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Ein Jahrhundert im „Heiligen Land“

Wacker Innsbruck feiert am Freitag sein 100-jähriges Bestehen. Dass der Bundesliga-Klassenerhalt in der Vorsaison in letzter Sekunde fixiert wurde, passt zur bewegten Clubgeschichte: Zehn Meistertiteln und sieben Cuperfolgen stehen ein Konkurs und etliche Namensänderungen gegenüber. Triumphe und Tragödien lagen in der Tiroler Landeshauptstadt stets eng beieinander.

Zumindest bei den Feierlichkeiten werden keine Kosten und Mühen gescheut: Im Legendenspiel traten verdiente Ex-Spieler und -Trainer gegeneinander an. In den Abendstunden wurde zu einem großen Fest in der Tiroler Wasserkraft Arena geladen. Dazwischen, um exakt 19.13 Uhr, wurde das Jubiläumsspiel gegen den deutschen Bundesligisten HSV gespielt. Als Reminiszenz an Ernst Happel, der beide Clubs zu Ruhm und Ehre führte - und an das Jahr 1913, in dem der Verein als Wacker Innsbruck gegründet wurde. Die Tiroler gewann dabei mit 2:0.

Historie 1913 bis 1970
1913 bis 1914: Gründung
1915: Eintragung im Vereinsregister
1922: Umbenennung in FC Sturm Innsbruck nach internen Streitigkeiten
1923: Neugründung als FC Wacker Innsbruck
1924: Erstes Spiel am Tivoli-Areal
1930: Sieg im Tiroler Landescup
1953: Eröffnung des Tivoli-Stadions
1958: Aufstieg in die Arlbergliga
1964: Aufstieg in die Staatsliga A
1970: Erster Sieg im ÖFB-Cup

Eingereicht wurden die Vereinsstatuten vom ersten Vereinsobmann Benedikt Hosp allerdings erst im Dezember 1914. Die Genehmigung der k. u. k. Statthalterei folgte sogar noch später - im Jänner 1915. Fakten, auf die historisch Bewanderte zwar sachte verweisen, anlässlich des „Hunderters“ wird aber auf eine große Debatte, welches Jahr nun offiziell zu zählen habe, verzichtet.

Sportliche Rettung in letzter Sekunde

Gründe zu feiern gibt es ohnehin: In der letzten Runde der abgelaufenen Bundesliga-Saison stand Wacker Innsbruck - wieder einmal - vor dem Aus. Bis 18 Minuten vor dem Abpfiff lagen die Tiroler in Wolfsberg 0:2 zurück und standen bereits mit eineinhalb Beinen in der Ersten Liga. Mit drei Toren im Finish wurde der Klassenerhalt doch noch erreicht. Statt der Tiroler musste der SV Mattersburg nach zehn Jahren in der Topliga den bitteren Gang ins Unterhaus antreten.

In Anbetracht der zahlreichen Wendungen in der Geschichte der Innsbrucker wäre selbst der Abstieg kein Weltuntergang gewesen. Immer wieder stand der Club finanziell wie sportlich vor dem Aus. Immer wieder kämpften sich die Tiroler zurück. Indem sie sich auf die Vereinsfarben besannen: Schwarz (für die Erde) und grün (für den Rasen). Und indem das stolz im Vereinsnamen verankerte „Wacker“ zur Maxime ausgegeben wurde. Dazwischen wurde der eine oder andere Titel mit fragwürdigen wirtschaftlichen Tricks ermöglicht.

Ernst Happel

GEPA

„Wödmasta“ Ernst Happel führte Innsbruck 1989 zum Double und 1990 zum Titel

Erster Titel vor 83 Jahren

Begonnen hatte der erfolgreichste Bundesliga-Club aus den Bundesländern freilich bescheiden: 1930 wurde der Tiroler Landescup gewonnen. 1958 gelang der Aufstieg in die Arlbergliga, 1964 war man in der Staatsliga A, der damals höchsten Spielklasse, angekommen. 1967 schrammten die Innsbrucker hauchdünn am ersten Meistertitel vorbei: Wegen des um einen Treffer besseren Torverhältnisses wurde Rapid Meister und nicht die Tiroler. Immerhin: Am Saisonende stand ein Gewinn von 391.593,67 Schilling, wie die Recherchen des Innsbrucker Webzines tivoli12 ergaben. Finanzielle Transparenz, die in den dunklen Jahren des Vereins hemmungsloser Verschuldung und Verschleierung weichen sollte.

Historie 1971 bis 2002
1971 bis 1986: Spielgemeinschaft mit WSG Wattens
1971: Erster Meistertitel unter Otto Baric
1979: Abstieg in die Zweite Division
1981: Aufstieg in die Erste Division
1986: Umbenennung in FC Swarovski Tirol, der FC Wacker spielte in der Zweiten Klasse Tirol weiter
1992: Ausstieg von Swarovski, der Verein spielte unter FC Tirol weiter
2000: Neueröffnung des Tivoli-Stadions (Tivoli-Neu)
2002: Konkurs des FC Tirol, Neugründung des FC Wacker Innsbruck

Die erste Meisterschaft gelang 1971: Ein jugendlicher Otto Baric führte das Team zum Titel und den Club in die goldenen 1970e Jahre, in denen vier weitere Meistertitel und fünf Cupsiege folgen sollten. Zur Legende wurde auch ein Europacup-Spiel der Wacker-Elf: Am 21. Oktober 1970 traten die Tiroler im Estadio Bernabeu gegen das „Weiße Ballett“ von Real Madrid an - und siegten dank eines Tores von Leopold Grausam. Ebenfalls im Team: Der damals 21-jährige Kurt Jara.

1978: Welzl, Stering, Pezzey gehen

Mit der WM 1978 endete der erfolgreiche Zyklus: Topspieler wie Kurt Welzl, Sepp Stering und Bruno Pezzey verließen den Club. Die während der Saison verpflichteten Spieler schlugen nicht wie gewünscht ein - und Innsbruck stieg ab. Drei Jahre später und von Sponsoringdeals gestärkt stieg die „Spielgemeinschaft Sparkasse Swarovski Wacker Innsbruck“ wieder in die Erste Division auf. Titel blieben aus, dafür wurde die wirtschaftliche Not größer. 1986 wurde die Spielgemeinschaft mit Wattens aufgekündigt. Die Bundesliga-Lizenz ging an den FC Swarovski Tirol, die Clubfarben wurden von Schwarz-Grün auf Blau-Weiß geändert. Wacker Innsbruck spaltete sich ab - und startete den Neubeginn in den Niederungen der Zweiten Klasse Mitte.

Dank der Swarovski-Millionen wurde eifrig umgebaut: Trainerlegende Ernst Happel (HSV) wurde ebenso verpflichtet wie der damalige ÖFB-Teamkapitän Bruno Pezzey (aus Bremen). Der frühere deutsche Nationalspieler Hansi Müller wurde mit einem üppigen Vertrag weiter beschäftigt. Die gewünschten Ergebnisse stellten sich ein: 1987 war erst im Halbfinale des UEFA-Cups Endstation. 1989 folgte das Double unter „Wödmasta“ Happel. Tausende Tiroler jubelten dem Team beim Goldenen Dachl entgegen. 1990 folgte der nächste Meistertitel. Unter anderen im Team: Größen wie Nestor „Pipo“ Gorosito, Jungstürmer Peter Pacult und Dauerläufer Manfred Linzmaier.

Finanzieller Bauchfleck mit acht Jahren Vorlaufzeit

1992 begann die dunkelste Ära des Vereins mit einem Ausstieg: Sponsor Swarovski zog sich zurück, Wacker war zurück im Vereinsnamen - und auch die Vereinsfarben wurden wieder auf das Schwarz-Grün der Gründerzeit umgestellt. Im Titelrennen spielte Innsbruck freilich keine Rolle, auch der Cupsieg gegen Rapid war zu wenig - und Wacker musste in der folgenden Saison wieder in die Regionalliga, während der Erstligist sich per Neugründung den sperrigen Namen „FC Capilaris Innsbruck Tirol“ verpasste.

Trainer Kurt Jara und Stefan Marasek

APA/Roland Schlager

Kurt Jara und Stephan Marasek freuen sich in der Saison 99/00 über den Titel

Was folgte, war ein finanzieller Bauchfleck mit acht Jahren Vorlaufzeit: Präsident Klaus Mair, 1994 inthronisiert, wurde wegen seiner Finanzmachenschaften verurteilt, die Millionentruppe unter Coach Hans Krankl wurde nur Fünfter - und der Club überlebte nur dank des Wohlwollens des Landes und einer Bank. 1998 retteten die Millionen von Austria-Mäzen Frank Stronach den Tirolern den Ligaverbleib. Die nicht vorhandenen Millionen wurden trotzdem ausgegeben. Sportlich lohnte sich das Unternehmen: Unter Kurt Jara wurde das historische Meisterdouble 2000 und 2001 gefeiert, Nachfolger Joachim Löw ließ 2002 den dritten Titel in Serie folgen.

Historie 2003 bis 2013
2003: Meister der Regionalliga West
2004: Meister der Ersten Liga, Aufstieg in die Bundesliga
2008: Abstieg in die Erste Liga
2010: Erneuter Aufstieg in die Bundesliga
2013: Achter Platz in der tipp3-Bundesliga

Konkurs und Absturz vor elf Jahren

2002 kam das unvermeidliche Ende mit Schrecken: der Konkurs. Das Meisterteam löste sich auf, die Lizenz wurde entzogen, der Verein musste sich erneut selbst erfinden - und gründete 2003 neuerlich den FC Wacker Tirol. Was folgte, war ein Durchmarsch auf finanziell gesunden Beinen. Zum Auftakt wurde erneut eine Spielgemeinschaft mit Wattens gebildet, um in der Regionalliga beginnen zu können. Nach dem Titel in der ersten Saison wurde die Kooperation wieder beendet - und Wacker Innsbruck setzte sich auch in der Ersten Liga durch. Nach der Saison 2003/04 war man nur zwei Jahre nach dem Absturz wieder in der Erstklassigkeit angekommen.

Bis 2008 konnte die Klasse gehalten werden, ehe am Ende einer Seuchensaison wieder der Gang in die Zweitklassigkeit angetreten werden musste. 2009 wurde der direkte Wiederaufstieg nur knapp verpasst, der ein Jahr später unter Walter Kogler gelang. Mit den Plätzen sechs und sieben folgten zwei Saisonen mit souveränem Klassenerhalt. Heuer gelang der Verbleib in der Bundesliga in den letzten Spielminuten beim WAC. Ein spannender Auftakt für die nächsten 100 Jahre.

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