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Endspurt in Richtung Dänemark

213 Nationalteameinsätze und damit mehr als jeder andere Feldspieler bisher, die Heim-EM 2010, die WM 2011, unzählige Ligapartien in Deutschland sowie Österreich hat Patrick Fölser in seinen 37-jährigen Knochen. Nun darf er sie ab 12. Jänner bei der EM-Endrunde in Dänemark noch einmal hinhalten. Der Kreisspieler von West Wien gab am Montag den Rücktritt vom Rücktritt bekannt, auch weil ÖHB-Teamchef Patrekur Jonhannesson Fölsers Abschied einfach nicht akzeptierte.

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Im Sommer 2012 war der Oberösterreicher offiziell aus dem Team verabschiedet worden. „Mit Blumen und Ehrentafel. Die bekommt er nicht noch einmal“, scherzte ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner. „Wenn Not am Mann ist, bin ich bereit zu helfen“, sagte Fölser selbst. Nicht zuletzt aufgrund der Verletzung seines West-Wien-Clubkollegen Max Wagesreiter, der für die EM fraglich ist, braucht Johannesson jetzt dringend Fölsers Erfahrung auf der wichtigen Kreisposition.

Entscheidungsfindung der etwas anderen Art

„Er hat mir unmissverständlich klargemacht, dass er meinen Rücktritt nicht akzeptiert“, berichtete Fölser von der eher außergewöhnlichen Entscheidungsfindung. Beim Viernationenturnier in Deutschland, bei dem die Österreicher ab 3. Jänner auf die nicht für die EM qualifizierten Gastgeber sowie die EM-Starter Island und Russland treffen, muss der „Methusalem“ im Team seine Fitness unter Beweis stellen. Beim Pressetermin in Wien jedenfalls wirkte das auch in der Abwehr variabel einsetzbare Kraftpaket nicht gerade unfit.

Handballer Patrick Fölser im West-Wien-Trikot

GEPA/Oliver Lerch

Als Führungsspieler von HLA-Club West Wien zeigt Fölser seit Monaten EM-Form

Man kann davon ausgehen, dass Fölser in den Gruppenspielen gegen Tschechien, Dänemark und Mazedonien um den Aufstieg in die EM-Hauptrunde mitkämpfen wird. „Paco hat viel internationale Erfahrung und kann der Mannschaft immer helfen“, begründete der Isländer Johannesson seine Hartnäckigkeit in der Personalie Fölser. Für die teaminternen „Konkurrenten“ am Kreis, Christoph Edelmüller (Fivers) und Fabian Posch (Ferlach), bedeutet das einigen Druck. „Ich bin aber freundlich aufgenommen worden“, meinte Fölser mit Augenzwinkern.

Die richtige Mischung

Als eine „ehrenvolle Aufgabe“ betrachtet er seine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Die 246 Länderspiele der oberösterreichischen Torhüterlegende Ewald Humenberger seien dabei laut Fölser weder Motivation noch erreichbares Ziel. Insgesamt dürfte die Mischung aus Jung und „Alt“ in Johannessons vorläufigem 20-Mann-Großkader gut passen. Neben Fölser gibt es auch Regisseur Viktor Szilagyi, Linksaußen Konrad Wilczynski und Rückraum Roland Schlinger, die auf die Erfahrung von zwei großen Turnieren zurückgreifen können.

„Das kann uns bei dieser EM sicher helfen“, ist auch Wilczynski überzeugt. Bei der Heim-EM 2010 belegte man unter dem isländischen Teamchef Dagur Sigurdsson den sehr guten neunten Platz. Die WM 2011 verlief unter dem schwedischen Coach Magnus Andersson mit dem klaren Ausscheiden in der Vorrunde nicht nach Wunsch. In Dänemark wollen die Österreicher nun wieder für Furore sorgen. „Die Weihnachtskekserl sind weg“, scherzte Wilczynski nach dreitägigem Konditionslehrgang. Im neuen Jahr wird es ab 2. Jänner richtig ernst.

Harald Hofstetter, ORF.at

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