Torjäger vor Start optimistisch
Der KAC beginnt die kommende Saison der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) so, wie es sich die Fans in Klagenfurt wünschen: als Titelverteidiger. Auf die erfolgreich geschaffte „Mission 30“ soll nun der 31. Titel folgen. Ein wichtiges Puzzlestück ist Jamie Lundmark, vergangene Saison Topscorer der „Rotjacken“. Aber die Rolle des Gejagten ist dem Kanadier nicht wirklich recht.
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Insgesamt 34 Tore und 33 Assists steuerte der 32-Jährige auf dem Weg zum 30. Meistertitel der Klagenfurter bei. Und auch heuer zählt der Kanadier, der seinen Vertrag beim KAC um zwei Jahre verlängerte, zu den wichtigsten Stützen im Team von Coach Christer Olsson. Gleich das erste Spiel hat es für den Meister in sich. Der KAC eröffnet die neue Saison am Sonntag mit der brisanten Finalrevanche auswärts bei Vizemeister Vienna Capitals.
„Wir sind bereit und sind gut drauf“, gibt sich Lundmark, trotz der Abgänge von Leistungsträgern wie Thomas Hundertpfund und Raphael Herburger optimistisch. Im Interview mit ORF.at spricht er über die hohe Erwartungshaltung in Klagenfurt, erklärt, warum die österreichische Liga für ihn zu den besten Europas zählt, und verrät, auf welchen neuen Teamkollegen er sich besonders freut.
ORF.at: Die neue Saison steht vor der Tür, ist der KAC für die Mission Titelverteidigung gerüstet?
Jamie Lundmark: Das Team sieht sehr gut aus, jeder hat im Sommer hart gearbeitet, und auch das Trainingscamp war gut und intensiv. Wir sind bereit und sind gut drauf. Wir freuen uns, dass es endlich losgeht.

GEPA/Michael Riedler
Im Vorjahr schaffte der KAC auch dank Lundmark erfolgreich die „Mission 30“
ORF.at: Heuer geht man aus der Position des Gejagten in die Saison. Ist es ein Vor- oder ein Nachteil?
Lundmark: Wir wollen eigentlich gar nicht in dieser Position sein. Wir starten so wie alle wieder bei null. Unser Team hat sich doch verändert, wir müssen hart daran arbeiten, dass wir das gleiche Vertrauen in unsere Spieler und die gleiche Chemie wie in der vergangenen Saison haben. Die Chemie im Team war der Schlüssel zu unserem Erfolg. Jeder hat für jeden gearbeitet und auf den anderen vertraut. So etwas braucht Zeit. Daher ist es egal, ob wir gewinnen oder einmal verlieren, wir müssen nur gemeinsam auf dem richtigen Weg bleiben – und das bis zum Ende der Saison.
ORF.at: Die Fans in Klagenfurt erwarten sich vom KAC Siege, gerade als Titelverteidiger. Glauben sie, dass man der Mannschaft die Zeit zum Wiederaufbau gibt?
Lundmark: Man kann sicher nicht von einem Wiederaufbau sprechen, denn unser Kern ist im Großen und Ganzen gleich geblieben. Dazu bekommen wir Thomas Pöck, eine echte Verstärkung. Es ist daher kein Wiederaufbau, sondern wir haben einfach viele junge Spieler dazubekommen, die noch nicht viel Erfahrung haben. Sie müssen erst lernen, wie man gewinnt. Speziell in den ersten Monaten werden wir lernen, was wir tun müssen, um zu gewinnen.
ORF.at: Sie kennen Pöck aus gemeinsamen NHL-Zeiten bei den New York Rangers. Was macht ihn als Spieler aus?
Lundmark: Er ist ein großartiger Verteidiger, sicher einer der besten Verteidiger der Liga. Er ist ein guter Eisläufer, kann die Scheibe bewegen, ist stark im Powerplay, einfach ein guter Allround-Verteidiger. Natürlich bringt er auch sehr viel Führungspersönlichkeit mit. Er hat schon in Klagenfurt gespielt, es ist noch dazu seine Heimatstadt. Ihn im Team zu haben, ist ein Gewinn für die Mannschaft. Es ist auch gut für die Fans, ihn nach so langer Zeit wieder zu sehen.
ORF.at: Soll er auch die Rolle als Aushängeschild und „Posterboy“ übernehmen?
Lundmark: Er muss nicht unser Aushängeschild oder „Posterboy“ sein. Aber er ist sicher ein wichtiger Anführer des Teams. Er hat das bereits gezeigt, und in seiner Heimatstadt zu spielen ist sicher speziell für ihn. Er weiß, was ihn in Klagenfurt erwartet und was er machen muss. Es ist eine Win-win-Situation für alle.
ORF.at: Sie haben neben der NHL auch in anderen Topligen wie etwa Russland gespielt, warum haben sie sich für zwei weitere Jahre in der im Vergleich dazu wenig prominenten EBEL entschieden?
Lundmark: Ich und meine Familie, wir fühlen uns in Klagenfurt sehr wohl. Es ist eine großartige Stadt für Kinder und auch eine richtige Eishockey-Stadt. Der Club kümmert sich außerdem sehr gut um seine Spieler. Es ist einfach schön, hier zu spielen. Darum habe ich mich entschieden, gleich für zwei weitere Jahre zu unterschreiben. Meine Familie und ich freuen uns sehr auf diese Zeit.
ORF.at: Die EBEL wird immer professioneller. Was fehlt noch zu den ganz großen Ligen?
Lundmark: Jede Liga hat ihre positiven und negativen Seiten. Auch die NHL ist da nicht anders. Man kann Ligen nicht wirklich vergleichen oder auf einen Unterschied herunterbrechen. Man kann höchstens die Clubs miteinander vergleichen. In unserem Team, speziell seit Christer (Olsson, Anm.) Trainer ist, versuchen wir so professionell wie möglich zu arbeiten, genauso wie ein Team in Nordamerika oder Schweden.

Reuters/Todd Korol
Lundmark (r.) bestritt 295 Spiele in der NHL, unter anderem auch für Calgary
ORF.at: Wie wichtig war es, dass mit Bozen sofort ein Ersatz für Zagreb gefunden wurde und die Meisterschaft wieder mit zwölf Teams gespielt wird?
Lundmark: Ich finde es gut, wenn die Liga erweitert wird. Es bringt neue Fans und neue Spieler. Ich glaube auch, dass es das Interesse an der Liga steigert und die Menschen sehen, wie gut die Meisterschaft ist. Die Liga ist gut, ich habe das jetzt bei den Testspielen auch bei Gesprächen mit Spielern anderer Teams etwa aus der Schweiz gehört. Die EBEL ist eine der besten Ligen in Europa, sie wird nur oft übersehen, etwa wegen der Schweiz, Schweden oder Deutschland. Ich glaube, unsere Clubs könnten in diesen Ligen auch mithalten. Daher ist es gut, dass die Liga größer wird und mehr Leute sehen, dass hier gut gearbeitet wird.
ORF.at: Haben die lange Zeit fehlenden Erfolge des Nationalteams ihren Teil dazu beigetragen, dass man die EBEL im internationalen Vergleich gerne übersieht?
Lundmark: Ich weiß nicht, ob man das sagen kann. Ich denke, mit dem Erfolg, den das Nationalteam im vergangenen Jahr gehabt hat, hat man der Liga sehr geholfen. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele ist nicht nur für die österreichischen Spieler, sondern auch für die Liga gut. Natürlich könnte es noch besser sein, aber ich denke, Manny (Teamchef Emanuel Viveiros, Anm.) hat ein gutes Programm am Laufen, und ich hoffe, er setzt es weiter um und das Team wird immer besser.
Das Gespräch führte Karl Huber, ORF.at
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