Historischer Auftritt 2012
2012 ist Oscar Pistorius einer der am meisten diskutierten Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in London gewesen. Der Läufer aus Südafrika hatte sich seinen Traum erfüllt: Als erster beinamputierter Sportler durfte er bei Olympischen Spielen in einem Einzelbewerb an den Start gehen. In London zog der 25-Jährige fast noch mehr Aufmerksamkeit auf sich als Superstar Usain Bolt aus Jamaika.
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„Es waren fünf, sechs Jahre harte Arbeit, und viele Menschen haben sich für mich aufgeopfert“, sagte der 400-m-Läufer aus Südafrika kurz vor der Erfüllung seines Traumes. „Phänomenal, ich muss mich jeden Tag zwicken.“ Die vorläufige Endstation seiner Sehnsucht hat der 26-jährige Leichtathlet auf Karbonprothesen nach einem langen sportpolitischen Rennen durch die Instanzen erreicht.
Halbfinale bei Olympia
„Ich sehe mich selbst nicht als Pionier“, hatte Pistorius erklärt, der sowohl allein als auch mit der 4x400-m-Staffel über die Stadionrunde angetreten war. Schon bei den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu/Südkorea war Pistorius am Start und hatte damit Sportgeschichte geschrieben. Im Einzelrennen schaffte es der Südafrikaner in das Halbfinale, mit der Staffel durfte der 25-Jährige nach erfolgreichem Protest gegen eine Disqualifikation auch Finalluft schnuppern. Eine Medaille bei Olympia blieb dem „Blade Runner“ jedoch verwehrt.

APA/EPA/Diego Azubel
Pistorius (r.) schrieb bei Olympia 2012 mit seinem Start Sportgeschichte
Einen Monat später bei den Paralympics stand Pistorius erneut im Rampenlicht. Dort wurde der große Favorit jedoch über 200 m als Paralympicsieger entthront, holte sich aber Gold über 400 m und mit der 4x100 m Staffel - Letzteres mit Gold. Im Dezember 2012 sorgte Pistorius für Aufsehen, als er bei einem Showwettkampf zugunsten eines karitativen Zweckes in Katar einen Araberhengst über die Distanz von 200 m in die Schranken verwies.
Jahrelange Diskussion
Jahrelang hatten Fachleute darüber diskutiert, ob seine Hightech-Prothesen die Beschleunigung erhöhen und ihm einen Vorteil bringen. 2008 hatte der Leichtathlet-Weltverband (IAAF) auf Grundlage eines Gutachtens des deutschen Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann die Teilnahme von Pistorius an den Sommerspielen 2008 in Peking verbieten wollen. Der von ihm angerufene Internationale Sportgerichtshof (CAS) hob die IAAF-Entscheidung auf, der Südafrikaner verpasste aber die Olympiaqualifikation für China.
„Einige der Argumente sind so schwach, dass es mich ein wenig frustriert“, gestand der Student für Betriebswirtschaft an der Universität von Pretoria. Viele täten so, als sei er der einzige Athlet, der mit Prothesen laufe, obwohl Tausende Paralympics-Sportler sie seit Jahren nutzten und sogar mit verbesserten Versionen liefen.
„Wenn die Prothesen einen solchen Vorteil bieten würden, warum hat noch kein anderer Paralympics-Läufer über 400 m die 50 Sekunden unterboten?“, fragte Pistorius. „Es gibt so viele Informationen und Wissenschaftler. Doch nur weil Leute einen Doktortitel haben oder Professor sind, heißt das nicht, dass sie auch das richtige Wissen haben.“
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