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Der Höhepunkt der 100. Tour de France

Die Veranstalter sprechen von einer Sensation, die Fahrer schwanken zwischen Vorfreude und Angst. Auf den 21 berühmtesten Serpentinen der Welt erreicht die Tour de France am Freitag bei ihrem 100. Jubiläum ihren Höhepunkt.

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Erstmals in der 110-jährigen Geschichte der Frankreich-Rundfahrt klettern Christopher Froome und Co. am Donnerstag gleich zweimal während einer Etappe den legendären Anstieg nach Alpe d’Huez hinauf.

Der Ausnahmezustand ist programmiert: Von den Organisatoren erwartete rund 1,5 Millionen Radsportfans werden den Berg in eine Partyzone verwandeln. Den Radprofis graut dagegen vor allem vor der Abfahrt vom anschließenden Col de Sarenne, der das Doppelspektakel überhaupt erst möglich macht. Ein Sturz dort könnte lebensgefährlich sein. Die Straße ist schlecht und nicht begrenzt.

Alberto Contador versetzt einem als OP-Arzt verkleideten Fan einen Schlag ins Gesicht

APA/EPA/Lionel Bonaventure

Die Zuschauer kommen den Fahrern am Alpe d’Huez besonders nahe

Gefürchtete Abfahrt

„Wenn man dort eine Kurve nicht richtig nimmt, fällt man sehr, sehr tief“, warnte Spitzenreiter Christopher Froome vor der gefährlichen Talfahrt. Der Brite hat die schmale Straße mit dem unebenen Belag bereits einmal im Training und bei der Dauphine-Rundfahrt im Juni erlebt.

Die Strecke über den Col de Sarenne ist der einzige Weg von L’Alpe d’Huez zurück ins Tal, um die 21 Spitzkehren hinauf noch einmal in Angriff nehmen zu können. „Ich hoffe, dass niemand ein zu hohes Risiko geht“, sagte Froome. Wer erlebt hat, wie riskant der derzeit zweitplatzierte Spanier Alberto Contador am Dienstag bereits vom weit weniger gefährlichen Col de Manse gerast ist, wird diese Hoffnung kaum teilen.

Appell an die Vernunft

Auch Zeitfahrweltmeister Tony Martin plädiert für Vernunft entlang der steilen Schluchten. Der 28-jährige Wahlschweizer gehört zu den schärfsten Kritikern der Streckenführung. „Ich kenne keine Abfahrt mit diesem Gefahrenpotenzial und hätte keine Probleme, die Sache ruhiger angehen zu lassen und nur darauf zu achten, nicht aus dem Zeitlimit zu fallen“, sagte Martin. „Mein Leben ist mir lieber.“ „Wenn du fällst, fällst du 500 Meter tief“, hatte Andy Schleck gewarnt.

Bei der Jubiläumstour endet zum 28. Mal in der Geschichte eine Etappe auf der Alpe. Bereits am Mittwoch war entlang der Strecke kein Platz mehr zu bekommen. Zelte und Wohnmobile nahmen jedes Fleckchen Erde ein. Erster Sieger dort war 1952 der Italiener Fausto Coppi. Danach dauerte es bis 1976, ehe die Rundfahrt erneut Station auf 1.850 Meter Höhe machte. Seitdem kommt die Tour regelmäßig in Alpe d’Huez vorbei. Die Namen der Etappensieger sind in den 21 rücklaufend nummerierten Kehren auf Tafeln verewigt.

Ehrentafeln für die Sieger

In den Kurven 21 und 19 steht heute noch der Name Armstrong zu lesen, der dort auch 2001 gewonnen hatte. „Es gab heiße Diskussionen darum, die Tafeln zu entfernen. Aber wir haben uns dagegen entschieden“, erklärte der Bürgermeister von Alpe d’Huez, Jean-Yves Noyrey, der Nachrichtenagentur dpa. Auch der 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbene Italiener Marco Pantani hat noch seine Ehrentafeln. Der „Pirat“ fuhr den Anstieg 1997 in nur 37:35 Minuten hinauf - bis heute die schnellste Zeit.

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