Erinnerungen an Alpenliga
Die österreichischen Fans dürfen sich in der am Samstag beginnenden Saison der Erste Bank Eishockey-Liga (EBEL) über einen alten Bekannten freuen. Mit dem HC Bozen bereichert ein Verein die Meisterschaft, der bereits Anfang der Neunzigerjahre in der Alpenliga vorne mitspielte. „Wir sind alle heiß auf die Liga“, so Kapitän Alexander Egger, der eines nicht sein will: der Prügelknabe der Liga.
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Am 8. Juli 2013 war die Aufnahme der Bozener als Ersatz für das in die russische Liga abgewanderte Medvescak Zagreb Gewissheit. Alle elf Vereine der Liga stimmten dem Ansuchen der Südtiroler zu und ebneten nach dem Okay des österreichischen Eishockey-Verbandes (ÖEHV) damit den Weg zu einer Meisterschaft mit zwölf Teams, aufgeteilt auf Österreich, Slowenien, Ungarn, Tschechien und eben Italien. Zuletzt hatte sich Bozen 1998/99 im Rahmen der Alpenliga in einer Meisterschaft mit österreichischen Clubs gemessen.
Flucht vor italienischer Tristesse
In Bozen erhofft man sich von der Teilnahme an der im Vergleich zur italienischen Liga deutlich stärkeren EBEL eine neue Euphorie. „Die letzten Jahre war es in Italien sehr schwer, die Zuschauer ins Stadion zu locken“, so Verteidiger Egger im Gespräch mit ORF.at. Die Auflösung und der Ligaausstieg von Traditionsvereinen wie HC Milano und HC Varese drängten den Kufensport in der Fußballhochburg Italien immer weiter an den Rand der Sportlandschaft, sprich nach Norden.

GEPA/Thomas Bachun
In Italien gingen dem HC Bozen langsam, aber sicher die starken Gegner aus
„Es waren immer die gleichen Mannschaften, und die vor allem im Norden. Wenn man dann so oft gegen die gleichen Teams spielt, ist es für die Zuschauer auch langweilig“, sagte Egger zur tristen Situation in Italien in den vergangenen Jahren, „deshalb glaube ich, dass die vielen neuen und guten Clubs, die nach Bozen kommen, wieder eine Euphorie auslösen können.“ Denn in Bozen ist der Hunger nach starken Gegnern groß. „In Bozen waren die Zuschauer immer schon sehr erfolgsverwöhnt und haben auch früher schon die Alpenliga intensiv verfolgt“, so Egger.
Hochburg mit Schmuckkästchen
Die Südtiroler Hauptstadt darf als Eishockey-Hochburg bezeichnet werden. 19-mal, so oft wie kein anderer Verein, holte der 1933 gegründete HC Bozen die italienische Meisterschaft, 1992 gewann man außerdem die Alpenliga. Der gute Ruf des HC Bozen lockte auch prominente Spieler an den Zusammenfluss von Eisack, Talfer und Etsch. Allen voran die lebende tschechische Eishockey-Legende Jaromir Jagr, der 1994/95 während eines Lock-outs der NHL sechs Spiele in Bozen seine Spuren ins Eis zog.
Die Heimstätte der Bozener ist in jedem Fall eine Aufwertung für die österreichische Liga. Die anlässlich der A-WM 1994 erbaute Palaonda - zu Deutsch: Eiswelle - zählt laut Vereinswebsite noch immer zu den „modernsten und funktionalsten Eisstadien im gesamten Alpenraum“. Mit 7.200 Plätzen bietet die Halle in Bozen auch den meisten Zuschauern in der EBEL Platz. „Die Zuschauer, die nach Bozen kommen, werden mit der Stimmung zufrieden sein“, glaubt Kapitän Egger an Eishockey-Feste bei Heimspielen der Südtiroler.
Kein Punktelieferant
Um sportlich EBEL-tauglich zu sein, krempelte Trainer Tom Pokel, der die Liga aus seiner Zeit bei der VEU Feldkirch und den Graz 99ers kennt, das Team um. Dank der italienischen Bürokratie kein leichtes Unterfangen. „Arbeitsvisa sind ein großes Problem“, so der Amerikaner, „14 Tage Wartezeit sind das Minimum. Es gibt viele Hindernisse und Hürden.“ Trotzdem glaubt Pokel daran, mit Bozen eine Bereicherung für die Liga zu sein. „Wir wollen uns als konkurrenzfähige Mannschaft etablieren und auf das Play-off hinarbeiten“, sagte Pokel, „wenn wir das schaffen, wäre das wie ein Meistertitel.“

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Coach Pokel (r.) weiß aus eigener Erfahrung, wie hart es in der EBEL zugeht
Kapitän Egger erwartet sich aber vor allem zu Beginn keine Wunder. „Es wird am Anfang sicher schwer. Wir sind wahrscheinlich den Rhythmus und die Intensität der Liga noch nicht gewohnt“, sagte der 33-Jährige. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenhalt. „Wir müssen sicher über die Mannschaftsleistung, das Kollektiv den Weg nach oben finden“, so Egger, „Wir haben keine Superstars, aber eine gute Mannschaft. Wir hoffen, dass wir kein Punktelieferant oder Prügelknabe sind.“
Das Abenteuer EBEL beginnt für den Liganeuling am Sonntag jedenfalls mit einem prestigeträchtigen Duell. Der HC Innsbruck lädt die Bozener zum grenzübergreifenden Tiroler Derby. „Es hat sicher ein wenig Brisanz, daher freuen wir uns auf den ersten Spieltag“, sagte Egger. Politischen Hintergrund ortet der gebürtige Bozener aber keinen: „Es hat aber nichts mit Nord- und Südtirol zu tun, sondern einfach nur, weil es der nächstgelegene Gegner in der Liga ist.“ Nicht nur geografisch, sondern aufgrund der vergangenen EBEL-Saison - Innsbruck wurde Letzter - wohl auch sportlich.
Karl Huber, ORF.at
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