Themenüberblick

15. Duell der Superstars

Die Super Bowl, das Finale der National Football League (NFL), steht zwar erst am 2. Februar auf dem Programm, für viele Fans steht jedoch bereits am Sonntag das wahre Endspiel an. Zum 15. Mal kreuzen zwei der besten, wenn nicht die beiden besten, Quarterbacks der jüngeren Geschichte die Klingen: Peyton Manning und die Denver Broncos empfangen Tom Brady und die New England Patriots.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Als „Brady-Manning XV“ kündigen die Medien in den USA das Duell um den Platz der American Football Conference (AFC) in der Super Bowl an. Für den Sender CBS ist die Partie „das Spiel, das 95 Prozent der Amerikaner haben wollten“. Aber auch die restlichen fünf Prozent der footballbegeisterten Amerikaner werden am Sonntag die Liveübertragung des „Kampfes der Titanen“ aus dem Sports Authority Field at Mile High auf ihren TV-Geräten laufen haben. Und das zu Recht.

Zusammen erzielten die beiden Quarterbacks in ihrer Kariere 928 Touchdown-Pässe. Manning (55) und Brady (50) sind zudem jene beiden Herren, die in der Rangliste der meisten Touchdown-Pässe in einer Saison die Plätze eins und zwei belegen. Dazu wurden beiden Spieler auch mit Ehrungen überhäuft. Manning wurde viermal zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt, Brady insgesamt zweimal. Und es könnte außerdem das letzte Aufeinandertreffen der beiden künftigen Mitglieder der „Hall of Fame“ werden. Denn vor allem der 37-jährige Manning befindet sich nach mehreren Nackenoperationen bereits im Herbst seiner beeindruckenden Karriere.

Patriots als Mannings Schicksal

Die Spiele gegen Brady und New England definierten wie keine anderen die Laufbahn Mannings. Denn ausgerechnet die Patriots sind mit schuld daran, dass der 37-Jährige bei einer mageren Play-off-Bilanz von zehn Siegen und elf Niederlagen hält und erst einen Super-Bowl-Ring an seiner Hand trägt. Von 14 Duellen konnte Manning nur vier für sich entscheiden. Und die feierte der Superstar noch im Dress der Indianapolis Colts, wo er von 1998 bis 2011 die Bälle verteilte.

Peyton Manning im Einsatz als Quarterback für die Denver Broncos

Reuters/USA Today Sports/Stew Milne

Manning hatte gegen die Patriots in seiner Karriere nicht viel zu lachen

Mit den Broncos verlor Manning bisher beide Duelle. So auch im diesjährigen Aufeinandertreffen im Grunddurchgang auswärts in Foxborough, das die Broncos trotz 24:0-Pausenführung noch mit 31:34 verloren. Auch im Play-off ist die Bilanz mit 1:2 negativ. Seinen einzigen Sieg gegen die Patriots in der K.-o.-Runde feierte Manning im AFC-Finale 2006 - und holte sich in der Folge immerhin auch seinen bisher einzigen Meistertitel. Ansonsten biss sich der Quarterback vor allem an der Taktik von Patriots-Coach Bill Belichick die Zähne aus.

Rekordsaison fehlt Schlusspunkt

Kein Wunder, dass Manning im Vorfeld Belichick als den „wohl besten Trainer aller Zeiten“ bezeichnete. Gegen keinen Trainer hat der Quarterback eine geringere Erfolgsquote. In insgesamt 17 Duellen gegen von Belichick gecoachte Patriots - drei Spiele datieren aus der Vor-Brady-Ära - ging Manning nur sechsmal als Sieger vom Feld. Macht eine Quote von 35,3 Prozent. Zum Vergleich: Gegen alle anderen Teams der Liga steht die Erfolgsquote bei knapp 74 Prozent.

Und ausgerechnet gegen die Patriots entscheidet sich Mannings beste Saison aller Zeiten. Der 37-Jährige erzielte heuer mit 5.477 Yards Raumgewinn im Passspiel und 55 Touchdowns in der Regular Season neue NFL-Bestmarken. Bis zu dieser Spielzeit waren Bradys 50 Touchdown-Pässe aus der Saison 2007/08 Rekord gewesen. Für Manning könnte sich im Falle einer Niederlage die Geschichte wiederholen. Denn auch 2004 erzielte der Quarterback, damals mit 49 Touchdowns, einen neuen NFL-Rekord - und scheiterte im Play-off, richtig, an den New England Patriots.

Broncos als Bradys Angstgegner

Die Statistik in den direkten Duellen mit Manning spricht also für Brady. Im Vergleich mit Manning kann Brady außerdem auf drei Super-Bowl-Titel verweisen. Außerdem gilt der gebürtige Kalifornier als Mann für die entscheidenden Momente. Während Manning im Play-off nur zehn seiner 21 Spiele gewinnen konnte, setzte sich Brady in 18 seiner bisher 25 Play-off-Partien durch. Eine Erfolgsbilanz, die ansonsten nur der große Joe Montana, lebende Quarterback-Legende der San Francisco 49ers, vorweisen kann.

Jubel von Quarterback Tom Brady (New England Patriots)

Reuters/USA Today Sports/Greg M. Cooper

Brady könnte gegen Manning den elften Sieg im direkten Duell feiern

Allerdings gibt es auch eine Statistik, die so ganz und gar nicht für den dreifachen Super-Bowl-Sieger Brady spricht. Denn ausgerechnet gegen die Denver Broncos ist die Bilanz des 36-Jährigen, der mit Topmodel Gisele Bündchen liiert ist, negativ. In elf Spielen in Grunddurchgang und Play-off konnte Brady gegen Denver nur fünfmal gewinnen. Die Broncos sind damit das einzige Team neben den New York Giants (zwei Siege, drei Niederlagen), gegen die der Spielmacher mehr Pleiten als Erfolge vorzuweisen hat.

Großer Respekt

Der Respekt zwischen Manning und Brady ist trotz der langjährigen Rivalität groß. Daher versuchten auch beide im Vorfeld das persönliche Duell in den Hintergrund zu drängen. „Es ist Broncos gegen Patriots. Das sind zwei sehr gute Teams, die viel getan haben, um so weit zu kommen“, sagte Manning. Für sein Gegenüber hatte der 37-Jährige dennoch viel Lob parat. „Was heraussticht, ist Toms Konstanz“, so Manning. „Man hat das Gefühl, dass er jedes Jahr noch besser ist als die Saison davor. Das spricht für seinen Einstellung im Training.“

Auch Brady hielt mit Lob für Manning nicht hinter dem Berg. „Er hat die Offensive großartig im Griff“, sagte der Patriots-Spielmacher, „er kann so ziemlich alles tun, was er will. Er hat viel Selbstvertrauen und auch viel Vertrauen in die Leute rund um ihn herum.“ Einen der Männer rund um Manning kennt Brady ganz genau. Wes Welker war bis zur Saison 2012/13 seine bevorzugte Anspielstation bei den Patriots.

Weil Brady selbst mit Rob Gronkowski der fangsicherste Passempfänger fehlt und New England noch dazu auswärts antreten muss, fühlen sich die Patriots in der Außenseiterrolle. „Ich weiß, dass niemand auf uns setzen wird“, sagte Brady, der sich in der Vorbereitung auf die Partie mit einer kleinen Erkrankung herumschlagen musste. Doch das ist abgehakt. „Man sollte sich keine Sorgen machen“, so Brady, „ich werde bereit sein.“ Bereit für das vielleicht letzte Kapitel im „Kampf der Titanen“.

Karl Huber, ORF.at

Link: