Zweiter Finalsieg in Serie
Ein Jahr nach der Champions League hat der FC Chelsea im Finale von Amsterdam auch die Europa League geholt. In einem dramatischen Duell mit Benfica Lissabon setzten sich die „Blues“ in letzter Minute mit 2:1 durch und verlängerten damit den Fluch des portugiesischen Traditionsclubs. Seit den Meistercup-Triumphen 1961 und 1962 war es für Benfica schon die siebente Europacup-Finalniederlage.
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Nach einer auf mäßigem Niveau stehenden ersten Hälfte hatte Fernando Torres (59.) die bis dahin enttäuschende Chelsea-Elf in Führung gebracht. Nach dem Ausgleich durch Oscar Cardozo (68.) per Elfmeter deutete alles auf eine Verlängerung hin. Doch Branislav Ivanovic (93.) erzielte in der Nachspielzeit noch das Siegestor für die Londoner, die als erste Mannschaft überhaupt - bis nächsten Samstag - gleichzeitig den Titel in der Champions League als auch in der Europa League halten.

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Der entscheidende Moment des Finales: Branislav Ivanovic trifft per Kopf
Für Rafael Benitez war es der perfekte Schlusspunkt seines Engagements als Chelsea-Trainer. Damit hat Chelsea auch den Sprung in einen höchst elitären „Club“ geschafft. Zuvor hatten mit dem FC Bayern München, Ajax Amsterdam und Juventus Turin erst drei Vereine Titel in Champions League/Europacup der Landesmeister, Europa League/UEFA-Cup und im Cup der Cupsieger (1999 eingestellt) geholt.
Nervöser Beginn mit Vorteilen für Benfica
Schon vor Anpfiff war John Terry zu einem Verlierer des Abends geworden. Nachdem Chelseas Kapitän im Vorjahr das Champions-League-Finale gegen Bayern München wegen einer Sperre verpasst hatte, musste er erneut auf der Tribüne Platz nehmen. Er fehlte Coach Rafael Benitez ebenso verletzungsbedingt wie der belgische Jungstar Eden Hazard. Benfica-Stürmer Cardozo aus Paraguay dagegen machte nach eineinhalb Spielminuten mit einem gefährlichen Kopfball klar, dass mit Portugals Vizemeister zu rechnen war.
Insgesamt war die Anfangsphase auf beiden Seiten von Nervosität geprägt. Abspielfehler und technische Ungenauigkeiten lähmten vor allem die „Blues“ aus London. Benfica kombinierte besser, spielte vor dem Sechzehner und im Strafraum aber zu umständlich. Cardozo sowie Sturmpartner Eduardo Salvio aus Argentinien deuteten zumindest einige Male ihre Gefährlichkeit an. Von Chelseas Offensive mit Torres und dahinter Juan Mata war vorerst nichts zu sehen.
Chelsea wie gegen Bayern
Der niederländische Schiedsricher Björn Kuipers musste aufgrund zahlreicher taktischer Fouls immer wieder in sein Arbeitsgerät blasen. Ansonsten tat sich auf dem Spielfeld der Amsterdam Arena immer weniger, je länger die erste Hälfte dauerte. Was den - höflich formuliert - zurückhaltenden Auftritt von Chelsea anging, erinnerte er an das CL-Finale von München im Vorjahr. Benfica gab den Ton an, war technisch besser und spritziger, im Abschluss aber wie Bayern 2012 inkonsequent.
Beinahe hätte sich das schon in der 38. Minute gerächt: Frank Lampard, der Terry als Chelsea-Kapitän vertrat, nahm sich ein Herz, zog aus 20 Metern Entfernung mit dem rechten Fuß ab und fand im brasilianischen Benfica-Goalie Artur seinen Meister. Die Innenverteidigung der „Blues“ mit Branislav Ivanovic und Gary Cahill, die am Anfang gehörig schwammen, stand nun zumindest solider. So schwebte Chelsea bis zur Pause nicht mehr in unmittelbarer Gefahr, in Rückstand zu geraten.
Verfrühter Torjubel bei Benfica - Torres schlägt zu
Bezeichnend, dass Lampard die erste Hälfte mit einem Weitschuss in den zweiten Tribünenrang beschloss. In seinem 68. Pflichtspiel der Saison hatte der FC Chelsea nach dem Seitenwechsel im Leistungspotenzial viel Luft nach oben, um gegen Benfica nicht auf die Verlängerung bzw. das Elfmeterschießen hoffen zu müssen. Die Portugiesen wiederum wären gut beraten gewesen, aus ihrer optischen Überlegenheit Zählbares zu machen. Vorerst sollte beides nicht gelingen.

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Fernando Torres stellte einmal mehr seinen berühmten Torriecher unter Beweis
Dabei zappelte der Ball in der 51. Minute schon im Tornetz, nachdem ihn Cardozo per Kopf dorthin befördert hatte. Da der Goalgetter (sechs Treffer im laufenden Bewerb) bei der Flanke aber hauchdünn im Abseits gestanden war, brach Referee Kuipers den aufgebrandeten Jubel abrupt und zu Recht ab. Von Chelsea ging weiterhin so gut wie keine Gefahr aus. 11:3 für Benfica stand es in der Torschussstatistik nach 58 Minuten, ehe Torres dem Finale den ersten entscheidenden Moment bescherte.
Ein weiter, kerzengerader Auswurf von Chelsea-Keeper Petr Cech landete im offensiven Mittelfeld via Mata bei Torres. Der spanische Angreifer schüttelte Verteidiger Luisao im Eins-gegen-eins-Duell ab, spielte Goalie Artur gekonnt aus und drückte den Ball recht eiskalt zum 1:0 über die Linie. Für Torres war es das sechste Europa-League-Tor der Saison - und Benfica war damit mächtig unter Zugzwang.
Cardozo schlägt vom Elferpunkt zurück
Was das Match in der ersten Stunde schuldig geblieben war, wurde nun innerhalb kürzester Zeit mehr oder weniger kompensiert. Nur acht Minuten nach der Führung wehrte Chelsea-Außenverteidiger Cesar Azpilicueta einen Kopfball knapp innerhalb der Strafraumgrenze klar mit dem Unterarm ab. Den fälligen Elfmeter verwandelte Cardozo mit einem wuchtigen halbhohen und zentral angetragenen Schuss zum 1:1 (68.). Cech hatte keine Chance, und Benfica war wieder im Spiel.

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Oscar Cardozo behielt die Nerven und hämmerte den Ball ins Netz
Zehn Minuten vor Schluss hatte Benfica-Trainer Jorge Jesus schon dreimal gewechselt, Benitez dagegen noch immer die Startelf auf dem Platz. Was das Match anging, näherte es sich zielstrebig der Verlängerung. Chelsea hatte nun zwar mehr Spielanteile, bei einem herrlichen Weitschuss von Cardozo (82.) musste Cech aber sein ganzes Können aufbringen, um den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch über die Latte zu drehen. Krachend an der Latte landete dann in der 88. Minute noch ein satter 20-Meter-Schuss von Lampard.
Ivanovic wird zum Helden
Wäre es in die halbstündige Overtime gegangen, hätte das mittlerweile als gerecht bezeichnet werden können. Doch in der 93. Minute avancierte Defensivmann Ivanovic zum gefeierten Helden und stürzte Benfica ins Tal der Tränen. Ein Eckball von rechts durch Mata fand den Serben, der an der zweiten Stange hochgestiegen war. Mustergültig brachte Ivanovic den Ball per Kopf in hohem Bogen auf die lange Ecke. Goalie Artur musste chancenlos mitansehen, wie er im Netz landete. Da Cardozo (95.) den Ausgleich zwar noch auf dem Fuß hatte, aber an Cech und Cahill scheiterte, war der Rest grenzenloser Chelsea-Jubel.
Harald Hofstetter, ORF.at
Europa League, Finale
Mittwoch:
Benfica Lissabon - Chelsea 1:2 (0:0)
Amsterdam-Arena, 46.000 Zuschauer, SR Björn Kuipers (NED)
Torfolge:
0:1 Torres (59.)
1:1 Cardozo (68./Elfmeter)
1:2 Ivanovic (93.)
Benfica: Artur - Almeida, Luisao, Garay (78./Jardel), Melgarejo (66./John) - Perez, Matic - Salvio, Rodrigo (66./Lima), Gaitan - Cardozo
Chelsea: Cech - Azpilicueta, Ivanovic, Cahill, Cole - Lampard, David Luiz - Ramires, Mata, Oscar - Torres
Gelbe Karten: Garay, Luisao bzw. Oscar
Die Besten: Cardozo, Gaitan bzw. Cech, Lampard, Torres, Ivanovic
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