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„Einen wie mich wird es nie mehr geben“

Im Alter von 41 Jahren und 327 Tagen hat Christopher Horner am Sonntag mit dem Gesamtsieg bei der Vuelta den Eintrag in die Geschichtsbücher des Radsports geschafft. Noch nie vor ihm konnte ein Profi in diesem Alter bei einer der drei großen Länderrundfahrten das Leadertrikot tragen, geschweige denn sie gewinnen. Horner ist dieses Kunststück nun gelungen. Die Schlussetappe gewann am Sonntag in Madrid der Australier Michael Matthews im Massensprint.

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RadioShack-Routinier Horner, den im Frühjahr eine Knieverletzung schachmatt gesetzt hatte, hat sein Meisterstück bei der 68. Spanien-Rundfahrt abgeliefert - als erster US-Amerikaner. In einem denkwürdigen Duell rang Horner seinen Hauptkonkurrenten Vincenzo Nibali an den nebelverhangenen, bis zu 23,5 Prozent steilen Rampen des Angliru auf der vorletzten Etappe endgültig nieder. „Es kam mir vor, als hätte Nibali auf den letzten zwölf Kilometern zehn- oder 20-mal attackiert“, sagte er.

Chris Horner

APA/EPA/Javier Lizon

Ein Gläschen in Ehren konnte Horner am Sonntag nicht verwehren

Nibali scheitert im Hochgebirge

Am Samstag hatte er den Sizilianer, der im Mai in souveräner Manier den Giro d’Italia gewonnen und lange Zeit auch wie der Vuelta-Sieger ausgesehen hatte, erneut im Hochgebirge distanziert. Zwei Betreuer nahmen ihn in die Mitte und mussten ihn stützen, nachdem Horner auf dem Angliru auf Platz zwei hinter dem nur 57 Kilogramm leichten und 20 Jahre jüngeren Tagessieger Kenny Elissonde aus Frankreich im Zickzackkurs durchs Ziel gefahren war.

„Einen Typ wie mich, der in diesem Alter eine Grand Tour gewinnt, wird es vielleicht nie mehr geben“, schwärmte Horner, der von 2009 bis 2011 mit Lance Armstrong in einer Mannschaft fuhr, von sich selber bereits am Samstag. Als er im Frühjahr verletzt zu Hause saß, hatte er seinem elfjährigen Sohn versprechen müssen, seine Karriere nicht zu beenden. Der eindrucksvolle Sieg in Spanien dürfte Horner, der seine Gala in Spanien mit nur 14 Renntagen in den Beinen startete, beste Verhandlungsargumente geliefert haben. Bis zum Wochenende hatte er, der seinen ersten Profisieg im Alter von 29 einfuhr, noch keine konkreten Vertragsangebote für 2014 vorliegen.

Schlagabtausch auf dem Angliru

Nibali, der am Freitag das Rote Trikot des Spitzenreiters an seinen nimmermüden Widersacher abtreten musste, kämpfte am Samstag ebenfalls bis zum Umfallen um seine letzte Chance. „Mehr ging nicht, ich habe alles versucht. Das war eine große Schlacht“, sagte der Astana-Kapitän, der nach einer seiner zahlreichen Attacken drei Kilometer vor dem Ziel nach vorne im Nebel verschwunden war - die Entscheidung schien zu seinen Gunsten gefallen zu sein.

Aber nicht einmal eine Minute später war Horner wie ein böser Schatten wieder an seinem Hinterrad. „Von der Couch aus gesehen, war das bestimmt eine große Show“, meinte Horner über den erbitterten Kampf Mann gegen Mann. Der auf Rang drei platzierte Spanier Alejandro Valverde war dabei nur ein besserer Statist. Die „Gazzetta dello Sport“ attestierte Nibali immerhin das „Kämpferherz eines Löwen“.

Ruhe ist jetzt die erste Pflicht für den strapazierten Nibali. In 14 Tagen will er in Florenz einen Heimsieg feiern und erster italienischer Straßenweltmeister nach Alessandro Ballan 2008 werden. Der Kurs wurde ihm quasi auf den Leib geschneidert. Aber die Konkurrenz, angeführt von Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome aus Großbritannien, wird auch in der Toskana unerbittlich zur Sache gehen.

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