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„Wir sind glücklich und stolz“

Nach dem 3:1 für Dinamo Zagreb war der Traum der Wiener Austria vom erstmaligen Einzug in die Champions League für zwölf Minuten ausgeträumt. Aber dann kam Roman Kienast und schoss Österreichs Meister doch in die Gruppenphase. Was nachher folgte, war ein kollektiver Freudenrausch der „Veilchen“. Alle Dämme brachen. Die Spieler lagen einander auf dem Rasen, die Fans auf der Tribüne in den Armen.

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Goalie Heinz Lindner, der sich dank seiner sensationellen Paraden neben Kienast auch als Vater des Triumphes feiern lassen kann, kniete im Strafraum mit dem Trikot über dem Kopf. Als er es lüftete, hatte er „nach der unglaublich spannenden Partie“ ebenso Tränen in den Augen wie Teamkollege Marko Stankovic. „Davon habe ich schon als Kind geträumt. Es gibt keinen schöneren Tag. Wir sind glücklich und stolz, denn dieser Tag wird in die Austria-Geschichte eingehen“, brachte Stankovic zum Ausdruck, was sich jeder seiner Teamkollegen dachte.

Auch Kapitän Manuel Ortlechner gestand „sehr, sehr viele Freudentränen“. Und für Coach Nenad Bjelica war „es wohl die schönste Niederlage in unserer Karriere. Ich freue mich enorm für die Spieler, dass sie diesen Moment miterleben durften.“ Unmittelbar nach der aufwühlenden Partie war den Kickern allerdings noch nicht einmal richtig bewusst, was sie mit der insgesamt siebenten CL-Teilnahme eines österreichischen Clubs überhaupt geschafft hatten. Viele sprachen davon, den Erfolg noch nicht realisiert zu haben.

Manuel Ortlechner (Austria) und Teamkollegen jubeln

APA/Herbert Neubauer

Nach dem Drama mit Happy End gab es für die Austrianer kein Halten mehr

„Jetzt kommen sechs ultrageile Spiele“

Spätestens, wenn am Donnerstag um 18.00 Uhr in Monaco die Auslosung der 32 Teams für die Gruppenphase über die Bühne geht, werden die Spieler endgültig mit der freudigen Realität konfrontiert. Während sich der Vorstand bereits fix über einen Millionenregen freuen darf, fiebert die Mannschaft der Chance entgegen, sich mit den besten Teams in Europa zu messen. Viele Spieler hoffen dabei auf echte Kaliber. „Bei der Auslosung ist jeder Gegner ein Wunschgegner“, brachte es Torschütze Florian Mader auf den Punkt, wobei die spanischen Großclubs auf dem Zettel ganz oben stehen.

„Real oder Barca wären ein Traum, aber ich nehme auch jeden anderen Gegner“, sagte Stürmer Philipp Hosiner. Ortlechners Augen leuchteten angesichts der möglichen Gegner wie von einem Fünfjährigen am Weihnachtsabend. „Jetzt kommen sechs ultrageile Spiele. Ich würde wirklich gerne einmal im Bernabeu-Stadion spielen, aber auch ein Duell gegen die Bayern mit David Alaba wäre toll“, sagte der Innenverteidiger, für den der Krimi gegen Zagreb alles Bisherige bei der Austria erlebte „getoppt hat“.

Für Bjelica wird „jedes Spiel ein Fest“

Auch für Bjelica stellte der Aufstieg in das bisherige Highlight seiner Trainerkarriere dar, er weiß aber auch, dass die Luft in der Königsklasse noch um einiges dünner wird. „In der Champions League sind 32 Teams mit hoher Qualität. Da wird jedes Spiel ein Fest. Real, Barcelona, Bayern oder Chelsea wären ein Traum für mich. Die Chancen sind natürlich minimal, aber wenn es auch nur ein, fünf oder zehn Prozent sind, werden wir alles versuchen“, versprach der 42-Jährige.

Der Kroate vergaß allerdings auch nicht, Vorgänger Peter Stöger für die geleistete Vorarbeit zu danken. „Es ist eine große Freude für alle, die etwas dazu beigetragen haben. Dazu gehören die Spieler, aber auch der ehemalige Trainer und dessen Assistenten. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich jetzt als Coach diesen Club in die Champions League bringen durfte“, sagte Bjelica, der seinen Emotionen während des Spiels und auch danach freien Lauf gelassen hatte.

Nenad Bjelica und Philipp Hosiner (Austria) jubeln

APA/AP/Hans Punz

Coach Bjelica ließ nach Schlusspfiff seinen Gefühlen freien Lauf

Zagreb hat „unglaublich viel Druck gemacht“

Davor war allerdings eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle zu überstehen. Der Austria gelang mit dem frühen Führungstor der perfekte Start ins Spiel. Danach zeigte Zagreb aber seine Qualitäten. Mit zwei Toren noch vor der Pause und dem dritten Treffer in der 70. Minute stand der 15-fache kroatische Meister schon in der Gruppenphase. „Zagreb ist eine richtig gute Mannschaft, sie haben unglaublich viel Druck gemacht“, so Ortlechner. „Zagreb hat um einiges mehr gezeigt als im Hinspiel“, sagte Hosiner.

Roman Kienast (Austria) jubelt

GEPA/Christian Ort

Kienast startete nach seinem Millionentreffer eine ausgelassene Jubelrunde

Der Glaube, doch noch die Wende zu schaffen, war allerdings immer gegeben. Die im Nachhinein unverständlichen Auswechslungen des überragenden Sammir (Bjelica: „Der hat uns Probleme gemacht.“) in der 73. Minute und danach auch des starken El Arbi Hilal Soudani (75.) war allerdings ein Glück für die Austria, denn sie ließen das Kräfteverhältnis im Mittelfeld kippen. „Wir wussten, dass wir immer ein Tor erzielen können, und dann kam Roman Kienast“, sagte Ortlechner.

Austria war „als Team besser“

Die Schlussphase war an Spannung kaum zu überbieten. „Die letzten drei Minuten waren die längsten meines Lebens“, so Ortlechner. Für Coach Bjelica war der Aufstieg unter dem Strich aber verdient. „Zagreb war ein sehr, sehr guter Gegner. Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, wenn sie uns unterschätzen. Das haben sie im ersten Spiel getan. Im Rückspiel haben sie das nicht mehr gemacht, aber zum Glück hat der 2:0-Vorsprung gereicht. Zagreb hat die qualitativ besseren Einzelspieler, in 180 Minuten haben aber wir bewiesen, dass wir als Team besser sind.“

Der Kroate hatte aber auch gleich mahnende Worte parat. „Ich hoffe, dass wir weiter am Boden bleiben und weiter hart arbeiten. Nur dann werden wir auch weiter Erfolg haben“, so Bjelica. „Momentan ist es nicht möglich freizugeben, vielleicht nach der Partie am Samstag. Aber es ist kein Problem, denn nach solchen Spielen ist es schön, sich am nächsten Tag zu treffen“, sagte der Kroate und scherzte: „Wenn die Spieler aber ein bisschen feiern und ein Bier trinken wollen, dann kann ich mir vorstellen, dass wir das Nachmittagstraining verschieben.“

Christian Wagner, ORF.at

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