Neue Spieler für bisher 260 Millionen
Im französischen Fußball geht die Angst um. „Das sind Kriegsmaschinen“, rief Luis Anigo, Sportdirektor von Olympique Marseille, entsetzt. Gemeint sind die Clubs Paris Saint-Germain (PSG) und AS Monaco, die einander derzeit auf dem Transfermarkt ein verrücktes Wettrüsten liefern.
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Die in Geld schwimmenden Vereinsbosse - bei Meister PSG sind das katarische Ölscheichs, im Fürstentum der russische „Düngerkönig“ Dimitri Ribolowlew - gaben im Sommer schon 260 Millionen Euro für Verstärkungen aus. Die restlichen 18 Clubs der Ligue 1 kommen zusammen auf bescheidene 40 Millionen.
„Krieg der Sterne“ mit „Tiger“ und „Matador“
Die Transferrekorde purzelten. Nachdem Monaco zunächst Torjäger Radamel Falcao (Atletico Madrid) für die bis dahin in Frankreich nie gezahlte Summe von 60 Millionen Euro geholt hatte, schlug PSG mit der Verpflichtung des Serie-A-Torschützenkönigs Edinson Cavani (SSC Napoli) für 64 Millionen zurück. Der „Tiger“ aus Kolumbien und der „Matador“ aus Uruguay führen eine lange Einkaufsliste an, die laut dem Fernsehsender BMF einen „Krieg der Sterne“ ausgelöst hat.

APA/EPA/Karl-Josef Hildenbrand
Radamel Falcao soll Aufsteiger AS Monaco an die Spitze schießen
Der siebenfache Meister Monaco, gerade erst in die oberste Liga zurückgekehrt, gab insgesamt 146 Millionen aus und verstärkte sich auch mit dem portugiesischen Mittelfeldmotor Joao Moutinho und dem kolumbianischen Außenstürmer James Rodriguez (beide vom FC Porto). Das rot-weiße Trikot werden auch Frankreichs Ex-Teamspieler Eric Abidal (FC Barcelona) und Jeremy Toulalan (Malaga) tragen.
Im Pariser Prinzenpark werden künftig im Starensemble um den schwedischen Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic und Brasiliens Abwehrrecke Thiago Silva auch die jungen Shootingstars Marquinhos (19 Jahre/AS Roms) und Lucas Digne (20/OSC Lille) kicken.
Jagd nach Stars noch nicht zu Ende
Laut Medienberichten ist die Jagd auf Stars aber längst nicht vorbei. Beide Vereine wollten auch in Europa den Gipfel erklimmen, wedeln deshalb weiter mit dem Scheckheft und versuchen noch, den portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo und den deutschen Teamspieler Sami Khedira von Real Madrid wegzulocken, heißt es.

Reuters/Stefan Wermuth
PSG und Monaco machen angeblich auch Jagd auf Cristiano Ronaldo
Liga und Gegner beunruhigt
Angesichts der Namen und Zahlen macht sich Sorge breit, auch der Chef des französischen Verbandes FFF, Noel Le Graet, bezeichnete die Tatsache, dass „die ersten beiden Plätze der Liga an PSG und Monaco vergeben zu sein scheinen“, als „beunruhigend“.
Viele fragen sich auch, ob die beiden Clubs das finanzielle Fairplay der UEFA, wonach künftig Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen sind, werden erfüllen können. Beim dreifachen Meister PSG, der viele Fans hat und noch mehr Trikots verkauft, scheint das eher möglich. Bei Monaco, das sogar zu besten Zeiten im Schnitt höchstens 10.000 Zuschauer ins Stade Louis II locken konnte, ist das mehr als fraglich. Die Association Sportive ist zudem der gesamten Liga und dem FFF wegen der Steuervorteile im Fürstentum ein Dorn im Auge.
Jean-Michel Aulas, Präsident von Olympique Lyon (OL), ist unterdessen davon überzeugt, dass seine Sparpolitik Früchte tragen wird. OL gab lediglich 800.000 Euro für Gael Danic aus. In der Ligue 1 herrsche zwar so etwas wie unlauterer Wettbewerb, „aber PSG und Monaco werden bald schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen“, meinte Aulas.
Dortmund lässt Gegner hoffen
Die „menschenfressenden Ungeheuer“ („L’Equipe“) lösen bei der Konkurrenz aber nicht nur Kritik und Angst aus. „Die Kritiker sind doch scheinheilig. Wir haben uns immer beklagt, dass es bei uns keine Stars gibt. Die kommen ja nicht für Peanuts“, sagte Lille-Profi Franck Beria. Bastia-Trainer Frederic Hantz ist überzeugt: „PSG und Monaco werden die anderen Teams stärker machen, alle werden profitieren.“
Und wenn der Pessimismus zu groß wird, versuchen es einige mit einem Blick über die Grenze. Man kämpfe wohl nur um Platz drei, sagte Marseille-Boss Vicent Labrune, wolle sich aber ein Beispiel an Borussia Dortmund nehmen, das ja mit relativ bescheidenen Mitteln sogar schon dem „Riesen“ Bayern München den Titel abgejagt habe.
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