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„Es ist ein Wahnsinn“

Thomas Diethart hat am Montag eindrucksvoll für ein Happy End seines Wintermärchens gesorgt. Der 21-Jährige sicherte sich mit dem Tagessieg beim Abschlussspringen in Bischofshofen den Sieg bei der 62. Vierschanzentournee und holte damit den sechsten Triumph eines ÖSV-Adlers in Serie. Am Ende lag Diethart 18,3 Punkte vor Thomas Morgenstern, der Simon Ammann (20,2) noch von Platz zwei verdrängte.

Diethart bewies auf dem Weg zum bisher größten Triumph seiner noch jungen Karriere Nerven aus Stahl. Mit einem Sprung auf 138,5 m holte sich der Niederösterreicher die Zwischenführung nach dem ersten Durchgang, die er auch in der Entscheidung mit einer Weite von 140,0 m souverän verteidigte. Rang zwei beim zweiten Tournee-Tagessieg von Diethart nach jenem in Garmisch-Partenkirchen ging an den Slowenen Peter Prevc (1,7). Thomas Morgenstern wurde mit der Tageshöchstweite von 142,0 m im zweiten Durchgang Dritter (2,9).

Thomas Diethart mit Österreich-Fahne

APA/Barbara Gind

Thomas Diethart verteidigte erfolgreich das Trikot des Tournee-Leaders

„Ich freue mich unglaublich“

Umjubelter und uneingeschränkter Held des Tages war aber Diethart, der begleitet von Tausenden rot-weiß-roten Fahnen zum Gesamtsieg segelte. „Es ist so geil. Ich habe den letzten Sprung so gut getroffen und trotz eines Pendlers durchgezogen. Es ist ein Wahnsinn, ich freue mich unglaublich“, sagte Diethart, der mit einem Vorsprung von 9,4 Punkten den letzten Bewerb in Angriff genommen und diesen nach dem ersten Durchgang auf 16 Zähler ausgebaut hatte.

Thomas Diethart im Flug während der Vierschanzen-Tournee

GEPA/Felix Roittner

Auch in Bischofshofen waren die Sprünge von Diethart wieder bärenstark

„Ich habe es genossen. Bei Thomas (Morgenstern, Anm.) war schon so eine tolle Stimmung. Ich bin auf den Balken gerutscht, und es ist im Stadion so zugegangen, da habe ich mich echt gefreut“, schilderte Diethart die letzten Momente vor seinem Sprung. „Es wird allerdings noch eine Zeit dauern, bis ich es begreife“, sagte der ÖSV-Jungstar, der auch der erste Tournee-Debütant seit dem Norweger Anders Jacobsen 2006/07 ist, der gleich die Gesamtwertung gewinnen konnte. „Da sieht man wieder, wie schnell es im Skispringen gehen kann. Man muss es mental umsetzen, dann kann es funktionieren.“

Ammann als fairer Verlierer

Diethart schaffte damit etwas, was Ammann bisher versagt blieb. Der vierfache Olympiasieger muss weiter auf seinen ersten Tournee-Sieg warten. Der 32-Jährige vermied im ersten Durchgang nach einer Landung bei 137,0 m nur mit Mühe einen Sturz, bekam aber natürlich Abzüge bei den Haltungsnoten. „Die Gesamtwertung habe ich nie aufgegeben. Ich habe mich nur über meinen ersten Sprung geärgert. Mehr kann ich beim Absprung nicht riskieren. Ich kann mir von meinem Zugang her nichts vorwerfen“, sagte Ammann.

Der Schweizer war aber ein fairer Verlierer und gratulierte Diethart zu dessen Gesamtsieg. „Ich weiß ja, wie es ist, wenn ein junger einem arrivierten Springer ein Schnippchen schlägt“, erinnerte Ammann mit einem Schmunzeln an die Olympischen Spiele im Jahr 2002 in Salt Lake City, als er ohne Weltcup-Sieg in der Tasche zweimal Gold gewinnen konnte. Ob er noch einmal einen Anlauf auf den ersehnten Tournee-Sieg in Angriff nehmen wird, ließ Ammann offen.

„Thomas ist ein absolut würdiger Sieger“

Morgenstern wird hingegen noch einmal versuchen, nach 2010/11 die Tournee zu gewinnen. In dieser Saison klappte es aufgrund der Überform von Diethart nicht. „Thomas ist ein absolut würdiger Sieger. Megamäßig, wie er das heute wieder gemacht hat. Auf jeden Fall Gratulation an ihn“, sagte der 27-Jährige. „Mit den Voraussetzungen, mit denen ich nach Oberstdorf gefahren bin, Tournee-Zweiter zu werden, das hätte ich mir nicht gedacht. Darauf bin ich stolz. Dieser Platz ist sehr viel für mich wert, weil viele gute Sprünge bei der Tournee dabei waren“, sagte Morgenstern.

„Der Aufsprung im zweiten Durchgang und die Noten der Kampfrichter ärgern mich. Es waren grundsätzlich zwei Supersprünge, ich bin sehr zufrieden.“ Morgenstern übte allerdings auch noch einmal Kritik am Springen in Innsbruck: „Was dort passiert ist, ärgert mich noch. Aber man muss es nehmen, wie es ist. Hoffentlich lernt man für die Zukunft daraus. Bei solchen Bedingungen sollte man keinen Bewerb durchpressen. In Bischofshofen war aber einer der fairsten Wettkämpfe seit Ewigkeiten, und da hat Thomas bewiesen, dass er in einer bestechenden Form ist.“

Dreikönigsspringen in Bischofshofen

Endstand:
1. Thomas Diethart AUT 138,5/140,0 296,5
2. Peter Prevc SLO 139,5/138,5 294,8
3. Thomas Morgenstern AUT 137,0/142,0 293,6
4. Simon Ammann SUI 137,5/137,0 285,7
5. Noriaki Kasai JPN 133,5/137,5 281,0
6. Anders Bardal NOR 133,5/134,5 278,4
7. Anders Fannemel NOR 132,0/135,5 276,1
8. Kamil Stoch POL 134,0/133,5 275,1
9. Andreas Wellinger GER 134,0/133,5 273,3
10. Severin Freund GER 133,0/133,5 271,7
11. Anders Jacobsen NOR 129,5/135,0 267,4
12. Jan Matura CZE 131,0/133,5 267,1
13. Wolfgang Loitzl AUT 132,0/131,0 266,9
14. Michael Hayböck AUT 131,5/130,5 266,7
15. Marinus Kraus GER 131,5/130,5 264,5
16. Jarkko Määttä FIN 130,5/132,5 263,0
17. Michael Neumayer GER 131,0/131,5 262,0
18. Gregor Schlierenzauer AUT 131,5/130,5 260,2
19. Anssi Koivuranta FIN 129,5/131,0 258,7
20. Stefan Kraft AUT 129,5/131,0 257,7
21. Piotr Zyla POL 130,0/128,0 252,9
22. Jaka Hvala SLO 131,5/125,0 252,4
23. Maciej Kot POL 129,0/127,5 251,4
24. Jan Ziobro POL 128,5/128,0 250,0
25. Lukas Hlava CZE 128,5/126,5 248,7
26. Daiki Ito JPN 129,5/124,0 245,5
27. Jurij Tepes SLO 126,0/126,0 242,6
28. Robert Kranjec SLO 129,5/121,5 238,8
29. Richard Freitag GER 119,5/123,5 223,6
30. Jakub Janda CZE 124,5/119,0 221,2
Nicht im Finale dabei:
31. Manuel Fettner AUT 127,0 124,3
33. Manuel Poppinger AUT 126,5 122,2
45. Andreas Kofler AUT 120,5 109,2
46. Christoph Stauder AUT 119,5 108,5
48. Simon Greiderer AUT 112,0 91,4
Nicht gestartet: Taku Takeuchi (JPN)

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