Rang vier reicht zum Titel
Während in der Formel 1 mit Sebastian Vettel der Weltmeister bereits zwei Rennen vor Schluss feststeht, kommt es in der Königsklasse der Motorräder am Wochenende zu einem Showdown um den WM-Titel. Shootingstar Marc Marquez geht mit 13 Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger Jorge Lorenzo in das letzte Rennen der Saison in Valencia. Für Marquez geht es darum, Sportgeschichte zu schreiben.
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Das 20-jährige Jahrhunderttalent könnte sich zum jüngsten MotoGP-Weltmeister der Motorradgeschichte krönen. Ein vierter Platz genügt dem Spanier, um den Amerikaner Freddie Spencer als jüngsten Champion abzulösen. Der holte sich 1983 im Alter von 21 Jahren den Titel. Spencer kündigte sich bereits als erster Gratulant an, sollte Marquez ihn in der Rangliste ablösen. „Das wäre großartig und auch wichtig für den Grand-Prix-Sport“, sagte der 51-jährige US-Amerikaner, „und das meine ich ehrlich.“

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Nur noch Lorenzo (r.) kann Marquez den WM-Titel streitig machen
Marquez gewann heuer sechs Rennen, davon im August und September vier in Serie. Schon beim Grand Prix in Austrialien am 20. Oktober hätte er den Sieg fixieren können. Dort führte jedoch ein Missgeschick der Boxencrew zu seiner Disqualifikation. Sein Konkurrent Lorenzo nutzte wie auch eine Woche später in Japan die Gunst der Stunde und sorgte für ein Finale in Valencia. Zum 16. Mal seit ihre Einführung 1949 wird eine Weltmeisterschaft erst im letzten Rennen entschieden. „Ich glaube, Marc und ich können sehr stolz darauf sein, dass zwei Spanier um den Titel kämpfen“, sagte Lorenzo.
„Aggressiv mit extremem Risiko“
Der zweifache Weltmeister fand aber nicht immer so nette Worte für seinen jungen Kontrahenten. Denn Höflichkeit und Respekt vor anderen sind neben seinem ansteckenden Lachen nur abseits der Rennpisten die auffälligsten Merkmale von Marquez, der bereits mit 15 sein Debüt auf den WM-Strecken dieser Welt gab. Steigt der 20-Jährige mit dem „Babyface“ aber auf seine 250 PS starke Honda, kennt er weder Freund noch Feind. Dann zählt nur eines: der Sieg. Dabei geht er auch wegen seines jugendlichen Leichtsinns oft über die Grenzen hinaus - zum Leidwesen und Unmut der Konkurrenz.
Auf dem Motorrad ist er gnadenlos, hat vor nichts und niemandem Angst. Marquez überholt auch dort, wo es unmöglich scheint. Seine waghalsige Fahrweise, mit der er zahlreiche Kollisionen verschuldete, ist deshalb umstritten. „Er fährt ständig aggressiv mit extremem Risiko. Damit bringt er sich und seine Gegner in Gefahr“, sagte Lorenzo einmal. Anfang Oktober in Sepang platzte Lorenzo wegen des Stils seines Landsmannes der Kragen. Dass die Rennleitung den Neuling wegen dessen rücksichtsloser Manöver nicht härter bestrafte, brachte den Titelverteidiger auf die Palme.
Auf den Spuren des „Dottore“
Valentino Rossi, neunmaliger Champion und großes Vorbild von Marquez, outete sich hingegen als Fan des jungen Spaniers. „Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten.“ Abgehoben ist Marquez trotz der Lorbeeren aber nicht: „Es ist eine Ehre für mich, mit ihm und den anderen gemeinsam Rennen zu fahren. Für mich ist ein Kompliment von Valentino das Größte, denn er ist schon seit meiner Kindheit ein Held für mich.“ Marquez legt sich wie einst Rossi die Kontrahenten zurecht und kopierte zum Teil die berühmt-berüchtigten Manöver des Italieners.

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Marquez’ aggressiven Fahrstil bekam auch Vorbild Rossi (r.) heuer zu spüren
So in Jerez, als er in der nach seinem Landsmann Lorenzo benannten Kurve ausgerechnet diesen kurz vor dem Ziel ausbremste und an der Grenze zur Unfairness von der Ideallinie brachte. Rossi hatte das 2005 mit dem damaligen spanischen Helden Sete Gibernau getan. Doch auch Rossi selbst wurde zum Opfer des jungen Spaniers: In Laguna Seca schlüpfte Marquez im berühmten „Corkscrew“ im Staub neben der Piste an dem italienischen „Dottore“ vorbei - eine Aktion, mit der Rossi 2008 den Australier Casey Stoner düpiert hatte.
Spanische Dominanz
Während sich Rossi dem Ende seiner glanzvollen Karriere nähert, läutet Marquez mit seinem möglichen WM-Titel in der MotoGP nach dem Gewinn der 125-Kubizentimeter-Klasse (2010) und der Moto2 (2012) laut Meinung vieler Experten eine neue Ära ein. Er bricht einen Rekord nach dem anderen. Er könnte der erste Rookie nach Kenny Roberts vor 35 Jahren sein, der gleich in seiner Premierensaison Champion in der Königsklasse wird. Marquez schaffte im Alter von 20 Jahren und 196 Tagen als jüngster Fahrer seinen 50. Podestplatz. Er fuhr bisher in 15 von 17 Saisonrennen auf das Podium und holte neben seinen sechs Siegen acht Polepositions, so viele wie kein anderer vor ihm.
Eines ist schon vor Valencia klar. Spanien stellt in allen drei Motorradklassen den Weltmeister. Denn neben Marquez oder Lorenzo geht der Titel in der Moto2-Klasse mit Pol Espargaro ebenfalls an einen Spanier. Und auch in der Moto3-Klasse wird für den Weltmeister die spanische Hymne gespielt werden, entweder für Luis Salom, Maverick Vinales oder Alex Rins. Einzig der Engländer Scott Reading, Zweiter in der Moto2-Klasse, verhindert, dass nicht auch die restlichen Podestplätze in allen Kategorien von Spaniern besetzt sein werden.
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