„Wir müssen wach sein“
Die ÖFB-Fans im Flugzeug nach Stockholm haben sich bereits mit „Auswärtssieg“-Rufen auf das wohl entscheidende Duell in der WM-Qualifikation gegen Schweden am Freitag (20.45 Uhr) in der Friends Arena eingestimmt. Auch Schwedens Kicker wissen bereits, was auf sie zukommt. Vor allem David Alaba beschäftigt Medien und Spieler gleichermaßen. Das ÖFB-Team wird hingegen als „Mini-Deutschland“ bezeichnet.
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Auf der Zugfahrt von Stockholms Flughafen Arlanda, 40 Kilometer nördlich von Schwedens Hauptstadt gelegen, führt der Weg dann direkt an der voriges Jahr eröffneten Arena im Vorort Solna vorbei. Das Dach des Stadions war bei regnerischem Wetter und zehn Grad noch geschlossen. Ob es Freitagabend geöffnet wird, wird erst entschieden, in Absprache der beiden Teams und des UEFA-Verantwortlichen. 50.000 Fans haben in der topmodernen Multifunktionsarena bei Fußballspielen Platz, zumindest 2.500 davon sollen aus Österreich kommen und die notwendige Unterstützung liefern.
Zlatans Wohnzimmer
Ein Sieg würde Österreich auf dem Weg zur WM 2014 in Brasilien noch einen großen Schritt weiter bringen. Ein Remis würde auch für Gruppenplatz zwei hinter den überlegenen Deutschen reichen, wenn es in den verbleibenden Gruppenspielen am Dienstag zwischen Österreich und den Färöern sowie Schweden und Deutschland zu keinen Überraschungen kommt. Zu hoffen gilt daher, dass Österreichs Fans nicht eine Wiederholung jener Show mitansehen müssen, die Schwedens Topstar Zlatan Ibrahimovic im Eröffnungsspiel am 14. November 2012 gegen England abgezogen hat.

GEPA/Bildbyran/Lennart Mansson
„Heja sverige“: Ibrahimovic’ Fallrückzieher beim 4:2 gegen England
Alle schwedischen Tore erzielte der Stürmer von Paris Saint-Germain damals beim 4:2-Sieg des „Tre kronor“-Teams. In die Fußballgeschichte ging vor allem sein vierter Treffer ein, ein punktgenauer Fallrückzieher aus 50 Metern. So ein Kunststück hat Österreichs Aushängeschild David Alaba noch nicht vollbracht. Glaubt man den Kommentaren und Kommentatoren in schwedischen Medien, dann trauen die Skandinavier dem Bayern-Jungstar aber zumindest Ähnliches zu.
Schwedens Bedrohung
Die Aufmerksamkeit, die dem 21-jährigen Wiener entgegengebracht wird, ist für heimische Verhältnisse erstaunlich. „Aftonbladet“, Schwedens auflagenstärkste Boulevardzeitung, erklärte seinen Lesern sogar, dass Alaba letztes Wochenende beim Oktoberfest in München kein Bier, sondern nur das alkoholfrei Mischgetränk Spezi getrunken habe - inklusive Erklärung, was denn ein Spezi ist. „Er ist eine große Bedrohung für uns“, meinte auch Reine Almqvist gegenüber dem schwedischen TV-Sender svt.
Der ehemalige Teamspieler war für Schwedens Teamchef Erik Hamren als „Österreich-Spion“ unterwegs und wusste zu berichten, dass die Österreicher sicher nicht „feige spielen“ werden. Almqvist hat das gestiegene Selbstvertrauen im ÖFB-Team registriert. Immerhin hat Schweden in der WM-Quali 2014 bisher nur gegen Österreich verloren. „Sie kommen hierher, um zu spielen. Österreich wird auf Konter spielen. Sie denken, dass sie gut genug sind, um gegen uns bestehen zu können.“
Fast wie Deutschland
Für den ehemaligen Stürmer drängte sich bei der Analyse der rot-weiß-roten Kicker auch ein Vergleich auf: „Ich nenne sie ein Mini-Deutschland.“ Die Art und Weise, wie das ÖFB-Team agiere, sei ähnlich jener der Löw-Elf, nur: „Die Deutschen haben die besseren Spieler“, so Almqvist. Lediglich Alaba hebe sich von dem Kollektiv der Österreich ab. „Er ist so variabel und läuft sehr viel. Da müssen wir wach sein und aufpassen.“
Auch Sunderland-Mittelfeldspieler Sebastian Larsson warnte vor Alaba: "Er ist ein fantastischer Spieler. Er steuert Österreichs Spiel sehr gut, und wir werden ein Auge auf ihn haben. Teamchef Hamren wollte hingegen verständlicherweise die Partie nicht zum Duell zwischen Ibrahimovic und David Alaba hochstilisieren. „Im Fußball spielt nicht einer gegen einen, sondern elf gegen elf. Ibrahimovic ist einer der besten Fußballer der Welt, aber er kann nicht alleine spielen.“
„Das wird ein hartes Duell“
Hamren erwartet einen Fight auf Biegen und Brechen um einen Platz im WM-Play-off. „Es spielen zwei gleich starke Mannschaften. Das wird ein hartes Duell, ein echter Kampf“, prophezeite der 56-Jährige. Hamren schwärmte fast von der ÖFB-Auswahl. „Die Österreicher haben viele gute Spieler bei guten Clubs. Das ist eine Mannschaft, die noch besser wird, weil sie sehr jung ist.“
Daher macht sich Hamren auf eine harte Gegenwehr der ÖFB-Auswahl gefasst. „Noch sind wir nicht am Ziel. Wir wissen, dass es gegen Österreich sehr schwer wird, und müssen daher unser Bestes geben. Ich erwarte, dass sie wieder eine große Herausforderung darstellen, insbesondere, weil sie ja selbst noch mit uns im Rennen um das Weiterkommen sind“, sagte Hamren.
Ein Spiel für Träume
Positiv stimmt den seit fast vier Jahren amtierenden Coach die Tatsache, dass seine Truppe in der laufenden WM-Qualifikation schon öfters einen Rückstand - so etwa ein 0:4 in Deutschland oder ein 0:1 in Irland - umgedreht hat. Wenn das auch gegen Österreich passiert, dann könnte die schwedische Boulevardzeitung „Expressen“ doch recht gehabt haben.
Sie ließ auf das österreichische Teamquartier in einem Park in der Nähe des Stadions einen unfreundlichen Willkommensgruß projizieren. „Am Freitag wird euer Traum zu Ende sein“, war zu lesen. Oder der „Expressen“ muss von einem gelb-blauen Alptraum berichten, wenn Alaba mit einem Fallrückzieher von der Mittelinie zum 1:0 in der 90. Minute trifft. Aber das sind vorerst noch rot-weiß-rote Träume.
Martin Wagner, ORF.at aus Stockholm
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