„Veilchen“ feiern schönste Niederlage
Die Wiener Austria hat sich am Dienstagabend den Traum vom erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Champions League erfüllt. Österreichs Meister unterlag in einer Partie mit dramatischem Spielverlauf Dinamo Zagreb zwar mit 2:3 (1:2), durfte aber dank des 2:0-Sieges im Hinspiel vor 10.500 Fans in der Generali-Arena am Ende ausgelassen jubeln und nun gespannt auf die Auslosung am Donnerstag blicken.
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Bis die siebente CL-Teilnahme eines österreichischen Clubs in die Königsklasse feststand, mussten die Austrianer harte und teilweise bange 90 Minuten überstehen. Die „Veilchen“ gingen zwar durch Florian Mader (5.) schnell in Führung, danach spielte aber nur noch Dinamo. Marcelo Brozovic (33.), Junior Fernandes (43.) und Fator Beciraj (70.) drehten die Partie für den kroatischen Meister und wähnten sich schon weiter.
Zum umjubelten Helden avancierte dann „Joker“ Roman Kienast, der unmittelbar nach seiner Einwechslung das wichtige zweite Tor, das gleichbedeutend mit dem Aufstieg war, erzielte (82.). Die schönste Niederlage der Clubgeschichte beschert der Austria damit einen fixen Geldregen von rund zehn Millionen Euro und Duelle in den schönsten Stadien mit den besten Mannschaften Europas.

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Kienasts Treffer ist für die Austria Millionen wert
CL-Hymne beflügelt zu Beginn
Coach Nenad Bjelica vertraute jener Elf, die in Zagreb bereits überzeugte. Einzig Torschütze Marin Leovac rutschte für den im Hinspiel gesperrten Markus Suttner aus der Startformation. Bei Dinamo nahm das neue Trainerduo Damir Krznar und Zoran Mamic zwei Änderungen vor. Im Tor stand Grzegorz Sandomierski statt Oliver Zelenika. Der Brasilo-Kroate Sammir, der in Zagreb erst nach knapp einer Stunde eingetauscht worden war, stürmte diesmal wie erwartet von Beginn an.
Vor der Partie durften die Spieler erstmals zur offiziellen Champions-League-Hymne Aufstellung nehmen. Und die Austrianer zeigten in der Anfangsphase, dass sie diese unbedingt zumindest noch sechsmal in dieser Saison hören wollen. Wie von Bjelica gefordert, gaben die Gastgeber Dinamo wenig Raum, ihre Spielstärke zu entfalten. Gleichzeitig wurde auch mutig nach vorne gespielt. Marko Stankovic schickte Philipp Hosiner auf die Reise, doch dessen Heber ging am Tor vorbei (3.).
Traumstart für Austria
Nur kurz darauf gelang der Austria aber schon das, was sich Zagreb erhofft hatte: der Traumstart. Nach einer Freistoßflanke von Mader aus halbrechter Position in den Strafraum scherzelte ausgerechnet Routinier Josip Simunic mit dem Kopf den Ball ins eigene Tor (5.). Die violette Betreuerbank sprang im Kollektiv auf, und die Generali-Arena bebte, denn die Gastgeber brauchten nun bereits drei Tore, um das im Vorfeld propagierte „Wunder von Wien“ zu schaffen.

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Kalte Dusche für Goalie Sandomierski nach fünf Minuten
Dinamo ließ sich von dem frühen Gegentreffer aber nicht einschüchtern und zeigte in der Folge seine Qualitäten. Die Austrianer zogen sich zurück und versuchten mit einer kompakten Defensivarbeit, die Partie unter Kontrolle zu halten. Nur leider gelang das nicht. Zagreb bestimmte zusehends das Spielgeschehen, kam immer gefährlicher vor das gegnerische Tor und näherte sich einem Treffer. Einen Weitschuss von El Arbi Hilal Soudani konnte Goalie Heinz Lindner mit einer Glanzparade entschärfen (31.).
Dinamo dreht auf
Die Aktion war allerdings der Vorbote des Ausgleichstreffers. Manuel Ortlechner ließ sich von Brozovic einpacken, der in weiterer Folge den Ball aus 20 Metern über Lindner hinweg genau ins Eck schlenzte (33.). Nur wenige Minuten danach hatten die Austrianer auch Glück. Stankovic sprang der Ball im Strafraum an die Hand. Der italienische Schiedsrichter Paolo Tagliavento meinte es aber sehr zum Missfallen der Gäste gut mit den „Veilchen“, denn solche Situationen wurden auch schon anders ausgelegt (37.).
Dinamo drängte danach aber ungehemmt weiter und wurde auch knapp vor der Pause belohnt. Während Lindner bei einem Schuss von Fernandes abermals eine Topabwehr zeigte (42.), war er unmittelbar danach gegen denselben Spieler machtlos. Nach einer kurzen Kopfballabwehr von Kaja Rogulj, kam der Ball über Umwegen zu Fernandes, der es diesmal aus derselben Position besser machte und einschoss (43.). Die Austria, die durch Ortlechner (35.) und Hosiner (44.) Chancen auf das zweite Tor vorgefunden hatte, erwartete damit eine sehr lange zweite Halbzeit.
Austria weiter unter Druck
In diese gingen beide Teams unverändert, die Austria hätte jedoch gleich etwas am Spielstand ändern können, ja eigentlich müssen. Nach einem Stanglpass von Suttner schoss Tomas Jun aber alleine vor dem Tor stehend vorbei (48.). Dinamo blieb allerdings am Drücker und schnürte die Austria über weite Strecken in der eigenen Hälfte ein, einen Schuss von Said Husejinovic konnte Lindner entschärfen (52.). Die Wiener versuchten wiederum im Konter Nadelstiche zu setzen, wobei Hosiner eine Flanke von Daniel Royer mit dem Kopf verfehlte (54.).
Dinamo brachte mit Beciraj (58.) noch eine Offensivkraft. Von den Austria-Fans kam von den Rängen weiter die dringend benötigte Unterstützung für die Mannschaft. Brozovic testete mit einem Schuss abermals Lindner (62.). Die nervös wirkenden Austrianer waren in dieser Phase kaum am Ball. Wenn sie es aber doch waren, leisteten sie sich zu leichte Ballverluste, weshalb der Druck auf die Abwehr auch stets aufrecht blieb.
Zagreb trifft zum dritten Mal
Die fast unvermeidliche Folge war dann das dritte Tor für Zagreb. Nach einem schnellen Vorstoß über die rechte Seite zirkelte Ivo Pinto eine Flanke in den Strafraum. Beciraj war früher am Ball als Rogulj und köpfelte den Ball über den etwas zu weit vorne stehenden Lindner ins Tor (70.). Kurz davor hatten noch die Austria-Fans bei einem der seltenen Befreiungsschläge den Torjubel auf den Lippen gehabt. Einen Kopfballaufsitzer von Hosiner drehte Sandomierski allerdings mit den Fingerspitzen über das Tor (68.).
„Joker“ Kienast sticht umgehend
Die Austria war nun endgültig zum Handeln gezwungen, blieb in ihren Versuchen vorerst aber oft in der gegnerischen Abwehr hängen. Bjelica brachte mit Kienast statt James Holland einen zweiten Stürmer für die Schlussphase (81.), und dieser Tausch sollte sich umgehend bezahlt machen, denn der „Joker“ stach mit seiner ersten Ballberührung. Hosiner köpfelte über die Zagreb-Abwehr, Kienast drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (82.).
In den letzten Minuten war die Spannung in der Austria-Arena förmlich greifbar. Zagreb agierte mit dem Mute der Verzweiflung. Ein herrlicher Volley von Beciraj von der Strafraumgrenze ging hauchdünn an der Stange vorbei (86.). Lindner wäre chancenlos gewesen. Nur eine Minute danach ging der nächste Schuss nur knapp vorbei. Es ging in die Nachspielzeit, wobei die drei Minuten für Spieler und Fans fast zur Ewigkeit wurden. Die Austrianer hielten aber dagegen und feierten eine der schönsten Niederlagen ihrer Clubgeschichte.
Christian Wagner, ORF.at
Champions-League-Play-off, Rückspiel
Dienstag:
Austria Wien - Dinamo Zagreb 2:3 (1:2)
Generali Arena, 10.500 Zuschauer, SR Tagliavento (ITA)
Torfolge:
1:0 Mader ( 5.)
1:1 Brozovic (33.)
1:2 Fernandes (43.)
1:3 Beciraj (70.)
2:3 Kienast (82.)
Austria: Lindner - Koch, Rogulj, Ortlechner, Suttner - Mader, Holland (81./Kienast) - Royer, Stankovic, Jun (69./A. Grünwald) - Hosiner (85./Leovac)
Dinamo: Sandomierski - Pinto, Addy, Simunic, Pivaric - Ademi - Soudani (75./Leko), Husejinovic (59./Beciraj), Brozovic, Fernandes - Sammir (73./Antolic)
Rote Karte: Soudani (92./bereits ausgewechselt auf Bank)
Gelbe Karten: Rogulj, Leovac bzw. Brozovic, Simunic, Fernandes, Pivaric
Die Besten: Lindner bzw. Brozovic, Fernandes, Husejinovic
Hinspiel 2:0 - Austria mit Gesamtscore von 4:3 in der Champions League, Auslosung am Donnerstag in Monaco
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