Harter Kampf mit Happy End
Die Chance lebt: Österreichs Nationalteam befindet sich weiter im Rennen um die WM-Teilnahme in Brasilien 2014. In einem über weite Strecken verkrampften und durchwachsenen Heimspiel gegen Irland setzte sich die Mannschaft von Marcel Koller am Dienstag im Ernst-Happel-Stadion in Wien denkbar knapp mit 1:0 durch. David Alaba avancierte vor 48.000 Zuschauern in der 84. Minute zum Matchwinner.
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Nachdem Schweden am frühen Abend in Kasachstan 1:0 gewonnen hatte, stand die ÖFB-Auswahl gegen die Iren mit Teamchef Giovanni Trapattoni unter Siegeszwang. Dank Alaba, der schon beim 2:2 in Dublin in der 93. Minute den Ausgleich erzielt hatte, blieb man den Skandinaviern im Rennen um Platz zwei hinter Deutschland auf den Fersen. Das nächste Entscheidungsmatch steigt am 11. Oktober in Schweden. Am 15. Oktober spielt Österreich zum Abschluss in Gruppe C auf den Färöern.

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Die Erlösung für Teamchef Marcel Koller: Alaba hat den Bann gebrochen
Kein Platz für Arnautovic - Alaba als Regisseur
Der erste Aufreger des Abends war eine Stunde vor Beginn die ÖFB-Aufstellung gewesen. Koller nahm im Vergleich zum 0:3 in München einige wesentliche Veränderungen vor. Die bemerkenswerte Geduld des Schweizers mit Marko Arnautovic hatte ein Ende erfahren - für den formschwachen Stoke-City-Neuzugang begann Rapid-Offensivmann Guido Burgstaller auf der linken Seite. In der Innenverteidigung rückte Sebastian Prödl (Werder) statt Emanuel Pogatetz (Nürnberg) in die Startelf. Und Bayern-Außenverteidiger David Alaba sollte diesmal die Spielmacherrolle des verletzten Zlatko Junuzovic erfüllen.
Der gegen Deutschland gesperrte Julian Baumgartlinger (Mainz) kehrte in die Mannschaft zurück und bildete mit dem optisch furchterregenden „Maskenmann“ Veli Kavlak (Nasenbeinbruch) die „Doppelsechs“ im defensiven Mittelfeld. Andreas Ivanschitz (Levante) verlor seinen Platz in der Anfangsformation, Martin Harnik (Stuttgart) startete erneut rechts hängend neben der nominellen ÖFB-Solospitze Andreas Weimann (Aston Villa). Wie schon beim Heimsieg über Schweden im Juni herrschte Gänsehautstimmung im vollen Prateroval. Alle Voraussetzungen für einen großen Fußballabend waren gegeben.
Schlechter Start des ÖFB-Teams
Geradezu südländische Begeisterung auf den Rängen sollte die Österreicher zu den ersten Angriffen treiben. Doch es kam anders: Statt beherzten Offensivspielzügen prägten zahlreiche Fehlpässe, Nervosität und Verunsicherung die Anfangsphase der Gastgeber. Als es nach etwa zehn Spielminuten heftig zu regnen begann, war die Koller-Elf fast ununterbrochen dem Ball hinterhergerannt. Eine Viertelstunde war bereits gespielt, als Alaba erstmals Akzente setzte. Harnik (Schuss abgeblockt) und Burgstaller (zu zaghaft im Kopfballduell) konnten seine Vorlagen aber nicht effektiv umsetzen.
Jonathan Walters, Stoke-Clubkollege von Arnautovic, nutzte in der 21. Minute ein schlechtes Tackling von Prödl, um in den Strafraum von ÖFB-Goalie Robert Almer einzudringen. Aus dem Angriff der Iren wurde jedoch ebenso wenig wie aus den weiter durchwachsenen Bemühungen der Österreicher. Die defensiv sicher und kompakt stehenden, technisch aber limitierten Gäste gerieten kaum bis gar nicht in Verlegenheit. Da Weimann von Harnik und Burgstaller keine brauchbaren Bälle bekam, wirkte Trapattonis Viererkette fast gelangweilt. An Alaba liefen zunächst einige Angriffe vorbei.
Alaba kommt auf Touren
Trotzdem hatte der Bayern-Youngster in den seltenen guten Szenen der ÖFB-Auswahl immer seine Füße mit im Spiel. So auch mit einem guten Steilpass (30.) auf Weimann, der sich vor dem irischen Keeper David Forde (Millwall) nicht in Schussposition bringen konnte. Unmittelbar davor (29.) hatten Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew) und Christian Fuchs (Schalke) hinten die Ordnung verloren, so dass Irlands Kapitän Robbie Keane (L. A. Galaxy) mit einem Schuss aus spitzem Winkel beinahe die lange Ecke gefunden hätte.

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Alaba war nach Anlaufschwierigkeiten Dreh- und Angelpunkt im Spiel
Auch bei einem Versuch von Anthony Pilkington (33.) fehlte neben der linken Stange nicht viel, nachdem sich Baumgartlinger und György Garics (Bologna) im eigenen Strafraum hatten ausspielen lassen. Zumindest kam Alaba jetzt immer besser in die Partie: Zweimal (35. und 38. Minute) brach er durch und prüfte Forde mit gut angetragenen 20- bis 25-Meter-Weitschüssen. Der Abpraller nach dem zweiten landete bei Harnik, der den irischen Torhüter aber direkt anschoss. Das 0:0 zur Pause war für beide Mannschaften zu wenig - alles war offen.
Koller bringt Arnautovic nach einer Stunde
Der ÖFB-Teamchef sah sich im Angriff jedenfalls noch nicht zum Handeln gezwungen. Koller nahm in der Halbzeit nur eine Änderung vor und brachte Christoph Leitgeb (Salzburg) statt Kavlak, den seine malträtierte Nase sichtlich geplagt hatte. Außer ein paar Härteeinlagen im Mittelfeld tat sich in den ersten Minuten der zweiten Hälfte wenig. Koller und Trapattoni zeigten in den Coachingzonen vollen körperlichen Einsatz, doch die Spieler konnten ihre Anweisungen nicht adäquat umsetzen. So sank das Niveau der Partie rapide ab.
Erst ein ansatzloser 30-Meter-„Kracher“ von Irland-Verteidiger Marc Wilson (55.) knapp über die Latte brachte das Match wieder halbwegs in Schwung. Wilson legte mit einem direkten Freistoß nach (58.), erneut zog der Ball nur hauchdünn über Almers Tor hinweg. Nach einer Stunde hatte Koller dann von Österreichs Harmlosigkeit genug. Burgstaller musste Arnautovic Platz machen - der startete mit einem Fehlpass und einer Flanke hinter das Tor nicht gerade berauschend.
Lähmung hält an - Weimann vergibt Hundertprozentige
Je länger die Partie dauerte, desto verkrampfter agierten die bemühten, aber teilweise planlos wirkenden Hausherren. Von offensivem Pressing wie in den Heimspielen gegen Deutschland und Schweden war weiter nichts zu sehen. Ein erlösendes Tor musste her, doch auch als ihm Weimann in der 66. Minute ganz nahe kam, wollte es nicht fallen. Fuchs hatte bei seiner ersten guten Offensivaktion den Querpass von links gegeben, doch Weimann scheiterte aus vollem Lauf beinahe exakt vom Elfmeterpunkt an Goalie Forde.
Dann setzte der glücklose England-Legionär den blass gebliebenen Harnik (70.) mit einem Lochpass in Szene, aber dessen Schuss aus spitzem Winkel fand ebenfalls nicht den Weg ins Netz. Schließlich kam noch Janko für Weimann, und der Druck der Österreichs wurde mit jeder Minute größer. Als ein Weitschuss von Baumgartlinger (76.) knapp vor der Linie abgeblockt wurde und Harnik mit dem Nachschuss erneut an Forde zerbrach, hielt es keinen Zuschauer mehr auf dem Sitz. Im Finish sollte, ja musste noch ein Treffer gelingen.
Dramatik im Finish - Alaba wird Matchwinner
Die Iren spielten die Zeit relativ clever herunter, noch blieben den Gastgebern aber 15 Minuten. Alaba und Co. drückten verzweifelt auf das Siegestor - und es blieb dem zum Spielmacher umfunktionierten Außenverteidiger der Bayern vorbehalten, Österreich in der 84. Minute sportlich zu erlösen. Fuchs brachte einen Pass von rechts flach vor das Tor, Janko ging ins Getümmel am Fünfmeterraum. Von dort gelangte der Ball zu Alaba, und der 21-Jährige hämmerte den Ball aus etwa sieben Metern Entfernung mit voller Kraft unter die Latte.

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Die 84. Minute: Alaba findet die Lücke im irischen Abwehrriegel
Es war ein Schuss der Befreiung, der das Happel-Stadion endgültig zum Kochen brachte. Alabas bereits fünftes Tor in der WM-Qualifikation war erneut ein extrem wichtiges. Schon in Dublin hatte er wenige Augenblicke vor dem Schlusspfiff das Tor zum 2:2-Endstand erzielt. Wie damals waren die Iren auch jetzt schockiert. Trapattoni versuchte noch einmal, Keane und Co. aufzubauen und nach vorne zu schicken. Doch die Österreicher brachten die Führung über die Zeit. Das große „Finale“ in Schweden kann kommen.
Harald Hofstetter, ORF.at
WM-Qualifikation, Gruppe C
Dienstag:
Österreich - Irland 1:0 (0:0)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 Zuschauer (ausverkauft), SR Benquerenca (POR)
Tor: Alaba (84.)
Gelbe Karten: O’Shea, Dunne
Aufstellungen:
Österreich: Almer - Garics, Prödl, Dragovic, Fuchs - Kavlak (46./Leitgeb), Baumgartlinger (60./Arnautovic) - Harnik, Alaba, Burgstaller - Weimann (73./Janko)
Irland: Forde - Coleman, O’Shea (49./Clark), Dunne, Wilson - Walters, McCarthy, Green, Pilkington (73./McCLean) - Keane, Long (81./Sammon)
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