gesperrt sind, bringt Koller schon gar nicht aus der Ruhe. „Da sind sie dann frischer.“

Harald Hofstetter, ORF.at

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