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„Gemma Burschen, die pack’ ma ein“

Wenn an einem nebelverhangenen Dienstagvormittag im Oktober in Wien-Favoriten um 11.00 Uhr 2.500 Menschen in einem Fußballstadion sitzen, dann kann nur die Austria U19 spielen. Die „Jungveilchen“ lieferten in der UEFA Youth League auch gegen Atletico Madrid eine Talentprobe ab und mussten sich nach einer 3:1-Pausenführung mit einem Mann weniger mit einem 3:3 begnügen.

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Mit zwei 3:0-Erfolgen gegen den FC Porto und Zenit St. Petersburg war die Austria in die Gruppe G der Nachwuchs-Champions-League gestartet und hatte damit nicht nur in Österreich für Aufsehen und Interesse gesorgt. Auch in diesem Spiel waren die Austrianer selbst ohne fünf bei der U17-WM weilenden Leistungsträger die bessere Mannschaft, agierten vor der Pause wie aus einem Guss, zermürbten den Gegner mit präzise ausgeführten Angriffen, leisteten sich in der Defensive keine Unkonzentriertheiten.

Ballannahme von Wildni Sandro (Austria)

ORF.at/Carina Kainz

Mit 2.500 Fans im Rücken spielte in der ersten Hälfte nur die Austria

„Gemma Burschen, die pack’ ma ein“, feuerten die begeisterten Fans den violetten Nachwuchs an, und die Austria-Youngsters gerieten erst nach der umstrittenen Gelb-Roten von Dominik Prokop in der 53. Minute spielerisch ins Hintertreffen. Die Mannschaft von Trainer Herbert Gager zog sich in die eigene Hälfte zurück und kassierte nach einem Eigentor durch Sandro Widni (69.) das 2:3 und schließlich in der Nachspielzeit durch Roberto Nunez (91.) noch das bittere 3:3.

„Waren in allen drei Spielen besser“

Die Austria-Treffer in der Generali Arena erzielten bereits vor der Pause Valentin Grubeck mit einem gefühlvollen 17-Meter-Lupfer über Madrid-Goalie Santiago Canedo (8.), der durchschlagskräftige Stürmer Benjamin Koglbauer (23.) und Kapitän und Schaltstelle Peter Michorl (25.). Die ebenfalls spielstarken Gäste antworteten mit einem energischen Solo von Kapitän Sergio Gonzalez, der zum 1:1 traf (11.).

Die Wiener führen die Gruppe G mit sieben Punkten vor Atletico und Porto (je vier Zähler) und St. Petersburg (ein Punkt) an und befinden sich zur Halbzeit der Gruppenphase weiter auf Achtelfinal-Kurs.

Benjamin Koglbauer (Austria) gegen Sergio „Gonzalez (Athletico)

ORF.at/Carina Kainz

Austria-Stürmer Koglbauer sorgte in der ersten Hälfte für viel Schwung

„Die erste Spielhälfte war unglaublich gut“, bilanzierte Trainer Gager. „Dann hat sich leider der Schiedsrichter eingemischt, da kann man halt leider nichts dagegen machen“, ärgerte sich der ehemalige ÖFB-Teamspieler, der nach den ersten drei Partien der Youth League meinte: „Unglaublich, wir waren in allen drei Spielen die bessere Mannschaft.“

Viele Spieler mit Potenzial

Die Leistung der Austria ist umso bemerkenswerter, gingen die Wiener doch stark ersatzgeschwächt in die Partie. Mit Petar Gluhakovic, Michael Endlicher, Sascha Horvath, Marko Kvasina und Nikola Zivotic sind fünf violette Leistungsträger im aktuellen U17-WM-Aufgebot der Österreicher in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Da es in Österreich keine eigene U19-Meisterschaft gibt, ist die Austria-Elf aus verschiedenen Nachwuchsteams und Amateurspielern zusammengewürfelt. Diesmal standen mit Prokop und Nihad Hadzikic sogar zwei 16-Jährige in der Startelf.

Beide, aber noch mehr Hadzikic, zeigten eine starke Leistung. Ein Beweis dafür, wie gut derzeit die Nachwuchsarbeit der Austria ist. Viele Spieler mit Potenzial tummeln sich in den violetten Akademien. Die spanischen Gegner waren nicht nur alle ungefähr einen Kopf größer als ihre violetten Gegenspieler, sie waren im Mannschaftsschnitt auch rund ein Jahr älter. Ein Umstand, der auch die Austria-Betreuer zufrieden bilanzieren ließ: „Bei elf gegen elf habe ich nicht viel gesehen von Atletico Madrid. Einige Chancen, aber nichts Zwingendes. Mit zehn gegen elf war es dann anders.“

Umstrittener Ausschluss

Der slowenische Schiedsrichter hatte es die gesamte Spielzeit über nicht allzu gut mit den Violetten gemeint. Im Zweifelsfall für Atletico schien sein Motto zu sein. So auch beim mehr als fragwürdigen Ausschluss von Prokop. Für eine vermeintliche Schwalbe rund 30 Meter vor dem Tor zückte der Referee zum zweiten Mal Gelb für den 16-jährigen Austrianer. Wütende Proteste beim Austria-Anhang und völliges Unverständnis bei Spielern und Betreuern waren die Folge.

Foul an Dominik Prokop (Austria) von Ignacio Buil (Athletico)

ORF.at/Carina Kainz

Bei dieser Szene entschied der Schiedsrichter auf Schwalbe von Prokop (re.)

„Extrem positiv überrascht“

Der Ärger über den Ausschluss und den späten Ausgleich war im Lager der Austrianer groß. Der Stolz über die gezeigten Leistungen war aber dann doch größer. „Wir haben alles gegeben“, so Gager. „Da kann uns keiner böse sein, dass wir noch den Ausgleich kassiert haben. Das hätte ja in Österreich keiner geglaubt, dass wir da so mithalten können.“ Auch Ralf Muhr, Leiter der Austria-Nachwuchsakademie, war hochzufrieden: „Wir haben bisher eine hervorragende Visitenkarte für Österreich und speziell für die Austria abgegeben. Ich bin extrem positiv überrascht, dass wir mit Spitzenteams aus Portugal und Spanien auch technisch auf Augenhöhe sind“, freute sich Muhr.

„Unsere Leistungen haben Aufmerksamkeit erregt. Es hat Zeiten gegeben, da hatte die Austria selbst in Meistersaisonen der Kampfmannschaft keine 2.500 Zuschauer“, so Gager, der die Youth League als „unbezahlbare Erfahrung“ für sein Team bewertet. Die gute Ausgangslage will man nun im kommenden Auswärtsmatch am 6. November in Madrid gegen Atletico verteidigen. Ob die U17-WM-Starter dann wieder dabei sein werden, hängt vom weiteren Abschneiden des ÖFB-Teams in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Das kann beim aktuellen Zustand des heimischen Fußballnachwuchses durchaus positiv sein.

Martin Wagner, ORF.at

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