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Knappe Abstände in Garmisch

Der Weltcup-Zirkus hat ein neues Siegergesicht. Tina Weirather feierte am Freitag beim ersten Super-G der Damen in Garmisch-Partenkirchen ihren ersten Sieg. Die Läuferin aus Liechtenstein gewann in einer Zeit von 1:19,82 Minuten vor dem zeitgleichen Duo Tina Maze (Slowenien) und Julia Mancuso (USA). Anna Fenninger belegte als beste Österreicherin den vierten Rang.

Für Weirather klappte es auf der WM-Piste von 2011 im 74. Weltcup-Rennen mit dem ersten Sieg. „Ich habe es noch nicht ganz realisiert, es war unglaublich, nach den letzten Wochen und Monaten, wo ich ein Tief hatte und hart arbeiten musste, um wieder rauszukommen. Jetzt habe ich es geschafft, und es fühlt sich unglaublich an“, sagte Weirather, die zuletzt mit einer Schuhrandprellung zu kämpfen hatte.

Tina Weirather im Zielraum

Reuters/Michael Dalder

Die ehemalige Junioren-Weltmeisterin schlug erstmals im Weltcup zu

Lange Durststrecke zu Ende

Die Tochter der Liechtensteiner Olympiasiegerin Hanni Wenzel und von Ex-Abfahrtsweltmeister Harti Weirather beendete mit ihrem Sieg eine lange Durststrecke der Liechtensteiner Damen. Zuletzt hatte Birgit Heeb im November 2002 im Riesentorlauf von Park City einen Sieg für das Damenteam des Fürstentums geholt. Bei den Herren hatte zuletzt Marco Büchel 2008 beim Super-G in Kitzbühel einen Sieg für Liechtenstein gefeiert.

Dementsprechend stolz zeigten sich die Eltern der frischgebackenen Weltcup-Siegerin. „Für mich ist immer wichtig, dass sie gesund ins Ziel kommt. Seit Schladming hat sie in jedem Lauf eine tolle Steigerung gehabt, mit einem Top Sechs hätte ich gerechnet“, sagte Mutter Hanni Wenzel. „Man kann es nicht fassen, der Sieg freut uns unglaublich. Nach dieser Saison hätten wir nicht mit einem Sieg gerechnet“, sagte Vater Weirather.

Maze greift nach Rekord

Am Ende fehlten Maze und Mancuso in einem Rennen der knappen Abstände nur zwölf Hundertstelsekunden auf die überraschende Siegerin aus Liechtenstein. Allerdings rückte Maze mit ihrem zweiten Platz dem Punkterekord von Hermann Maier einen großen Schritt näher. Ein weiterer zweiter Rang würde Maze in den verbleibenden acht Einzelrennen genügen, um die 2.000 Punkte des „Herminators“ aus der Saison 1999/2000 zu übertreffen.

In der Super-G-Wertung hat Maze zwei Rennen vor Schluss 65 Punkte Vorsprung auf Mancuso. Sowohl die Slowenin als auch die Amerikanerin lagen über weite Strecken des Rennens vor Weirather. Im Schlussteil erwischte die Liechtensteinerin jedoch die schnellste Linie. Überhaupt entschieden an diesem Tag nur wenige Meter über Sieg oder Niederlage. Die ersten sechs Läuferinnen klassierten sich innerhalb von 33 Hundertstelsekunden.

Fehler kostet Fenninger Sieg

Auch Fenninger vergab mit einem Fehler im unteren Teil den möglichen Sieg, rückte aber im Gesamtweltcup an die dritte Stelle vor. „Oben war es ganz okay, die Strecke war schwierig einzuschätzen. In der Zielkurve war ich zu weit innen, da habe ich entscheidend Tempo verloren“, sagte die Salzburgerin, der 28 Hunderstelsekunden auf die Bestzeit fehlten, „man muss von oben bis unten einen hundertprozentigen Lauf haben. Aber es war richtig schön zu fahren.“

Anna Fenninger beim Super-G in Garmisch-Partenkirchen

Reuters/Wolfgang Rattay

Fenninger verlor im unteren Abschnitt die richtige Linie

Nicole Hosp klassierte sich nur eine Hundertstelsekunde hinter Fenninger auf Rang fünf. Der Tirolerin gelang trotz der undankbaren Startnummer eins ein für ihre Verhältnisse fast perfekter Lauf. „Im Super-G ist es mit Nummer eins immer schwierig, weil man noch nicht so viele Informationen hat. Aber die Piste war traumhaft, und auch der Lauf war sehr gut“, sagte Hosp. Nicole Schmidhofer schaffte es mit Platz acht ebenfalls in die Top Ten.

Die restlichen Österreicherinnen mussten sich mit Plätzen jenseits der besten Zehn begnügen. Elisabeth Görgl belegte auf jener Strecke, auf der sie 2011 noch WM-Gold geholt hatte, einen Rang vor Andrea Fischbacher Rang 15. Stefanie Moser als 19., Regina Sterz auf Rang 21 und Stefanie Köhle mit Platz 27 holten ebenfalls Weltcup-Punkte. Einzig Margret Altacher sah aus österreichischer Sicht nicht das Ziel.

Maze holt Rekord für Podestplätze in einer Saison

Maze und Mancuso sorgten dafür, dass der Super-G-Weltcup spannend bleibt. „Ich hätte gewinnen müssen“, sagte Mancuso, wissend, dass die Aufgabe nicht leichter geworden ist. „Ich hatte ein paar Schwierigkeiten, aber ich war trotzdem schnell. Für den Sieg braucht es einen perfekten Lauf. Es ist beeindruckend, was Tina Maze diese Saison zeigt.“

Maze führt mit dem 19. Podestplatz des Winters nun allein in diesem Ranking vor Hanni Wenzel und Pernilla Wiberg (Schweden), die es jeweils auf 18 Top-Drei-Ränge in einer Saison brachten. „Ich probiere jedes Mal, Gas zu geben. Wenn es gut läuft, kann man alles. Es ist unglaublich“, sagte die 29-jährige Slowenin. „Ich werde im Super-G-Weltcup kämpfen bis zum Schluss, deshalb habe ich jetzt keine Zeit zum Feiern.“ Am Samstag steht die Abfahrt auf dem Programm, am Sonntag ein weiterer Super-G.

Damen-Super-G in Garmisch

Endstand:
1. Tina Weirather LIE 1:19,82
2. Julia Mancuso USA 1:19,94
. Tina Maze SLO 1:19,94
4. Anna Fenninger AUT 1:20,10
5. Nicole Hosp AUT 1:20,11
6. Carolina Ruiz Castillo ESP 1:20,15
7. Marion Rolland FRA 1:20,48
8. Nicole Schmidhofer AUT 1:20,50
9. Laurenne Ross USA 1:20,57
10. Viktoria Rebensburg GER 1:20,62
11. Maria Höfl-Riesch GER 1:20,75
12. Leanne Smith USA 1:20,86
13. Fränzi Aufdenblatten SUI 1:20,94
14. Tessa Worley FRA 1:21,01
15. Elisabeth Görgl AUT 1:21,06
16. Andrea Fischbacher AUT 1:21,15
17. Jessica Lindell-Vikarby SWE 1:21,16
18. Lisa Magdalena Agerer ITA 1:21,19
19. Stefanie Moser AUT 1:21,20
20. Ilka Stuhec SLO 1:21,34
21. Regina Sterz AUT 1:21,38
22. Verena Stuffer ITA 1:21,53
23. Marianne Kaufmann-Abderhalden SUI 1:21,58
. Veronique Hronek GER 1:21,58
25. Fabienne Suter SUI 1:21,60
. Elena Curtoni ITA 1:21,60
27. Stefanie Köhle AUT 1:21,65
28. Nadia Fanchini ITA 1:21,78
29. Dominique Gisin SUI 1:21,90
30. Stacey Cook USA 1:22,02
Out u.a.:
. Margret Altacher AUT
. Lotte Smiseth Sejersted NOR
. Daniela Merighetti ITA
. Lara Gut SUI
. Marie Marchand-Arvier FRA
. Elena Fanchini ITA

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