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Rückkehr aus Langeweile
O’Sullivan hatte seit seinem Triumph im Vorjahr kein einziges Turnier bestritten und erst vor einigen Wochen beschlossen anzutreten, dennoch war er auch diesmal nicht zu schlagen. Mit dem klaren Erfolg im Finale gegen Außenseiter Hawkins sicherte er sich ein Preisgeld von umgerechnet rund 300.000 Euro. Für den 34-jährigen Hawkins war schon der mit 150.000 Euro belohnte Finaleinzug eine Sensation gewesen. Im Turnierverlauf hatte er unter anderen den Weltranglistenersten Mark Selby und den Chinesen Ding Junhui besiegt.

APA/AP/PA/Anna Gowthorpe
O’Sullivan mit dem Pokal
Snooker als willkommene Abwechselung
„Meine Hauptmotivation war nicht der WM-Titel. Mir war nur langweilig und ich hatte es satt, ein unbeteiligter Zuschauer zu sein“, sagte der wohl beste Snooker-Spieler aller Zeiten. „Die sechswöchige Vorbereitungszeit auf die Titelkämpfe waren für mich eine willkommene Abwechslung, ich hatte etwas zu tun.“ Nach seinem fünften Erfolg im fünften WM-Finale fehlen ihm nur noch zwei Erfolge auf den schottischen Rekordmann Hendry. Ob er diese Marke jemals erreichen wird, ist allerdings ungewiss, denn O’Sullivan hat über die Fortsetzung seiner Karriere noch nicht entschieden.
„Ich brauche unbedingt einen Ausgleich zum Sport“, sagte der Engländer. „Während meiner Auszeit habe ich bemerkt, dass ich Snooker-Spielen eigentlich nicht wirklich vermisse, ich hatte nur keine richtige Beschäftigung. Falls ich den Sport und andere Dinge unter einen Hut bringen kann, wäre das die Lösung.“ Während des gut zweiwöchigen Turniers hatte der 37-Jährige, der sich den WM-Titel bereits 2001, 2004, 2008 und 2012 gesichert hatte, noch einen weiteren Beweggrund für seine Rückkehr genannt.
„Snooker ist nicht meine Sache“, so O’Sullivan, der seine Fans über seine Zukunftspläne weiter im Ungewissen lässt. „Ich habe nur gespielt, weil ich etwas Geld brauchte“, zum Beispiel, um die Schulgebühren seines Sohnes zu bezahlen. Auch müsse er Forderungen seiner Ex-Freundin und von Anwälten erfüllen. „Es ist ein Gemetzel. Es ist nicht schön, Leuten Geld zu schulden“, sagte der Snooker-Star.
Ein Jahr Pause nach letztem Titel
Fast ein Jahr Pause hatte sich O’Sullivan zuletzt gegönnt. Nicht aus Kalkül, sondern mehr aus der spontanen Idee heraus, einmal was anderes machen zu wollen, als mit dem Queue in der Hand die Gegner zu beherrschen. Im Mai vergangenen Jahres, direkt nach seinem vierten WM-Titel, trat O’Sullivan mit einem Mal zurück. Er verbrachte mehr Zeit mit der Familie - und, als ihm langweilig wurde, machte der Vielfachmillionär zeitweise gar ein Praktikum auf einem Bauernhof.
Es war nicht O’Sullivans erste Rückkehr, genauso wenig war der Abschied im vergangenen Jahr eine Premiere. Das Leben des Ronnie O’Sullivan ist geprägt von Ups und Downs, von Lebenskrisen und Stimmungsschwankungen. Umso kurioser, dass der extravagante Engländer trotz aller persönlichen Rückschläge fast im Vorbeigehen zum stärksten Snooker-Profi seit Hendry aufstieg, dass er sich den Spitznamen „The Rocket“ verdiente.
Drogen- und Alkoholexzesse
Mit acht Jahren schon besiegte er Erwachsene, obwohl er denen einen horrenden Punktevorsprung einräumte. 2001 wurde der Mann der Extreme erstmals Weltmeister - und fiel dann in eine tiefe Depression. Schuld war wohl vor allem die Vergangenheit, die geprägt war von Drogen, Alkoholexzessen und dem Drama um seine Eltern, die zwischenzeitlich beide im Gefängnis saßen, der Vater wegen Mordes. „Man kann vereinsamen beim Snooker“, sagte O’Sullivan einmal. 25 Jahre alt war er erst, als er bereits alles hinschmeißen wollte. „Vielleicht fasse ich nie wieder ein Queue an“, meinte er - und kehrte doch immer wieder zurück. Damals zum ersten Mal, jetzt zum vorerst letzten Mal.