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Zu viele „Geisterspiele“

Internationaler Spitzenfußball im Dreitagesrhythmus auf zahlreichen TV-Kanälen, mangelnde Infrastruktur in und um Österreichs Stadien, zu hohe Kartenpreise und bestenfalls stagnierendes sportliches Niveau: Die tipp3-Bundesliga hat, was ihre Attraktivität für Matchbesucher betrifft, ein massives Problem. Laut Bundesliga-Statistik ging der Zuschauerschnitt in den letzten fünf Jahren gleich um 26,54 Prozent zurück.

6.820 Besucher kamen in der am Sonntag zu Ende gegangenen Saison im Schnitt zu den Spielen der heimischen Zehnerliga - obwohl Titelduell, Europacup-Rennen und Abstiegskampf bis zum Schluss spannend blieben. Das sind noch einmal um 4,3 Prozent weniger als in der vorangegangenen Spielzeit (7.128), als man schon einen Einbruch von 9,3 Prozent hinnehmen musste. In der Rekordsaison 2007/08 verfolgten das Liga-eschehen 9.284 Zuschauer pro Spiel. Seither ging es bergab.

Hanappi-Stadion

GEPA/Sebastian Krauss

Sogar im Hanappi-Stadion füllten sich die Ränge langsamer und nicht immer ganz

Aufsteiger WAC und Meister Austria retteten Bilanz

Was die aktuellen Zahlen angeht, war die Krise bei Rapid (minus 13,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) einer der entscheidenden Faktoren. Auch die Liebe der Salzburger zum Red-Bull-Club, der die Wiener Austria im Frühjahr bis zum Titel jagte, war nach der Blamage in der Champions-League-Quali gegen Düdelingen stark abgekühlt (minus 17 Prozent). Auf ohnehin niedrigem Zustromniveau baute die Admira nach einer erfolgreichen Aufsteigersaison heuer um 26,8 Prozent ab. Auch in Ried nahm man enttäuschende minus 13,7 Prozent zur Kenntnis.

Hätte der starke Newcomer WAC nicht mit 5.155 Zuschauern pro Spiel in Wolfsberg überzeugen können und die Austria ihre Meistersaison nicht mit einem Plus von 16,5 Prozent (9.581 Besucher im Schnitt) gekrönt, wäre das allgemeine Ergebnis noch schlimmer ausgefallen. Wacker Innsbruck (minus 19,2 Prozent) bekam nämlich kräftig zu spüren, dass auf dem Tivoli nur wenig Erbauliches geboten wurde. In der kommenden Saison kommt mit Grödig auch kein Publikumsmagnet dazu - in der Ersten Liga hatten die Salzburger unter 1.000 Zuschauer pro Match.

Trenkwalder-Arena

GEPA/Martin Hoermandinger

Ein Hexenkessel war die Südstadt auch heuer nicht

Auch Ligaverantwortliche in der Pflicht

Alles in allem tragen die Clubs eine wesentliche Verantwortung für diese Entwicklung. Alleine lassen sollte man sie aber wohl nicht. Der Handlungsbedarf, auch seitens der Liga, ist Vorstand Georg Pangl bewusst. „Vor allem die Infrastruktur ist in vielen Fällen optimierungsbedürftig“, bestätigte Pangl gegenüber ORF.at. „Der Bereich ist ein Schwerpunkt in unserer Arbeit und wird es auch in den nächsten Jahren sein.“

Modernisierungen von Medienbereichen und Flutlichtanlagen, um alle Stadien hundertprozentig „TV-fit“ zu machen, sind laut Pangl erste Schritte, um die Außendarstellung und damit auch die Attraktivität für Zuschauer und Sponsoren nachhaltig zu verbessern. Kampagnen wie „Bundesliga ON EAR“, die „Welle gegen Gewalt“ und andere soziale Engagements kämen gut an, betonte der Bundesliga-Vorstand. „Aber natürlich ist es nie genug. Wir versuchen weiter, uns zu verbessern.“

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl

GEPA/Mathias Mandl

Georg Pangl muss 20 Clubs in zwei Ligen auf Kurs bringen und halten

Liga und Clubs „kämpfen“ um Zuschauer

Was das leidige Dauerthema Termingestaltung betrifft - jährlich sorgt der winterliche Frühjahrsstart für Verschiebungen und leere Tribünen - verwies man seitens der Bundesliga auf die Qualifikationsspiele des Nationalteams und die Europacup-Runden, die keinerlei zeitlichen Spielraum ließen. Aber auch, was Rasenheizungen betrifft, werde weiter Druck gemacht. Ried ist in der kommenden Saison das nächste Stadion, das mit einer solchen Anlage ausgestattet ist.

„Wir und die Clubs kämpfen um die Zuschauer“, versicherte Pangl angesichts der Rückgänge, welche die Bundesliga auch im Verlust der Traditionsclubs wie etwa LASK oder Austria Kärnten in den letzten Jahren begründet sieht. Beide Vereine hatten in der Rekordsaison 2007/08 über 10.000 Zuschauer im Schnitt. „Seither ist die Entwicklung generell rückläufig“, weiß Pangl. „Beigetragen hat dazu auch die allgemeine wirtschaftliche Lage, unter der die Clubs leiden.“ Man wolle sich nicht „abputzen“, betonte er, sondern der Negativentwicklung über den Faktor Infrastruktur begegnen.

Harald Hofstetter, Peter Falkner, ORF.at

Bundesliga-Zuschauerstatistik

Gesamt Schnitt Vergleich zu 2017
Saison Gesamt Schnitt Vgl. Vorsaison
2014/15 1.183.760 6.576 + 6,7 %
2013/14 1.109.731 6.165 - 9,6 %
2012/13 1.227.694 6.820 - 4,3 %
2011/12 1.283.052 7.128 - 9,3 %
2010/11 1.414.494 7.858 - 0,1 %
2009/10 1.416.393 7.868 - 12,8 %
2008/09 1.624.905 9.027 - 2,8 %
2007/08* 1.671.157 9.284 + 15,9 %
2006/07 1.442.065 8.011 + 4,9 %
2005/06 1.374.510 7.636 + 13,4 %
2004/05 1.212.588 6.736 - 6,6 %
2003/04 1.298.830 7.215 + 36,5 %
2002/03 951.357 5.285 - 12,6 %
2001/02 1.088.157 6.045 + 2,6 %
2000/01 1.066.349 5.891
* Rekordsaison

Zuschauer pro Verein 2012/2013

Gesamt Schnitt Vergleich zu 2017
Verein Gesamt Schnitt Vgl. Vorsaison
Rapid 255.970 14.221 - 13,1 %
Sturm 192.270 10.682 - 1,3 %
Austria 172.462 9.581 + 16,5 %
Salzburg 147.092 8.172 - 17 %
Innsbruck 93.000 5.167 - 19,2 %
WAC * 92.785 5.155 + 92,2 %
Mattersburg 89.085 4.949 + 0,9 %
Ried 76.389 4.244 - 13,7 %
Admira 59.145 3.286 - 26,8 %
Wiener Neustadt 49.496 2.750 - 4,4 %
* Aufsteiger

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