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Zukunft nach Olympia ist offen

Gregor Schlierenzauer startet am Wochenende in Klingenthal in seine siebente volle Saison. Mit 23 Jahren hat der Weltcup-Titelverteidiger bereits fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nur eine Sache fehlt noch in der Sammlung: Einzel-Gold bei Olympia. Im Februar in Sotschi will der Tiroler dieses Versäumnis nachholen - und sich dann Gedanken über seine weitere sportliche Zukunft machen.

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Am 9. Februar hat Schlierenzauer in Krasnaya Polyana beim Bewerb von der Normalschanze die erste Chance auf Gold. „Das muss das Ziel sein, das will ich auch erreichen. Ich werde versuchen, Richtung Februar in Topform zu sein, was dort passiert, steht aber in den Sternen“, sagte Schlierenzauer in einem APA-Interview. Einen Olympiasieg mit der Mannschaft hat er seit Vancouver 2010 bereits, in den Einzel-Bewerben holte der 23-Jährige bei seinen ersten Spielen zweimal Bronze.

Persönliches Team verstärkt

Allzu sehr auf Sotschi will sich Schlierenzauer aber nicht konzentrieren. Immerhin gibt es im Weltcup viel zu verteidigen. Gesamtsieg, Titel bei der Vierschanzentournee und auch der Ausbau seiner Bestmarke an Weltcup-Siegen (50) stehen auf der Agenda. Zu diesem Zweck stockte Schlierenzauer im Sommer sein persönliches Trainerteam auf. „Natürlich war ich extrem erfolgreich, aber es war mein Wunsch auch Richtung Olympia und danach, mit dem Stützpunkttrainer alles auf eine breitere Basis zu stellen, alles individueller anzulegen“, so der Tiroler.

Gregor Schlierenzauer im Windkanal

APA/Herbert Neubauer

Schlierenzauer übte auch wieder im Windkanal die optimale Position im Anlauf

Mit der bisherigen Vorbereitung war der 50-fache Weltcup-Sieger jedenfalls zufrieden („Es hat schon Früchte getragen“), von einer neuerlichen Dominanz will Schlierenzauer jedoch nichts wissen. „Sicher kann man sich nie sein, das ist ja das Schöne im Sport. Natürlich habe ich ein gewisses Selbstvertrauen und eine gewisse Routine, dass ich es kann. Die Hausaufgaben sind jedenfalls erledigt“, sagte der 23-Jährige. Sein Motto: „Ich schaue von Wettkampf zu Wettkampf, auch wenn es keiner mehr hören will.“

Rücktritt nach Olympia?

Über allem stehen aber die olympischen Sprungbewerbe. Und der Ausgang im Februar könnte auch für die weitere Karriere des 23-Jährigen entscheidend sein. Denn ob sich Schlierenzauer nach dem letzten fehlenden Stein in seinem Erfolgspuzzle weiter motivieren kann, ist genauso offen, wie die Frage, ob er es im schlimmsten Fall 2018 in Pyeongchang noch einmal versuchen wird. „Keine Ahnung, da bin ich sehr flexibel. Das ist auch ein Bauchgefühl, wenn ich Freude und Pfeffer im Hintern habe, dann werde ich bis dahin weitermachen“, sagte Schlierenzauer.

Der Tiroler wäre nicht der erste erfolgreiche Skispringer, der in jungen Jahren den Schanzen Lebewohl sagt. Auch der ehemalige nordische Sportdirektor Toni Innauer machte 1980 nach Olympiagold in Lake Placid im Alter von 22 Jahren Schluss. Allerdings war bei Innauer auch eine schwere Knöchelverletzung mit ein Grund aufzuhören. „Es kann passieren, dass ich einmal von der Bildfläche verschwinde“, so Schlierenzauer, der aber seine Fans noch beruhigt: „Ich bin nach wie vor sehr jung und auch erfolgshungrig. Wie gesagt, ich lasse mir das offen.“

Aufpassen auf die Deutschen

Die Konkurrenz wird jedenfalls alles daran setzen, dass Schlierenzauers Erfolgshunger bei Olympia und im Weltcup nicht gestillt wird. Der 23-Jährige stellt sich auch auf eine harte Saison ein. „Wenn man den Sommer-Grand-Prix beobachtet hat, dann weiß man, dass die Deutschen sich wieder weiterentwickelt haben und sehr, sehr stark waren. Sie werden ein Wörtchen mitreden“, sieht Schlierenzauer das Nachbarland als schärfste Konkurrenz, „und dann gibt es noch die üblichen Verdächtigen wie die Norweger und Polen, von denen ich Krzysztof Biegun neu auf der Rechnung habe.“

Nur die Konkurrenz im eigenen Lager, wie Andreas Kofler und Thomas Morgenstern, kann Schlierenzauer aufgrund seines verstärkten individuellen Trainings nicht so richtig einschätzen. „Das ist schwer zu sagen, ich habe mich vor allem auf mich konzentriert. Natürlich sind wir ein extrem erfolgreiches Team. Wir versuchen alle unser Bestes, damit das so bliebt“, so der Weltcup-Titelverteidiger, „es wird jedenfalls eine sehr interessante Saison.“

Nur vor einem fürchtet sich Schlierenzauer nicht: Janne Ahonen, der mit 36 zum zweiten Mal ein Comeback im Weltcup versucht. „Ich glaube nicht, dass er um den Sieg mitspringen kann, er hat nicht die neueste Technik. Er kann in die Top Ten, die Top Fünf oder mit Glück auf das Podest kommen“, so Schlierenzauer, der mit dem 13 Jahre älteren Ahonen immerhin eines gemeinsam hat: Auch der fünffache Tourneesieger aus Finnland durfte bei olympischen Spielen in den Einzel-Bewerben noch nie auf dem obersten Podest stehen.

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