Von Ruhm und Glanz ist wenig übrig
Eine parlamentarische BZÖ-Anfrage wegen Misswirtschaft, ein nach nicht einmal elf Monaten zurückgetretener Präsident, Querelen zwischen Funktionären, Aktiven und Trainern und mit Dinko Jukic ein Olympiavierter, der mit dem Verband im Dauerclinch liegt. Von Ruhm und Glanz einer einstigen rot-weiß-roten Vorzeigesportart ist nicht mehr viel übrig. Der Österreichische Schwimmverband (OSV) versinkt im Chaos.
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Leidtragende sind dabei die Athleten, auf deren Rücken die Konflikte ausgetragen werden. Ohne die Leistung der vier OSV-Vertreter bei der WM in Barcelona zu schmälern, von einer Medaille wie zu den Hochzeiten vor noch wenigen Jahren waren zumindest die Schwimmer meilenweit entfernt. Während im Wasserspringen Constantin Blaha vom 1- und 3-m-Brett mit den Plätzen fünf und neun starke Leistungen zeigte, reichte es für die Schwimmer zu keinem Semifinale. Jakub Maly erzielte aber immerhin drei persönliche Bestzeiten.
Lage laut Klug „besorgniserregend und schwierig“
Leistungen abzurufen, wenn im Verband mehr der interne Kleinkrieg und die vom BZÖ-Abgeordneten Stefan Petzner angeprangerte „Misswirtschaft und Malversation“ statt des gemeinsamen Ziehens an einem Strang im Vordergrund stehen, ist allerdings sicher nicht leicht. Petzner will in seiner Anfrage an Sportminister Gerald Klug (SPÖ) in acht Fragen u. a. die angeblich unklare Verwendung von Fördergeldern in der Höhe von 140.000 sowie die behauptete Nichtverbuchung von rund 165.000 Euro an Unterstützungsgeldern unter dem Posten „Sportministerium Team Rot-Weiß-Rot“ beantwortet haben.

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Auch Sportminister Klug muss sich mit dem Schwimmverband beschäftigen
Auch geht es um die laut Petzner erfolgte Fördergelderweiterleitung auf Privatkonten. „Ich habe die Anfrage noch nicht gelesen, aber ich werde sie innerhalb der mir zustehenden Frist (5. Oktober, Anm.) korrekt beantworten“, sagte Klug. Der Politiker stellte klar, dass er sich aber nicht in Verbandsangelegenheiten einmischen wolle. „Das ist nicht Aufgabe des Sportministers.“ Die aktuelle Situation in Österreichs Schwimmsport beschäftigt ihn freilich schon: „Die Lage ist besorgniserregend, die Ausgangslage schwierig.“
Fürnkranz-Maglock interimistisch Geschäftsführerin
Allerdings könnte es in der nächsten Zeit noch schwieriger werden, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Bei der OSV-Vorstandssitzung am Montag wurde Birgit Fürnkranz-Maglock als interimistische Nachfolgerin des zurückgetretenen Präsidenten Christian Meidlinger bestellt. Die Ex-Schwimmerin ist eine von drei OSV-Vizepräsidenten und übernimmt als Sprecherin des Präsidiums die Geschäftsführung. Gerade mit ihr haben aber viele Aktive und Trainer Schwierigkeiten, mehr als es davor mit Paul Schauer und Meidlinger der Fall war.
Meidlinger, der sich zuvor auch via Medien mit Jukic einen verbalen Schlagabtausch geliefert hatte, begründete seinen am Sonntagabend vollzogenen Rücktritt damit, dass „die Hetzer auch vor dem Privat- und Familienleben nicht Halt machten und das Ausmaß für meine Familie unerträglich“ sei. Das OSV-Präsidium nahm den Rücktritt „mit Bedauern“ zur Kenntnis. Laut Statuten hat der Verband nun ein Jahr Zeit, einen neuen Präsidenten zu wählen.
„Querulanten“ und „Unkenrufer“
Fürnkranz-Maglock bezog nach ihrer Bestellung in einer OSV-Aussendung gleich deutlich Stellung in Richtung Verbandskritiker: „Wir werden nicht zusehen, wie Querulanten durch Anfeindungen die geleistete Arbeit in Misskredit bringen. Wir wissen, dass es immer noch besser geht. Wir kennen unsere Hausaufgaben und wir werden sie erledigen. Konstruktive Vorschläge sind jederzeit willkommen. Unkenrufe sind entbehrlich.“
Schon beim Linzer Verbandstag im September 2012, als die Jukic-Sperre mit großer Mehrheit bestätigt wurde, hatten sich Fürnkranz-Maglock und ihr Ehemann Erich Maglock - Präsident des NÖ Landesverbandes - äußerst negativ gegen Jukic zu Wort gemeldet. Jukic überlegt zwar nach mehr als einem Jahr ohne Rennen aufgrund einer einstweiligen Verfügung - die Berufung läuft - wieder Einsätze für Österreich, aber nur unter einem nach seinen Vorstellungen funktionierenden Verband. Unter Fürnkranz-Maglock dürfte das voraussichtlich nicht der Fall sein.
Kritik von „ausgestoßenem“ Stoss
In diese Richtung denkt auch Sebastian Stoss. Auslöser seines Rücktritts im Herbst war der Entzug seiner HSZ-Zugehörigkeit. Meidlinger habe ihm zwar versichert, dass er als Olympiateilnehmer 2012 weiter beim Heer bleiben werde. Bei einem Gespräch mit Meidlinger, OSV-Generalsekretär Thomas Gangel und Fürnkranz-Maglock als damals schon amtierende OSV-Vizepräsidentin habe sich das Blatt aber gewendet. „Sie hat argumentiert, dass ich 2012 langsamer geschwommen bin als noch 2009“, sagte Stoss.

GEPA/Walter Luger
Sebastian Stoss (r.) verlor seine HSZ-Zugehörigkeit und trat zurück
Die Erklärung des dreifachen EM-Finalisten auf der Rückenstrecke, dass alle Zeiten 2009 in der Hochblüte der Ganzkörperanzüge schneller gewesen seien, habe Fürnkranz-Maglock nicht gelten lassen. Stoss: „Das ist das Gleiche, wie wenn ich einem Leichtathleten eine 10-kg-Kugel gebe und ihn dann frage, warum er nicht so weit wirft wie Jahre davor mit der 5-kg-Kugel.“ Stoss musste letztlich wenige Monate nach seinem Olympiaeinsatz das Handtuch werfen, er ist jetzt Trainer.
Auch Coach Bär mit Fürnkranz-Maglock im Clinch
Stoss’ Coach war Walter Bär, dessen Schützling Maly in Barcelona überzeugte. Maly will mit dem bevorstehenden Wechsel seines Trainingsdomizils von der Südstadt an die Universität Minnesota noch besser werden, was Bär begrüßt. Er lässt seinen Topschwimmer ziehen, damit sich dieser weiter steigern kann. Fürnkranz-Maglock wirft dem Trainer laut seiner Aussage aber genau das vor. „Sie wirft mir vor, dass ich Jakub nicht versucht habe in Österreich zu halten. Sie meint, dass sich noch nie ein Sportler in den USA verbessert habe.“
Sollte diese Aussage tatsächlich gefallen sein, ist das angesichts der Erfolge u. a. von Markus Rogan und Blaha mehr als unverständlich. Bär fühlt sich auch durch kreditschädigende Aussagen von Erich Maglock in seiner Arbeit als Südstadt-Trainer beeinträchtigt. Bärs im September auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert, auch dahinter vermutet Bär das Ehepaar Maglock. Von einvernehmlicher Nichtverlängerung des Kontrakts - wie von Meidlinger behauptet - könne laut Bär jedenfalls keine Rede sein.
Schröcksnadel als Retter in der Not?
Als Retter in der Not in dieser Posse setzt Sportminister Klug seine Hoffnungen auf Olympia-Chefkoordinator Peter Schröcksnadel. „Ich bin mit ihm im engen, ständigen Kontakt“, bestätigte Klug mehrere Gespräche mit dem derzeit urlaubenden ÖSV-Präsidenten über das Schwimmen. Schröcksnadel soll vor allem im Konflikt zwischen dem OSV und Jukic vermitteln, der letztlich auch Auslöser für den Rücktritt von Meidlinger war. „Wichtig ist, dass bald Ruhe einkehrt, klare Verhältnisse herrschen und es volle Konzentration auf den Schwimmsport gibt“, sagte Klug.
Schröcksnadel hat vor seinem Urlaub mit Meidlinger und Jukic gesprochen. Während Meidlinger nun aus dem Spiel ist, setzt Jukic in Schröcksnadel Hoffnung. „Es ist der erste Funktionär, der mich nicht hindert“, sagte Jukic zur APA. Man könne nicht einfach sein, wenn man Weltklasse sein wolle, habe Schröcksnadel laut Jukic ihm gesagt. Gespräche aller Beteiligten gab es aber noch nicht. Und vor dem 6. September werden diese wohl auch nicht stattfinden, denn erst da könnte die Wahl eines fixen OSV-Führungsteams beim außerordentlichen Verbandstag erfolgen.
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