„Unglaublich stolz“
Heiser war er und etwas aufgelöst: „Wenn wir das vorher gesagt hätten, hätte man uns eingeliefert“, rang Herbert Gager noch Minuten nach dem Abpfiff mit seinen Gefühlen. Der Austria-Nachwuchstrainer hatte soeben mit seiner U19-Mannschaft nach einem 2:1-Sieg über Zenit St. Petersburg den Aufstieg ins Achtelfinale der UEFA Youth League geschafft.
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Die „Jungveilchen“ stehen damit unter den Top 16 der Nachwuchsteams und können im Frühjahr im in nur einem K.-o.-Spiel ausgetragenen Achtelfinale auswärts auf Teams wie Barcelona, Real Madrid oder Chelsea treffen. Bayern München etwa ist ausgeschieden. Die Auslosung findet am Montag im Rahmen der Champions-League-Auslosung statt. „Für uns ist noch einiges möglich. Wenn wir so weiterspielen und immer unsere Tore machen, dann ist sogar das Finale drinnen. Warum auch nicht?“, demonstrierte Siegestorschütze Nikola Zivotic das violette Selbstvertrauen.
Die Könige der „Prinzenliga“
Fast 3.000 Menschen waren Mittwochvormittag nach Wien-Favoriten in die Generali-Arena gekommen, um die „jungen Wilden vom Verteilerkreis“ zu sehen. Sie sahen, wie diese auch in ihrem sechsten Spiel in der „Prinzenliga“ eine in allen Mannschaftsteilen engagierte und spielerisch starke Leistung ablieferten. Nach Zenits Führung durch Pawel Dolgow in der zwölften Minute traf Peter Michorl fünf Minuten später per Weitschuss zum Ausgleich.

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Torschütze Zivotic (li.) hat gut lachen, auch Tormann Hadzikic (Mi.) wird geherzt
Zivotic erzielte schließlich nach perfekter Vorarbeit von Kapitän Sachsa Horvath in der 70. Minute das umjubelte 2:1. „Ich bin unglaublich stolz, ich kann es gar nicht glauben“, suchte Austria-Tormann Osman Hadzikic nach den Jubelfeiern auf dem Feld nach Worten. Der 17-jährige gebürtige Bosnier, der Anfang nächsten Jahres die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen könnte, war neben den Leistungsträgern Horvath, Zivotic und Michorl der Matchwinner für die Wiener.
Freudentränen in den Augen
„Ich hatte Freudentränen in den Augen“, so Hadzikic, der mit seinen beeindruckenden Reflexen gegen den stets gefährlichen Zenit-Stürmer Dolgow eine Niederlage der Austria verhinderte. Die im Schnitt mindestens ein Jahr älteren und körperlich robusten St. Petersburger hatten den Austrianern zuvor alles abverlangt, die Russen präsentierten sich zum Glück für die Veilchen aber vor dem Tor als nicht konsequent.
„Der Gegner war sehr gefährlich“, meinte Coach Gager, „aber ich hatte nie Angst, dass wir verlieren könnten. Ich wusste, wir werden für unsere guten Leistungen belohnt“. Der ehemalige Austria-Spieler wünscht sich als nächsten Gegner den FC Barcelona. Obwohl ihm angesichts der tollen Kulisse in Favoriten ein Heimspiel lieber gewesen wäre. Die Austria-Verantwortlichen dachten sogar über ein Abendspiel nach, um noch mehr Zuseher in die Generali-Arena zu locken.
Atletico durchkreuzt Austrias Pläne
Diesen Plänen machte Atletico Madrid einen Strich durch die Rechnung. Durch den 3:2-Heimsieg nach langem 0:1-Rückstand sicherten sich die Spanier noch den Gruppensieg vor der Austria und damit das Heimrecht im Achtelfinale. Nach dem Achtelfinale wird auch das Viertelfinale in einem Spiel ausgetragen, dann folgt wahrscheinlich im April am Sitz der UEFA im Schweizer Nyon das Final Four der besten Teams.
Ob die Austria in dieser Bewerbsphase noch mitmischt, ist fraglich, aber nicht unmöglich. „Für uns ist noch einiges drinnen“, meinte auch ein stolzer Austria-Nachwuchschef Ralf Muhr, der die U19 nicht als „goldene Generation“, aber als außerordentlich gut zusammenpassende Mannschaft mit herausragenden Individualisten wie Horvath, Zivotic, Michorl und Tormann Hadzikic sieht. Optimal geführt und zusammengestellt von Trainer Gager.
„Blut geleckt“
Dennoch kommt der Erfolg der Austria überraschend, waren die Violetten in Anbetracht der iberischen Gegner doch als Außenseiter gestartet. Da die Austria kein eigenes U19-Team hält, wurden Spieler der Amateure mit Akteuren der U18-Auswahl zusammengewürfelt. Ausgerechnet hatten sich die Verantwortlichen deshalb wenig. „Wir sind stolz, dass wir im Konzert der Großen mithalten können“, so Muhr. "Das zeigt, dass wir eine gute Ausbildung haben. Wir haben national wie auch international Eindruck gemacht.

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Auch Trainer Herbert Gager (Mi.) feierte den Aufstieg ausgelassen
Nach einem 3:0 gegen Porto zum Auftakt entwickelte sich laut Trainer Gager aber eine gewisse „Eigendynamik“. „Wir sind im Schnitt ein Jahr jünger, das ist in diesem Altersbereich nicht zu unterschätzen. Durch den Sieg hat die Mannschaft Blut geleckt und gesehen, dass mit Leistung mehr möglich ist“, erklärte Gager bereits vor dem Aufstieg. „Aus sportlicher Sicht ist der Bewerb toll aufgegangen. Es war wichtig, sich im U19-Bereich mit Topmannschaften messen zu können“, sieht auch Muhr die positiven Seiten.
Belastung für Jungprofis kein Problem
Dass die Youth League auch zwiespältig aufgenommen wird, können die Austria-Verantwortlichen jedenfalls nicht verstehen. „Der einzige Kritikpunkt an dem Bewerb ist für manche die Gesamtbelastung und die schulische Belastung, die für manche Spieler entsteht. Für uns ist das so nicht gravierend, weil die Burschen haben den Ehrgeiz, das schulisch Versäumte nachzuholen. Die Reisebelastung haben wir gerne in Kauf genommen, nachdem wir so erfolgreich in die Youth League gestartet sind“, meinte Muhr.
Einziger Wermutstropfen: „Die Reisekosten werden zwar von der UEFA übernommen, aber leider keine Punkteprämien bezahlt. Schade, denn da hätten wir gar nicht schlecht verdient“, scherzte der violette Nachwuchschef nach elf Zählern in der Gruppenphase. In der Champions League hätte es dafür vier Millionen Euro Preisgeld gegeben. Doch für die Austria Talente zählt nur der Erfolg in der K.-o.-Phase der Youth League. „Jetzt kommen nur noch große Clubs, aber wir brauchen vor keinem Angst zu haben“, so Kapitän Horvath überzeugt.
Martin Wagner, ORF.at
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