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Viel Ärger über Jury

Unrühmlicher hätten die Speed-Bewerbe in diesem Winter nicht zu Ende gehen können. Wegen Neuschnees und schlechter Sicht war das Herren-Rennen zunächst von 9.30 Uhr auf 13.00 Uhr verschoben worden, doch nach dem mit Nummer eins gestarteten Vizeweltmeister Gauthier de Tessieres gab es die erste Unterbrechung.

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„Es ist ein bisschen zu gefährlich wegen des Windes“, hatte der Franzose verlauten lassen. Waren die Abfahrten am Mittwoch nach stundenlanger Verschiebung wegen Nebels schlussendlich abgesagt worden, so hatte es den Anschein, dass man den Super-G unbedingt durchbringen wollte. Was danach am Start passierte, sorgte im Nachhinein für Verwunderung, Verärgerung und auch Entsetzen.

Verhängnisvolle Entscheidung

Die Jury hatte sich an Athletensprecher Ted Ligety (USA) gewandt, der die Rennläufer befragte, ob sie fahren wollen. Wie genau diese Abstimmung ausging, ist nicht ganz klar - nach einem 5:5 bei der Trainer-Befragung soll es sich um ein 6:4 unter den Athleten gehandelt haben. Prinzipiell lautete der Tenor aber, wenn es sicher ist, wolle man fahren. Allerdings gab etwa Marcel Hirscher in einem APA-Interview zu verstehen, dass die Fahrer über die Sicherheit nicht genau Bescheid wussten.

Nach 35 Minuten wurde das Rennen fortgesetzt. Kröll ging mit Startnummer zehn ins Rennen, kam bei der Landung nach einer Kuppe in den weichen Schnee und krachte ins Netz. Er musste mit dem Helikopter geborgen werden, im Kantonsspital in Chur wurde ein Bruch des linken Oberarms mit Beteiligung des Oberarmkopfes diagnostiziert.

Hubschrauber birgt Klaus Kröll

Reuters/Pascal Lauener

Die Weltcup-Saison endete für Klaus Kröll mit dem Weg ins Krankenhaus

Pum über Jury empört

Das österreichische Team beschloss während der Unterbrechung, dass es die Nennung zurückzieht und keinen Läufer mehr ins Rennen schickt. „Die Sicht ist schlechter geworden, der Wind ist stärker geworden - und wechselhaft, so dass die Athleten das Tempo nicht kontrollierten konnten. Obwohl es nicht allzu schnell war, aber gerade bei den kritischen Sprüngen war es problematisch“, erläuterte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum.

Auch er hatte am Funk mitbekommen, dass die Jury die Läufer befragen ließ. „Das hat keiner glauben können, dass so eine Frage gestellt wird. Das habe ich in 36 Jahren noch nicht erlebt, dass man eine Entscheidung so wegschiebt. Es gibt eine Jury, die entscheidet, ob die Sicherheit gewährleistet ist oder nicht. Wenn gestartet wird, wird gestartet. Wer nicht starten will, startet nicht“, empörte sich Pum. Worum es ausschließlich gehe, sei die Sicherheit der Athleten. „Wenn du Athleten fragst, tut jeder was anderes.“

Keine Freude bei Hirscher

Normalerweise funktioniere in Lenzerheide von der Organisation her alles. „Aber die Erstversorgung von Klaus hat nicht gepasst. Das hat zu lange gedauert“, betonte Pum. Auch die Stelle, an der Kröll stürzte, sei bei der Besichtigung schon besonders ins Auge gestochen und erst auf Begehr der Österreicher noch einmal speziell mit blauer Farbe markiert worden. Allerdings erst nach der Fahrt von De Tessieres.

Hirscher war „brutal grantig, weil die Gesundheit von den Athleten aufs Spiel gesetzt worden ist“. Die Sicherheit sei nicht mehr gewährleistet gewesen, und mehr Routine als Kröll könne man nicht haben. Zum Gesamtweltcup meinte er: „Das relativiert sich auch ein bisserl, wenn man sieht, was dem ‚Krölli‘ passiert ist. Dass beim letzten Rennen so etwas passiert, das ist ein Scheiß, das steht überhaupt nicht dafür“, sagte der 24-Jährige, der zunächst absolut keine Freude über seinen Gewinn der großen Kugel empfinden konnte.

Innerhofer und Kostelic verärgert

„Ich bin mit gemischten Gefühlen gestartet und froh, dass ich gesund im Ziel bin. Dass die Stelle, wo es den Klaus erwischt hat, problematisch ist, war mir bewusst. Da konnte man nicht auf Zug fahren, sondern musste abbremsen. Traurig ist, dass sich immer erst jemand wehtun muss, bis reagiert wird. Es geht um unser Leben und unsere Gesundheit“, sagte der Südtiroler Christof Innerhofer. Er erzählte auch, dass die Läufer aufgefordert waren, die Fahrt von De Tessieres anzuschauen, dann werde eine Entscheidung getroffen. „Danach hat uns aber keiner mehr gefragt.“

Auch Ivica Kostelic kritisierte das Vorgehen: „Die Bedingungen sind nicht gleich für alle, damit ist es nicht fair. Ich habe am Start gehört, sechs Trainer waren für einen Start, vier dagegen“, erklärte der Kroate. „Es ist extrem wechselhaft gewesen, der Wind hat oben extrem geweht, dazu noch der Licht-Schatten-Wechsel, der wohl auch Klaus zum Verhängnis geworden sein dürfte“, glaubte Romed Baumann. „Der Klaus ist schon ein sehr guter Skifahrer. Und wenn es ihn so erwischt, dann muss man sich schon fragen, ...“

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