Themenüberblick

Teamchef will „Projekt weiterführen“

Österreichs Nationalmannschaft bleibt auch weiterhin unter der Führung von Teamchef Marcel Koller. Der Schweizer, der als aussichtsreichster Kandidat für den Trainerposten in seiner Heimat gegolten hatte, entschied sich für eine weitere Zusammenarbeit mit dem ÖFB und unterschrieb einen Vertrag bis Ende 2015 mit Verlängerungsoption.

„Dies war, auf den Fußball bezogen, die schwierigste Entscheidung, welche ich in meiner Karriere treffen musste. Ich habe vor zwei Jahren dieses Projekt beim ÖFB begonnen und ich will es weiterführen“, wird Koller in einer ÖFB-Aussendung zitiert. Koller entschied sich damit gegen ein Engagement als Teamchef in der Schweiz, wo Ottmar Hitzfeld sein Amt nach der WM 2014 in Brasilien niederlegt.

Marcel Koller mit ÖFB-Spielern

ORF.at/Christian Öser

Koller will „das begonnene Projekt beim ÖFB weiterführen“

Der ÖFB besiegelte am Mittwoch die weitere Zusammenarbeit auf zumindest zwei weitere Jahre. Kollers alter Vertrag wäre mit Jahresende ausgelaufen, der neue Kontrakt läuft bis Dezember 2015 mit einer automatischen Verlängerung bis nach der EM 2016 in Frankreich im Falle einer erfolgreichen Qualifikation des ÖFB-Teams.

ÖFB-Präsident Windtner hocherfreut

Damit wurde auch dem Wunsch der Teamspieler, die sich vehement für einen Verbleib des 52-Jährigen ausgesprochen hatten, nach langem Hin und Her entsprochen. Koller wird beim nächsten freundschaftlichen Länderspiel gegen die USA am 19. November in Wien also wieder auf der Bank sitzen.

ÖFB-Präsident Leo Windtner, der am Sonntag noch von einer 50:50-Chance für einen Verbleib des Trainers gesprochen hatte, zeigte sich hocherfreut. „Ich bin sehr froh, dass die Entscheidung für den Weg mit Marcel Koller gefallen ist. Der ÖFB steht für Kontinuität - und diese ist mit dieser Entscheidung des alten und neuen Teamchefs gegeben. Ich sehe diese Entwicklung für die Mannschaft, aber auch für den ÖFB und unsere Fans sehr positiv“, betonte der Oberösterreicher.

„Wir werden mit voller Kraft die Qualifikation für das nächste Großereignis in Frankreich angehen - und ich bin überzeugt, dass dieses Team unter seiner professionellen Führung sehr gute Chancen hat, die nächste EM Endrunde zu erreichen“, blickte Windtner optimistisch in die Zukunft.

Jubel bei den Teamspielern

Jubel herrschte auch bei den Spielern. „Good news from ÖFB ... Happy!“, twitterte Marc Janko. Sebastian Prödl meinte: „Nicht nur ich und die Spieler, ganz Österreich hat Grund zur Freude. Das ist eine wichtige und gute Entscheidung für unseren Fußball. Er hätte Teamchef in seiner Heimat werden können und hat sich für Österreich entschieden, das muss man ihm hoch anrechnen.“

Welch hohe Meinung die ÖFB-Kicker von Koller haben, zeigte sich schon rund um das Färöer-Match vor zwei Wochen, als ein Abgang des Schweizers noch wahrscheinlich schien. Schon damals meinten etwa Christian Fuchs und Martin Harnik, ein Abschied Kollers wäre „fatal“, man müsse in diesem Fall wieder bei Null beginnen.

Skeptiker eines Besseren belehrt

Dieses Szenario bleibt dem ÖFB nun erspart, weil sich Koller gegen einen wohl besser dotierten Vertrag bei der Nummer sieben der Weltrangliste und für die Nummer 53 im FIFA-Ranking entschied. Beim Amtsantritt des ehemaligen Schweizer Teamspielers im November 2011 war Österreich noch um 18 Ränge schlechter klassiert.

Vor seiner überraschenden Bestellung war Koller zwei Jahre ohne Job gewesen - ein Grund mehr für viele einflussreiche Personen im österreichischen Fußball, diese Personalentscheidung heftig zu kritisieren. Die Skeptiker wurden aber eines Besseren belehrt, denn die Handschrift des Schweizers zeigte sich schnell.

Klare Linie mit Vor- und Nachteilen

Die ÖFB-Auswahl wirkte unter Koller strukturierter, agierte mit koordiniertem Pressing und schnellem Umschaltspiel und konnte sich vor allem in Pflichtspielen stabilisieren. Das hatte nicht nur mit einer klaren Spielphilosophie zu tun. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger legte sich Koller schnell auf einen Stamm fest, Änderungen im Teamkader gab es zumeist nur wegen Verletzungen und Sperren. Das brachte den Vorteil, dass die Spieler genau über Kollers Vorstellungen Bescheid wussten, allerdings auch den Nachteil einer mangelnden „Durchlüftung“ durch frische Kräfte. Außerdem geriet er durch seine Fixierung auf einen bestimmten Personenkreis in die Situation, Spieler einsetzen zu müssen, denen monatelang die Matchpraxis fehlte.

Diesen Umstand führte Koller selbst als möglichen Grund für das Verpassen des WM-Play-offs an - ebenso wie die Tatsache, zu wenig Zeit zum Arbeiten mit der Mannschaft zu haben. Langeweile ließ der akribische Arbeiter trotz des fehlenden täglichen Trainings aber nie aufkommen: Laut ÖFB-Mitarbeitern spulte Koller sehr oft 50-Stunden-Wochen im ÖFB-Büro ab, wo er an Matchplänen und Gegneranalysen tüftelte. Danach ging es am Wochenende auf Beobachtungstour in österreichische und vor allem deutsche Stadien.

Auch durch dieses Arbeitsethos wurde Koller für den Schweizer Verband und den 1. FC Nürnberg interessant und schaffte, was nur sehr wenigen vor ihm gelang - seinen Marktwert während der Zeit als österreichischer Teamchef zu steigern.

Links: