„Mit guter Laune spielt man besser“
Der Fahrplan bis zum ersten EM-Spiel Österreichs am 12. Jänner gegen Tschechien steht. ÖHB-Teamchef Patrekur Johannesson steht im intensivsten Monat seiner bisherigen Trainerkarriere. In der Vorrundengruppe mit EM-Gastgeber und Titelkandidat Dänemark, Mazedonien sowie Tschechien muss man zumindest Dritter werden, um die Hauptrunde zu erreichen.
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Der Isländer überlässt in der Vorbereitung nichts dem Zufall. Höhepunkt ist ein hochkarätiges Turnier in Deutschland (3. bis 5. Jänner), wo man auf die DHB-Auswahl, Russland und Island trifft. Im Gespräch mit ORF.at formulierte der 41-Jährige seine Erwartungen, seine hohen Ansprüche an die Mannschaft und seine generellen Vorstellungen von erfolgreichem Handball. Als langjähriger Nationalspieler kennt er die Herausforderungen einer Endrunde. Im Interview vor dem EM-Start erklärt er, worauf es dabei ankommt.
ORF.at: Welches Gefühl haben Sie, wenn Sie an die Chancen Ihrer Mannschaft denken? Mit welchem Ziel fahren Sie nach Dänemark? Was ist realistisch und was wäre ein Traum?
Johannesson: Ich habe seit 2011 immer ein gutes Gefühl als Trainer von Österreich gehabt. Ich weiß, was wir können, wenn wir unsere maximale Leistung abrufen. Ich hoffe sehr, dass wir das bei der EM schaffen. Wir sind in einer starken Gruppe, und die meisten Experten denken, dass wir nicht weiterkommen. Unser Ziel ist es aber, in die Top Drei zu kommen und aufzusteigen. Dänemark ist Favorit, aber wir können unser Ziel erreichen, wenn wir bis zur EM alle Spieler gesund und in Topform haben. Es ist realistisch, dass wir weiterkommen, aber dazu muss alles klappen. Positiv denken ist wichtig - jedes Spiel fängt bei 0:0 an.
ORF.at: Sie haben die Gegner analysiert. Was erwartet Ihre Mannschaft? Kann man sagen, dass Tschechien und Mazedonien auf dem Level von Österreich spielen? Ist man gegen diese Teams sogar Favorit? Was sind deren Qualitäten? Ist die erste Partie gegen Tschechien gleich ein „Finale“?
Johannesson: Laut Ranking sind wir die Nummer vier in unserer Gruppe. Also können wir nicht sagen, dass wir gegen Tschechien und Mazedonien Favorit sind. Beide Mannschaften haben viele gute Spieler und waren schon oft bei einer EM oder WM dabei. Alle drei Gruppenspiele sind gleich wichtig. Wir müssen die Punkte holen, wenn wir weiterkommen wollen. Bei einer EM haben alle Teams Klasse. Ich schaue lieber darauf, was wir können, weil ich keinen Einfluss auf die anderen habe. Klar analysiere ich den Gegner, aber die Nummer eins ist, was meine Spieler machen - ich habe Einfluss auf mein Team.
ORF.at: Österreich spielt in einer Gruppe mit Favorit und Veranstalter Dänemark. Das heißt: große Halle, viele Zuschauer, viel Medieninteresse. Ist das aus Ihrer Sicht positiv für Ihre Mannschaft oder macht es das Ganze noch schwieriger?
Johannesson: Das ist sehr positiv. Wir wollen alle, dass mehr über Handball in Österreich geschrieben und gesprochen wird. Deshalb müssen wir auch damit umgehen können, wenn die Halle voll ist und mehr Medieninteresse da ist. Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir gut Handball spielen können. Meine Spieler haben es verdient, im Zentrum des Interesses zu stehen. Ich sehe das nicht als Druck. Für die Spieler soll das Ansporn sein.
ORF.at: Die EM ist das Highlight Ihrer bisherigen Trainerkarriere. Als Spieler sammelten Sie mit Island viel Erfahrung bei Turnieren. Werden Sie davon in Dänemark als Trainer profitieren? Welche sind die wichtigsten Dinge, die man als Trainer bei einem großen Turnier beachten muss?
Johannesson: Ich bleibe immer, wie ich bin. Mir ist es egal, ob wir gegen Grönland, Island oder Dänemark spielen. Ich will immer das Maximale herausholen - aus der Mannschaft und aus mir selbst. Für mich ist das einfach: Die Spieler müssen in Topform kommen. Wir müssen unsere Gegner analysieren, einen klaren Spielplan haben. Und wir müssen für gute Laune sorgen. Man spielt besser, wenn man gute Laune hat. Und wenn man fit und gut vorbereitet ist, dann hat man auch gute Laune. Ich kann nicht verlangen, dass wir jedes Spiel gewinnen. Aber ich verlange, dass meine Spieler immer ihre maximale Leistung zeigen.
ORF.at: Im Fußball wird oft diskutiert, ob eine Mannschaft erfolgreich effektiv oder auch attraktiv spielen muss. Was ist Ihre Philosophie im Handball?
Johannesson: Mein Ziel für jedes Spiel und jedes Training ist, dass meine Spieler alles geben. Das Spielsystem, ob wir langsam oder schnell spielen, hängt davon ab, wie ein Spiel läuft und gegen wen wir spielen. Meine Mannschaft muss ein paar Abwehrsysteme spielen können - ob es 3-2-1, 5-1 oder etwas anders ist: Wichtig ist, wie es gemacht wird. Jeder Trainer der Welt wünscht sich, dass die Abwehr stabil ist, der Torhüter gut hält und das Tempospiel nach vorne klappt. Wenn manches davon nicht funktioniert, braucht man schnell eine andere Lösung.
ORF.at: Welche Teams sind für Sie die großen Favoriten bei dieser EM?
Johannesson: Frankreich, Dänemark, Island und Kroatien.
ORF.at: Welche Schlagzeile würden Sie gerne über Ihre Mannschaft am Tag nach dem letzten Spiel bei dieser EM lesen?
Johannesson: Österreich kann stolz sein auf seine Mannschaft. Jeder hat alles gegeben. Handball in Österreich ist auf dem richtigen Weg.
Das Gespräch führte Harald Hofstetter, ORF.at
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