Traumgage im Steuerparadies
Die halbe Fußballwelt ist hinter Radamel Falcao her gewesen. Das Rennen um den kolumbianischen Superstürmer machte letztlich aber ein Club, der in der kommenden Saison nicht einmal im Europacup spielt. Der heuer wieder in die Ligue 1 aufgestiegene AS Monaco überweist Atletico Madrid 50 Millionen Euro Ablöse und bietet „Tiger“ Falcao einen Fünfjahresvertrag mit 14 Millionen Euro Jahresgage.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Nach der Verpflichtung des Kolumbianers James Rodriguez (21 Jahre) und des Portugiesen Joao Moutinho (26) vom FC Porto für insgesamt 70 Millionen Euro sowie des ablösefreien Ricardo Carvalho von Real Madrid sorgte der milliardenschwere Klubboss Dimitri Ribolowlew also für den nächsten „Kracher“. Der 27-jährige Falcao war 2011 von Porto nach Madrid gekommen, schoss für Atletico in zwei Jahren 70 Tore und den Club im Vorjahr zum Europa-League-Triumph - so wie davor auch Porto.

APA/AP/Andres Kudacki
Radamel Falcao schoss sich mit seinen Toren tief in die Herzen der Atletico-Fans
Das liebe Geld
Monaco bietet Falcao zwar die bekannten steuerlichen Vorteile des Fürstentums, die ihn damit sogar zu einem netto besser bezahlten Spieler als Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo machen. Die sportliche Herausforderung bzw. Attraktivität für den Ausnahmeangreifer wäre beim FC Chelsea, der als sein Favorit gegolten hatte, oder einem anderen Champions-League-Starter aber ungleich höher gewesen. Statt 50.000 Fans wie bei Atletico und Chelsea werden Falcao bei Heimspielen seines neuen Clubs nun 5.000 Zuschauer im Schnitt bewundern.
„Warum nur?“, fragen sich daher viele Atletico-Fans, die ihren Helden emotional verabschiedeten. Die Antwort ist einfach: wegen des Geldes. Aber nicht nur die steuerlich geschonten 14 Millionen Euro pro Jahr für Falcao gaben den Ausschlag. Sein Agent Jorge Mendes, einer der international einflussreichsten Vermittler mit Klienten wie Startrainer Jose Mourinho und Cristiano Ronaldo, hat mit seiner Firma die Transfers von Falcao zu Porto und weiter zu Atletico mitfinanziert. Nun haben die Spanier hohe Schulden - unter anderen bei Mendes - und die werden so beglichen.

APA/EPA/Juan Carlos Hidalgo
Tränen bei der Verabschiedung durch Trainer Diego Simeone
Dankbarkeit in Madrid
So viel Ablöse wie möglich sollte lukriert werden. Der russische Oligarch Ribolowlew bot offenbar am meisten und erhielt den Zuschlag. „Ich denke nicht darüber nach, warum er geht und wohin er geht“, betonte Atletico-Trainer Diego Simeone dennoch. „Ich denke lieber daran, was er uns gegeben hat. Er hat uns immer alles gegeben und dafür sollten wir dankbar sein“, so der Argentinier. Auch die Atletico-Anhänger sind Falcao nicht böse - ganz im Gegensatz zur Missstimmung beim Abgang von Stürmer Sergio Agüero 2011 zu Manchester City.
„Wir sind froh, dass Radamel Falcao die Herausforderung mit Monaco für die Zukunft annimmt. Es ist eine Ehre, einen der besten Spieler der Welt in unserem Team zu haben“, sagte Ribolowlew nach der Fixierung des Megadeals am Freitag. „Ich bin heiß auf diese Herausforderung“, gab Falcao via Twitter bekannt. Indes bastelt Monaco mit den russischen Millionen schon am nächsten Coup. Der französische Außenverteidiger Eric Abidal, der beim FC Barcelona keinen neuen Vertrag bekam, soll an Bord geholt werden.
Streitbarer Monaco-Chef
Eine Verordnung der Profiliga (LFP), wonach AS Monaco entweder den Sitz nach Frankreich verlegen oder aber zur Kompensation der Steuervorteile eine Sonderzahlung von 200 Millionen Euro leisten muss, wies Ribolowlew übrigens energisch zurück. Er werde notfalls gerichtlich dagegen vorgehen, so der Russe. Mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Milliarden Dollar, mit dem er Platz 119 in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt belegt, hat er die nötigen Mittel.
Links: