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Tradition am 4. Juli

Am 4. Juli feiern die USA zum 237. Mal ihre Unabhängigkeit. Essen spielt bei den Feiern im ganzen Land dabei eine große Rolle - vor allem vor den Toren New Yorks. Auf Coney Island findet seit 1972 einer der skurrilsten Wettkämpfe der Welt statt: Nathan’s Hot Dog Eating Contest. Der Bewerb ist aber nicht nur ein Werbegag, denn wettkampfmäßige Völlerei ist eine Sache für echte Profis.

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1997 wurde die International Federation of Competitive Eating, kurz IFOCE, als weltweiter Dachverband für alle Wettessen gegründet. Seit einigen Jahren firmiert der Verband, ganz in der Tradition anderer US-Ligen, als Major League Eating (MLE) und vermarktet diverse Wettkämpfe in den USA, Großbritannien, Japan, Deutschland und Kanada. Das Aushängeschild der MLE ist aber das traditionelle Hotdog-Vertilgen auf Coney Island, das jährlich Tausende Zuschauer in den historischen Badeort lockt.

Alles begann 1916

Heuer steigt zwar die 98. Ausgabe, offizielle Ergebnislisten des Wettessens vor dem Hotdog-Restaurant, das 1916 von den polnischen Einwanderern Nathan und Ida Handwerker gegründet wurde, gibt es aber erst seit 1972. Aber bereits 1916 soll der Legende nach der Grundstein für den mittlerweile aus dem amerikanischen Kalender nicht mehr wegzudenkenden Bewerb gelegt worden sein. Angeblich sollen vier Immigranten mittels eines Hotdog-Wettessens entschieden haben, wer von ihnen der größere Patriot sei.

Bilder vom Nathans Hotdog Eating Contest, New York

AP/Stephen Chernin

Am 4. Juli pilgern die Massen in den Badeort im Südwesten von Brooklyn

Seit Anfang der 70er Jahre findet der Bewerb jährlich auf einer Bühne an der historischen Stelle des ersten Wettessens statt. Die Regeln sind einfach: Wer in zehn - früher zwölf - Minuten die meisten Hotdogs verdrückt, ohne sich zu übergeben, ist der umjubelte Sieger. Die Zeiten, wo das Wettessen als Zeitvertreib einiger „Verrückter“ belächelt wurde, sind aber vorbei.

Mittlerweile überträgt auch der US-Sportsender ESPN das Wettessen live, 40.000 Dollar Preisgeld warten auf die Teilnehmer. Insgesamt 20 professionelle Esser sind zu der Veranstaltung, die etwa 2011 40.000 Fans anlockte, zugelassen. Neben dem fix qualifizierten Titelverteidiger sind beim jährlichen Hotdog-Vertilgen die Gewinner der regionalen Ausscheidungen und zwei Wild-Card-Esser am Independence Day am Start. Heuer steht das Event auch stellvertretend für die Wiedergeburt von Coney Island. Der Badeort war im Oktober 2012 von einem Hurrikan schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das Duell der Giganten

Der Popularitätsschub des Hotdog-Spektakels ist untrennbar mit zwei Namen verbunden: Takeru Kobayashi und Joey Chestnut. Der erstgenannte Japaner schlug beim Bewerb 2001 wie eine Bombe in der Szene der Profiesser ein. Kobayashi verdrückte bei seinem ersten Sieg auf Coney Island 50 Würstchen mit Brot in nur zwölf Minuten und damit doppelt so viele wie sein Landsmann Kazutoyo Arai ein Jahr davor.

Kobayashi dominierte den Bewerb auch in den folgenden fünf Jahren. Doch dann betrat ein junger Mann aus Kalifornien die Bühne und holte den „Mustard Belt“ - den Senfgürtel - zurück nach Amerika. Chestnut besiegte Kobayashi mit 66 zu 63 Hotdogs und ist seitdem der unumschränkte König von Coney Island - auch weil sich sein japanischer Konkurrent seit 2010 aus Protest gegen die auf Exklusivverträge pochende MLE weigert, am 4. Juli anzutreten.

Joey Chestnut beim  Nathans Hotdog Eating Contest, New York

APA/EPA/Peter Foley

Chestnut hob das alljährliche Hotdog-Essen auf ein neues Level

70 Hotdogs als Ziel

Der 29-jährige Chestnut, Spitzname „Jaws“ - das Kiefer - ist wie immer der große Favorit. Im Vorjahr verdrückte der Kalifornier, im gewöhnlichen Leben Bauingenieur, 68 Hotdogs und holte sich damit nicht nur den sechsten Titel und 10.000 Dollar Preisgeld, sondern auch den Weltrekord. 2013 verbesserte er seine eigene Bestmarke auf 69.

Trotzdem war der „Vielfraß“, der auf der MLE-Website als amerikanischer Held gefeiert wird, nicht glücklich. „Ich bin ein wenig enttäuscht, dass ich die 70 nicht geschafft habe“, sagte Chestnut, seit Jahren Nummer eins der MLE-Weltrangliste.

Das profimäßiges Essen aber keine reine Männerangelegenheit ist, beweist Sonya Thomas. Die zierliche 45-Jährige sagt den Männern schon seit Jahren den Kampf an und holte sich die vergangenen beiden Jahre auf Coney Island souverän den Titel im neu eingeführten Frauen-Bewerb. Thomas vertilgte bei ihrem Sieg 2012 in zehn Minuten stolze 45 Hotdogs - und das bei einem Kampfgewicht von nur 45 Kilogramm.

Karl Huber, ORF.at

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