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Jahrhunderttief in Hütteldorf

„You’ll never walk alone“ - seit Dienstag ist dieses Versprechen der Rapid-Fans wohl ein Relikt aus grauer Vorzeit. Die Hütteldorfer befinden sich ohne Unterstützung mitten in einem Jahrhunderttief. Nach der 0:1-Heimblamage im Cupviertelfinale gegen Regionalligist Pasching ist der Bruch zwischen den Anhängern und dem Club wohl nur noch durch personelle Konsequenzen in allen Bereichen zu kitten.

Und diese wurden zum Teil nach einer Krisensitzung des Vorstands durch die Trennung von Coach Peter Schöttel am Mittwoch auch gezogen. Das schwächste Glied war damit wie bei vielen anderen Verein auch wieder einmal der Trainer, obwohl der ebenfalls schwer in die Fankritik geratene Sportdirektor Helmut Schulte Schöttel am Dienstag noch den Rücken gestärkt hatte („Rapid hält zu Schöttel“). Schöttel war aber aufgrund der sportlichen Talfahrt der letzten Wochen trotz eines erst Ende Jänner bis 2015 verlängerten Vertrage kaum noch zu retten.

Rapid-Trainer Peter Schöttel

GEPA/Christian Ort

So sieht kein Trainer aus, der noch Vertrauen in seine Mannschaft hat

Fußballerische Bankrotterklärung

Für den 46-Jährigen, der immer betonte, nicht freiwillig zu gehen, war das Ende seiner Rapid-Zeit aber wohl eine Erlösung. Der Trainer saß gegen Pasching in der Schlussphase nur noch teilnahmslos auf der Bank, was kein Wunder war. Die Leistung seines Teams grenzte vor allem in Hälfte eins an Arbeitsverweigerung. Auch wenn Rapid in den letzten Jahren mit dem Cup auf Kriegsfuß stand und immer wieder Blamagen kassierte, die Vorstellung am Dienstag war eine fußballerische Bankrotterklärung und ein absoluter Tiefpunkt.

Nach neun sieglosen Bundesliga-Spielen gelang Rapid zwar am Samstag gegen Wiener Neustadt der erste volle Erfolg seit 9. Dezember 2012, das 2:0 trotz schwacher Leistung gegen einen Abstiegskandidaten war aber nicht mehr als ein Strohfeuer, ein kurzes Atemholen vor dem Super-GAU im ÖFB-Cup. In der Woche der Wahrheit - am Sonntag folgt das Derby gegen die Austria - zog die Rapid-Führungsetage nun vorzeitig die Notbremse in der sportlichen Talfahrt.

Defensiv und offensiv desaströs

„Das war indiskutabel“, hatte Schöttel nach dem Spiel, in dem Außenstehende wohl nicht ausmachen hätten können, wer von den beiden Teams der Regionalligist war, erklärt. Die Oberösterreicher waren klar überlegen und hätten auch ein Schützenfest feiern können. Nur dank Rapid-Goalie Jan Novota, der mehrere Glanzparaden ablieferte, wurde verhindert, dass die Hütteldorfer regelrecht abgeschossen wurden.

Defensiv desaströs, war Rapid auch offensiv ein Schatten seiner selbst. Lediglich Halbchancen in 90 Minuten sprechen eine klare Sprache. „Rapid hat kein Spiel gegen den Ball, kein Spiel mit dem Ball und keine funktionierende Viererkette. Pasching mit Abstand die bessere Mannschaft. Rapid hat gespielt wie ein schlechter Regionalliga-Verein“, zog Ex-Rapid-Coach Josef Hickersberger eine verheerende Bilanz in seiner Analyse auf dem übertragenden Sender ATV.

Verletzter Rapid-Spieler Steffen Hofmann

APA/Herbert Pfarrhofer

Kapitän Hofmann hatte nach der Cupblamage den Tunnelblick

Kapitän Hofmann hat keine Erklärung

Auch der verletzte Rapid-Kapitän Steffen Hofmann litt auf der Tribüne und hatte nach der Partie keine Erklärung für die Leistung. „Die erste Halbzeit war wirklich schlecht, da kann man keinen einzigen positiven Aspekt finden. Pasching hat den Aufstieg verdient. Das ist etwas, dass wir uns als Mannschaft fragen müssen, wie man zu Hause gegen einen Regionalligisten so ausscheiden kann“, war Hofmann fassungslos.

„In sehr vielen Situationen hat man gemerkt, dass die Mannschaft komplett verunsichert ist und kein Selbstvertrauen hat. Jeder Spieler, der bei uns im Kader ist, sollte sich hinterfragen, was er besser machen kann, damit wir wieder auf den richtigen Weg kommen. Wir hatten große Hoffnungen in den Cup. Das Ausscheiden ist für uns sehr und den Verein doppelt bitter“, bilanzierte der Kapitän.

Im Derby droht historische Schmach

Für Rapid könnte es aber noch schlimmer kommen. In der aktuellen Form ist die Qualifikation für einen Europacup-Platz ein Wunschtraum. Allerdings muss es gar nicht erst bis zum Saisonende dauern, bis in Hütteldorf trotz der Trainerentlassung endgültig alle Dämme brechen. Schließlich richtete sich die Fankritik vor allem gegen den Vorstand. Sollte es am Sonntag gegen die Austria (16.00 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) auch eine Niederlage setzen, dann hätte man nämlich erstmals in der Geschichte in einer Saison alle vier Derbys verloren.

Während sich die Austria in den letzten Jahren zu einem modernen Verein entwickelt hat, steuert Rapid unaufhaltsam dem Abgrund entgegen. In Hütteldorf herrscht in allen Bereichen Stillstand. Angefangen beim Scoutingsystem über die Vereins- und Infrastrukturen bis hin zur Transferpolitik sind die „Veilchen“ ihrem Erzrivalen trotz annähernd gleichen Budgets weit voraus. Die aktuelle Rapid-Situation ist daher ein über die Jahre gewachsenes Problem, das am Dienstag im schlechtesten Rapid-Spiel seit Jahren gipfelte.

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